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Guardiola zaubert Juwel aus dem Hut: Gaudino begeistert die Massen

Pünktlich zum Bundesliga-Start überrascht Pep mit einem 17-Jährigen in der Startelf. Bei seinem Debüt wird Gaudino von Mannschaft und Fans gefeiert.

Aus der Allianz Arena berichtet Fabio Porta

Wie lange haben wir gewartet, wie viele Testspiele haben wir uns angeschaut, um dabei zu erkennen: Langweilig, es muss endlich wieder losgehen. Am Freitag war es soweit, die Bundesliga startete mit einem hochklassigen Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg, einem 17-Jährigen Debütanten und einer Szene, die das ganze Stadion in Raunen versetzte. 

Pep Guardiola kreiselt in der Coaching Zone. Er merkt, dass sein Team eine führende Hand benötigt, gibt Anweisungen. Der Raum ist zu klein, also macht er sich auf den Weg in Richtung Mittellinie. Nach nur wenigen Sekunden wird er höflich zurück beordert. Ohne zu meckern dreht er sich um, nimmt einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche und setzt sich hin. Das Spiel hinterließ bei dem Spanier seine Spuren, auch wenn er mit der Aufstellung einige Experten und wahrscheinlich auch Dieter Hecking überraschte. 

Start mit Dreierkette

Der amtierende Deutsche Meister begann mit einer Dreierkette mit Dante, Badstuber und Philipp Lahm. Lange ging dieser Plan nicht auf, wie der Kapitän nach der Partie in der Mixed Zone bestätigte: "Wir haben schnell gemerkt, dass wir Außen in Unterzahl sind und die Räume nicht so zu machen können, dann haben wir auf eine Viererkette umgestellt.“ Gut 20 Minuten haben beide Teams gebraucht, um Fahrt aufzunehmen. Dann sahen die 71.000 Zuschauer in der Allianz Arena eine lebhafte, attraktive Begegnung, in der auch Wolfsburg zu gefallen wusste. Und Gianluca Gaudino, der im FCB-Mittelfeld debütierte.

Die ersten Chancen gehörten dem Gastgeber, der sie in Person von Robert Lewandowski jedoch nicht nutzen konnte. Besonders sehenswert war die Chance in der 30. Minute: Gaudino hob den Ball über die Abwehr der Wölfe auf Lewandowski, der das Zuspiel artistisch mit dem rechten Außenrist aus der Luft nehmen musste, doch Grün antwortete mit einer mindestens ebenso sehenswerten Parade. Was einige Minuten später passierte, kennen wir bereits: Arjen Robben vernaschte auf der Außenbahn einen Gegenspieler, bringt den Ball in die Mitte und wer steht da? Thomas Müller natürlich. Der Nationalspieler strotzte vor Spielfreude und wollte keine Ausreden gelten lassen: "Hier geht es nicht um die Kraft. Wenn ich drei Wochen Pause mache, dann geht nicht viel verloren. Außerdem sind wir alle noch nicht im Rentenalter."

Coaching a la Pep

Schon zuvor, in der 20. Minute bewies Guardiola, wieviel Einfluss er auf eine Partie haben kann: Neuer hatte den Ball, Pep bemerkte die freie linke Seite, zog Bernat mit wilden Gesten nach Außen, Götze nach vorne. Beide fragten sich nicht lange, was der Spanier an der Seitenlinie nun auf einmal will und liefen los. Das Ergebnis? Bernat bekam den Ball, schickte Götze auf links und der konnte völlig frei die Außenbahn entlang sprinten. Ein Tor entstand dadurch nicht, doch es war beeindruckend, wie schnell Pep seine Idee auf die Spieler übertragen konnte.

Bayern siegt zum Auftakt - der Spielbericht

Nach der Pause dann ein Angriff, wie sich die Bayern das vorstellen: Müller auf Lewandowski, der ließ auf Robben abtropfen, und der machte eiskalt das 2:0. Kurz darauf knallte Olic die Kugel unter die Latte. Danach vergab Lewandowski eine hundertprozentige Chance, doch die Szene des Spiels ereignete sich in der 79. Minute. Fast das ganze Stadion stand auf, die Hände über den Kopf schlagend. Unfassbar, das gibt’s doch nicht – gibt’s doch! Der Eingewechselte Malanda hatte es tatsächlich geschafft, den Ball aus 30 Zentimetern (!) nicht ins Tor zu befördern.

Gaudino verzückt 

Gianluca Gaudino war bis kurz vor seiner Auswechslung mit 6,7 Kilometern der laufstärkste und mit 95,6 Prozent der passsicherste Spieler - unglaublich, was er mit seiner Unbekümmertheit geleistet hat. Das fanden auch seine Mitspieler: "Er hätte nicht gespielt, wenn er diese Qualität nicht hätte. Mich hat es nicht gewundert, aber natürlich muss man den Hut ziehen. Wir brauchen jetzt aber keine Lorbeeren verteilen, denn ich glaube nicht, dass es ihm weiterhilft. Es würde ihn eher unter Druck setzen", erklärte Weltmeister Müller.

Matthias Sammer war begeistert: "Seine Entwicklung ist unglaublich. Gianluca spielt einfach nur richtig guten Fußball. Wir sind glücklich, aber wir haben es ihm auch zugetraut." Als der Jungstar den Platz verließ, standen nicht wenige auf, applaudierten Gaudino zu einer herausragenden Leistung.

Vom deutschen Rekordmeister war es keine überzeugende Leistung, aber damit war zu rechnen. Wenngleich es für Sportvorstand Sammer bereits nach dem ersten Spieltag keine Ausreden mehr gibt: "Wir müssen aufhören, uns mit den Problemen zu beschäftigen. Die sind da, die kann jeder sehen, das ist die Realität. Wir müssen aufhören, zu sagen, dass es ein bisschen schwierig sein könnte.“ Drei Punkte und weiter, lautet die Devise. 

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