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Illarramendi: Gegen das Phlegma von Dortmund

Plötzlich ist Illarramendi nicht mehr Wechselkandidat, sondern Kroos-Ersatz Nummer eins. Für den jungen Basken die Chance, Eindrücke der letzten Saison zu korrigieren.

Madrid. Eine der letzte Fragen, die Xabi Alsonso bei seiner Abschieds-Pressekonferenz am Donnerstag im Santiago Bernabeu beantwortete, drehte sich um einen seiner Nachfolger bei Real Madrid. "Er hat viel über die Ansprüche und Erwartungen in diesem Verein gelernt", sagte der Routinier aus dem Baskenland über seinen Landsmann Asier Illarramendi, der innerhalb von 48 Stunden vom Wechselkandidaten Nummer eins zum Toni Kroos-Ersatz Nummer eins avanciert ist. "Jetzt steht ihm ein ein aufregendes Jahr bevor."

Es dürfte eine turbulente Woche für Illarramendi gewesen sein, in der die Aktien für den Verbleib des Mittelfeldspielers täglich stiegen und fielen. Bevor Alonso die Königlichen mit seinem Wechsel nach München überraschte, galt der 24-Jährige als erster Kandidat für eine Auseihe, weil mit Alonso und Kroos die Konkurrenz auf der zentralen Sechser-Position nur wenig Einsatzzeiten versprach. Athletic Bilbao hatte für den Falle der Qualifikation für die Königsklassen-Gruppenphase bereits Interesse an dem Mann aus dem nahe San Sebastian gelegenen Fischerdorf Mutriku bekundet. Gegen Ende der Woche kam alles ganz anders.

Es gehört seit den 2000er Jahren zu den Charakteristsika Reals, dass die Einkaufspolitik nicht immer nur sportlichen, sondern auch marketingstrategischen Maßgaben folgt. Und so muss sich Carlo Ancelotti auch diesen Spätsommer wieder dem Wunsch der Vereinsspitze beugen, die ihre teuren Neuzgänge Kroos und James auf dem Platz sehen will. Eine Konstellation, die ausgerechnet für einen der verdientesten Spieler im Kader verminderte Einsatzzeiten bedeutete.

Am Donnerstag nutzten die Bayern die Gemengelage und verpflichteten Xabi Alonso für zwei Jahre. Illarramendis sich andeutender Wechsel zu Athletic, das sich Mittwochnacht für die Gruppenphase der Champions League qualifizierte, war innerhalbs eines Tages wieder vom Tisch. Carlo Ancelotti weiß, dass die Saison lang ist und die Beine am Ende schwer werden. Real geht mit einem Kader in die Saison, der mit 18 Feldspielern so knapp ausfällt wie lange nicht mehr. "Mit Toni Kroos und Asier Illaramendi haben wir seine Position gut abgedeckt", sagte der Italiener am Samstag über Nachfolge von Alonso. Und betonte: "Illaramendi wird uns diese Saison sehr hilfreich sein. Er wird jetzt mehr Einsatzzeiten kriegen."

Für den 24-Jährigen bietet sich somit die Chance, Eindrücke der letzten Saison zu korrigieren. Denn so wirklich kam der junge Baske, letzten Sommer als spanischer U 20-Weltmeister nach Madrid geholt, trotz aller Vorschusslorbeeren noch nicht an. Die 38 Millionen Ablöse, die Madrid nach San Sebastian überwies, machen ihn zum sechsteuersten spanischen Spieler überhaupt – nach Fernando Torres (67), Gaizka Mendieta (52), Mata (45), Villa (42) und Javi Martinez (40). Rechtfertigen konnte Illarramendi diese Summe in seiner ersten Saison noch nicht.

Statt des Basken erkämpfte sich Kilometerfresser Angel Di Maria, der mit viel Fleiß und einer enormen Willensleistung die immer wieder aufklaffende Lücke zwischen den Mannschaftsteilen schloss, einen Platz im Team. Anders als der Argentinier konnte 'Illarra' bei seinen einen Einsätzen selten überzeugen, hinterließ vielmehr den Eindruck einer wachsenden Verunsicherung.

Ancelotti glaubt sogar genau zu wissen, wann Illaramendis Phlegma begann. Wie El Pais schreibt, sieht der Italiener den Auslöser im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League in Dortmund. Ein Ballverlust gegen Lewandowski führte im Signa Iduna Park zum 0:1 durch Reus. Danach wirkte Illarramendi fahrig, blockiert. Vor dem 2:0 der Hausherren geriet ihm ein Rückpass zu kurz, den Reus erahnte und im Zusammespiel mit Lewandowski zum Torerfolg nutzte. Zur Pause brachte Ancelotti Isco für Illaramendi, der zum Saisonende 2013/14 immer weniger Spielzeit bekam.

"Es wird für ihn ein Jahr der Entscheidung werden, so oder so. Obwohl er mehr als Alonso und Kroos kostete, konnte er das Grünschnabel-Image in seiner ersten Saison nie ablegen", meint Goals Real-Korrespondent Alberto Pinero. Am Sonntag tritt Real zum ersten Auswärtsspiel in Illarramendis Heimat San Sebastian an. An alter Wirkungsstätte beginnt für 'Illarra' bei Real eine neue Zeitrechnung: "Real hat ihm das Vertrauen neu und blind ausgesprochen, nun ist es Zeit, das zurückzuzahlen", meint Pinero. "Am besten schon im Anoeta."

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