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Von manchen Fans wird er noch heute verehrt, von anderen wurde er ausgepfiffen: Die Karriere des Costa Ricaners hatte Höhen und Tiefen – und könnte in die Bundesliga führen.

Bremen. Um gleich mal die Nachteile zu nennen: Ein englischer Zweitligist möchte ihn loswerden, er ist am Montag 29 Jahre alt geworden und damit nun wirklich kein Talent oder eine Investition für die in weiter Ferne liegende Zukunft mehr. Und er soll rund fünf Millionen Euro kosten, was auf dem internationalen Transfermarkt eher ein Schnäppchen ist, jedoch für einen aktuell finanzschwachen Klub wie Werder Bremen ein großer und damit auch wichtiger Transfer, der sitzen muss: Bryan Ruiz soll sich nach Angaben aus Bremen mit den Hanseaten einig sein, aber der abgebende FC Fulham möchte wahrscheinlich noch auf bessere Angebote für den Offensivspieler warten.

Wer ist der Mann, der zuletzt bei der Weltmeisterschaft das Überraschungsteam aus Costa Rica an- und bis ins Viertelfinale führte? Als 20-Jähriger verließ Ruiz sein Heimatland und heuerte beim belgischen Erstligisten KAA Gent an. Dort blieb er drei Jahre und verdiente sich mit guten Leistungen einen Transfer zum niederländischen Erstligisten FC Twente aus Enschede, der fünf Millionen Euro für den vielseitig verwendbaren Mittelfeldspieler übrig hatte. Dort spielte er sich in die Herzen der Fans.

"Das Wiesel" ist nicht zu fassen

In seiner ersten Saison, der Spielzeit 2009/2010, wurde Ruiz in Enschede zur Legende: 24 Tore und neun Assists gelangen ihm – er führte den Klub damit zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. In seiner zweiten Saison beim FC Twente legte er neun Tore und neun Vorlagen nach, was in der Endabrechnung zum zweiten Rang reichte. Damit hatte er sich nicht nur bei den internationalen Scouts einen Namen gemacht, sondern auch Herzen der Twente-Fans erobert.

Als brillanter Techniker mit einem extrem starken linken Fuß glänzte Ruiz mit Dribblings, Flanken und Abschlüssen. In seiner Heimat wird er "la comadreja" – das Wiesel – genannt. Der Spitzname entstand zwar aufgrund seines Aussehens, doch er passt auch zu seiner Spielweise, mit der er an guten Tagen wegen seiner schnellen Bewegungen für die Gegenspieler nicht zu fassen ist. Ruiz kann als Zehner hinter der Spitze oder zwei Angreifern spielen, aber bei Twente kam er meist über die rechte Seite, von wo aus er nach einem Antritt nach innen mit links zum präzisen Abschluss kommen konnte.

Ein gigantischer Abschied

Am letzten Tag der Transferperiode im Sommer 2011 schlug schließlich der FC Fulham zu und kaufte Ruiz für mehr als zehn Millionen Euro. Als er in seiner ersten Saison in England mit seinem neuen Klub im Rahmen eines Europa-League-Spiels zu seinem Ex-Verein nach Enschede kam, wurde er noch einmal gebührend verabschiedet: Twente spendierte Blumen und ein Bild – und die Fans dankten ihrem Helden mit einer eigenen Choreo und einem großen Spruchband auf spanisch: "Danke für deine Aktionen, deine Tore und unsere Meisterschale" gaben sie Ruiz mit auf den Weg zurück nach London. Es war bislang das letzte Mal, dass dem Costa Ricaner so viel Zuneigung bei einem Klub entgegen gebracht wurde.

Denn bei Fulham lief es alles andere als gut für Bryan Ruiz. Nach einem holprigen Start als Einwechselspieler erkämpfte er sich in seiner ersten Saison zwar einen Stammplatz, doch kurz vor Ende der Spielzeit brach er sich den Mittelfuß. Danach plagten ihn immer wieder Oberschenkelprobleme, auch wenn er fit war, konnte er nur selten in der Premier League überzeugen. Angesichts der köperbetonten Spielweise der Gegner schien sich Ruiz zurückzuziehen, forderte die Bälle nicht mehr so wie noch in Holland. Bei der Defensivarbeit zeigte sich deutlich, dass der Costa Ricaner mehr Künstler als Kämpfer war, was bei einem Team wie Fulham, das die Gegner nicht mit technisch-tollem Fußball dominierte, vor allem den Fans unangenehm auffiel. Die hohe Ablösesumme wurde Ruiz wiederholt vorgehalten und mit dem Abstieg aus der Premier League im Sommer war fast klar, dass das Kapitel Fulham für den Costa Ricaner beendet war. Zumal sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft und damit nur noch in diesem Sommer oder allerspätestens im Winter eine Ablösesumme für ihn eingenommen werden kann. Und, weil mit Felix Magath ein Disziplinfanatiker in Fulham alles umgekrempelt hat – und genau diesem Magath ging Ruiz in der Rückserie der vergangenen Saison durch eine Ausleihe zur PSV Eindhoven aus dem Weg.

Bei der WM wieder frei und gut

"Es ist besser für alle, wenn wir eine Mannschaft haben, bei der wir uns sicher sind, dass sie die ganze Saison für uns spielt", hatte Magath erklärt und Ruiz bei den ersten beiden Saisonspielen überhaupt nicht berücksichtigt. "Es kann sein, dass er den Klub in den nächsten Tagen verlässt", ergänzte er. Die Interessenten werden sich wohl nicht allzu lange mit den Auftritten für Fulham aufhalten, sondern ihre Hoffnungen vielmehr mit der Ruiz-Zeit in Holland verknüpfen – oder der Weltmeisterschaft in Brasilien.

Dort führte Ruiz seine Mannschaft als Kapitän bis in Viertelfinale. Die "Todesgruppe" mit England, Italien und Uruguay überstand der Vier-Millionen-Staat sensationell als Erster, wobei Ruiz beim 1:0 gegen Italien der entscheidende Treffer per Kopf gelang. Nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Griechenland im Elfmeterschießen scheiterten die Ticos schließlich vom Punkt gegen die Niederlande. Auch dort war zu sehen, dass Bryan Ruiz am besten spielt, wenn er in einer relativ freien Rolle in der Offensive seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und er nicht nur ein kleiner Teil eines kämpfenden Kollektivs sein muss.

Bei Werder Bremen hätte er diese Freiheit garantiert. Seine ersten Erfahrungen mit den Norddeutschen hat er schon gemacht. Und das sind keineswegs nur schlechte wie bei der 1:4-Niederlage in der Europa League in der Saison 2009/10. Mit dem FC Twente siegte er in der damals noch guten, alten Werder-Zeit im Oktober 2010 in der Champions League in Bremen 2:0. Vielleicht ist dieser bislang letzte Auftritt des Wiesels an der Weser ein gutes Omen für das, was in dieser Saison noch von ihm kommt.

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