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Bayerns Transfer-Hammer: Fünf Fragen, fünf Antworten zum Alonso-Deal

Die Bombe ist geplatzt: Bayern justiert mit Alonso erneut nach. Doch wie teuer wird der Real-Star? Was steckt hinter dem Deal? Und welche Folgen zieht er nach sich?

München. Bayern München plante, Mehdi Benatia würdig zu präsentieren. Es sollte sein Einstand auf großer Bühne werden. Sichtlich bemüht war Markus Hörwick, der Mediendirektor, deshalb, seinen millionenschweren Sitznachbarn ins rechte Licht zu rücken. Trotzdem verkam dieser schnell zum Statisten. Er wurde verdrängt, von einem Mann, der gar nicht anwesend war. Von Xabi Alonso.

Die wartende Pressemeute zielte nur auf eine Antwort ab: Kommt er, oder nicht? Nach den üblichen Höflichkeitsfloskeln von Benatia kehrte Ruhe ein an der Säbener Straße. Jan-Christian Dreesen ergriff das Wort. Blitzlicht-Gewitter. "Wir sind mit dem Spieler im Grundsatz einig, dass er zum FC Bayern wechseln wird, er wird noch heute zum Medizincheck anreisen."

In ein bis zwei Tagen, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, hoffe man, die "weit gediehenen Gespräche" mit Real Madrid zu finalisieren. Der nächste Transfer-Coup scheint Formsache. Alonsos Verpflichtung wirft Fragen auf. Goal klärt auf: über Gründe, Kosten und Folgen.

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  • Warum noch ein Mittelfeldspieler?

Javi Martinez' Kreuzbandriss löste einen Dominoeffekt aus: Mit ihm brach Pep Guardiolas Fundament weg. Er sollte im neuen System die Konstante sein, der Stabilisator einer Dreierkette. Bis ein unglücklicher Zweikampf das Gebilde nachhaltig erschütterte. Monatelang ohne den Allrounder, ohne Martinez, der im defensiven Zentrum jede Position bekleiden kann. Der Trainer, mit ihm der ganze Klub, sah sich gezwungen, zu handeln.

Hektisch sondierte Bayerns Führungsriege den Markt und griff tief in die Tasche: Bis zu 30 Millionen Euro wird Mehdi Benatia, der Ersatzmann für die Abwehr, kosten. Nun leistet sie sich in Person von Alonso einen zweiten für das Mittelfeld. Aber warum? Sie versucht das Risiko zu minimieren. Über Bastian Schweinsteigers Gesundheit prangt ein dickes Fragezeichen. Ebenso steht Thiago Alcantaras Rückkehr in den Sternen.

  • Warum gerade Xabi Alonso?

Nach dem historischen Triple 2013 wurde im Vorjahr das Double eingetütet - in dieser Saison strebt Bayern wieder mit aller Macht nach Europas Krone. "Wir müssen angreifen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Wer könnte bei diesem Vorhaben besser helfen als einer, der bereits Welt- und Europameister geworden ist und zweimal die Champions League gewann?

Jahrelang spielte Alonso auf höchstem Niveau, und der FCB ist davon überzeugt, dass der 32-Jährige dies mindestens zwei weitere Spielzeiten tun wird. Wichtig war auch, dass man einen Akteur verpflichtet, der dem Team "sofort helfen" kann, wie Sammer es formulierte. Denn: Die Mittelfeldzentrale wurde als Problemzone ausgemacht. Einen wie Toni Kroos könnte Guardiola bestens gebrauchen. Der kickt seit Kurzem bekanntlich woanders. Bei den Königlichen.

  • Flüchtet Alonso vor Kroos?

Alonso drohte nach dessen Wechsel nach Madrid die Ersatzbank, zumal Carlo Ancelotti mitunter Youngster Asier Illarramendi in der Hinterhand hat. Da erscheint es nachvollziehbar, dass sich der Spanier eine womöglich letzte Aufgabe sucht - und der FC Bayern ist eben reizvoller als etwa die amerikanische MLS. In München kann Alonso um große Titel mitspielen, die Verletztenmisere dürfte ihm zumindest vorerst einen Stammplatz garantieren.

Und es gibt sicher schlechtere Aussichten, als im Spätherbst seiner Karriere unter Guardiola und neben Weltstars und Weltmeistern auflaufen zu dürfen. Nach seinem Abschied aus der Nationalelf, den er nach 114 Länderspielen am Mittwoch via Twitter verkündet hatte, kann sich Alonso voll und ganz auf seinen neuen Arbeitgeber konzentrieren. Interessant dabei: Er flüchtet von Real, weil ihm zuletzt die Wertschätzung fehlte. Kroos wählte die andere Richtung.

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  • Wie teuer wird der Transfer?

In Anbetracht der Kroos-Episode: Zu teuer! Alonsos Vertrag wäre bis 2016 datiert gewesen. Schon letzten Sommer forcierte Guardiola die Personalie, damals habe, wie die Marca berichtet, Karl-Heinz Rummenigge sein Veto eingelegt. Für ihn hätte dies Schweinsteigers Rolle gefährdet. Jetzt gibt der Vorstandsboss grünes Licht. Ob der komfortablen Kaderbesetzung werden die Madrilenen einem Geschäft zustimmen. Die Ablöse soll sich auf fünf bis zehn Millionen belaufen. Indes verwundert das Jahressalär.

Alonso wird offenbar mit zehn Millionen fürstlich entlohnt und zählt damit zu den Topverdienern. Ein Wunsch, der Kroos verwehrt blieb. Mehr als acht Millionen soll er gefordert haben. Der Ausgang ist bekannt: Bayern war nicht bereit, an die monetäre Schmerzgrenze zu gehen. Kroos wähnte sich zu wenig gewürdigt, verließ den Verein. Dass ein acht Jahre älterer Profi prompt in jene Sphären stoßen soll, erscheint unverständlich.

  • Welche Folgen hat der Transfer?

"Wir glauben", betonte Sammer, "dass der Transfer für unsere Mannschaft notwendig ist, um den Ansprüchen der Fans und des Klubs gerecht zu werden." Kurzfristig schließt Alonso eine erhebliche Lücke. Neben Philipp Lahm wird er schalten und walten. Er kennt das ballbesitzorientierte Tiki-Taka aus der Nationalmannschaft, die überfallartige Konter-Taktik Reals - er deckt gewissermaßen zwei Kernkompetenzen ab.

Mittelfristig wird Guardiola mit einem Luxusproblem konfrontiert: Sofern Schweinsteiger und Thiago zurückkehren, ist das Herzstück des Systems überbesetzt. Angesichts dessen wird David Alaba wohl kaum seine Lieblingsposition ausfüllen - und Gianluca Gaudino seinen Platz im Team verlieren. Ihm traut man zwar langfristig eine tragende Rolle zu, in den kommenden zwei Spielzeiten nicht.

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