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Mehdi Benatia: Bayern Münchens nötiger Luxus?

Der FC Bayern München will schnurstracks das Jubiläum feiern – den 25. Meistertitel. Braucht es dazu einen weiteren Verteidiger? Mehdi Benatia steht weiter in der Warteschleife.

ANALYSE
Von Rafael Corradino

München. Gegen den VfL Wolfsburg präsentierte sich der FC Bayern München bereits in vergleichsweise nahezu meisterlicher Verfassung, obwohl Pep Guardiola im Vorfeld mehrfach um Zeit gebeten hatte. Durch den Erfolg zum Auftakt hat der Rekordmeister weniger Druck als noch zuvor, so dass die Verpflichtung von Mehdi Benatia zum Luxus verkommt. Allerdings nur in der Außendarstellung - die Gründe sind glasklar.

Italienischen Medienberichten zufolge haben die Münchener deshalb ein weiteres Angebot für den Marokkaner abgegeben: 30 Millionen Euro soll der AS Rom im besten Fall bekommen. Das Geld wäre gut investiert: Benatia hatte in der Saison 2013/2014 bei Pässen eine Erfolgsquote von 89 Prozent, ist stark in der Manndeckung und überaus robust.

Dass Sportdirektor Walter Sabatini nicht verkaufen muss und gerne mehr Moneten in die Kassen der Hauptstädter spülen würde, ist selbstverständlich. Immerhin läuft der Vertrag des 27-Jährigen noch bis 2018, und der Markt ist seit geraumer Zeit überteuert. David Luiz (27) wechselte für knapp 50 Millionen Euro von Chelsea zu Paris, Matthias Ginter, ein 20-Jähriger vom SC Freiburg, kostete Borussia Dortmund bei drei Jahren Restvertragslaufzeit bereits zehn Millionen Euro.

Rummenigge: "Keine Angst vor der Saison"

Andererseits rechtfertigt der gute Start den Münchener Geiz. "Es ist erstaunlich, wie gut einige schon in Form sind", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, deshalb habe man "keine Angst vor der Saison". Die Statistik in der interaktiven Taktiktafel zeigt, dass Holger Badstuber und Dante gemeinsam über 90 Minuten 16 Bälle geklärt haben. Ersterer wies zudem eine makellose Zweikampfquote von 100 (!) Prozent auf.

Philipp Lahm bestätigte nach der Partie aber, dass man bereits nach 20 bis 25 Minuten im Sinne der Stabilität auf eine Viererkette umgestellt hatte. Die Variante mit Dante, Badstuber und Philipp Lahm in der Dreierkatte war fehlgeschlagen.

Fakt ist deshalb auch: Durch die Verletzung von Javi Martinez stehen Guardiola derzeit nur drei Innenverteidiger zur Verfügung - will der Spanier mit einer Dreierkette agieren, sitzt kein nomineller Ersatz auf der Bank. Badstuber geht dabei die erste Saison nach zwei Kreuzbandrissen an und wird nicht in allen Wettbewerben über die volle Distanz gehen können.

Kaum Alternativen zu Benatia

Stünde ein Nachwuchskicker für die Defensiv-Position in den Startlöchern, hätte man diesen längst im Kader gesehen - das zeigen nicht zuletzt Gianluca Gaudino und Lucas Scholl. Bayern ist gewissermaßen gezwungen, zu reagieren. Denn sollte sich ein weiterer zentraler Abwehrmann verletzen, geraten Klub und Trainer in eine absolute Notsituation.

Hinzu kommt: Benatia ist derzeit einer der wenigen verfügbaren Innenverteidiger auf dem Markt. Einzig Diego Godin schien bislang eine passende Alternative zu sein. Laut Rummenigge sei man dennoch "ganz entspannt", denn "Qualität und Preis" seien weiterhin ausschlaggebend.

Für den Marokkaner, der zunächst in Frankreich seine Brötchen verdiente und schließlich bei Udinese sowie der Roma spät zum Weltklasse-Spieler reifte, spricht noch mehr. Ähnlich wie Martinez ist er im Eins-gegen-Eins kaum zu überwinden. Er kennt die taktischen Finessen einer Dreierkette und ist, anders als Badstuber oder Dante, der gesuchte Rechtsfuß.

Benatia ist ob der angespannten personellen Situation kein Luxus mehr, allerdings holt man sich mit ihm ein Luxusproblem ins Haus. Kehrt Martinez nämlich im Februar zurück, wird langfristig ein starker Verteidiger das Nachsehen haben. Ein Überfluss, den der Rekordmeister sich leisten muss - alles andere wäre fahrlässig.

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