thumbnail Hallo,

Arsenal mit Alexis Sanchez: Träumen erlaubt?

Die Gunners haben nach Özil den nächsten Star geholt und sehen sich mit dem von Barca gekommenen Chilenen durchaus in der Lage, in der Premier League ein Wörtchen mitzureden.

London. Die Erleichterung war riesig, als der FC Arsenal zum Ende der letzten Saison endlich wieder einen echten Titel bejubeln konnte. Nach neun Jahren der Dürre beendete Aaron Ramseys Treffer in der Nachspielzeit gegen Hull das Leiden der Gunners-Fans und bescherte Arsenal den FA-Cup.

"Das ist der Wendepunkt in der Entwicklung dieses Teams", sagte Trainer Arsene Wenger nach dem Pokalsieg. Wird der Franzose Recht behalten?

Fest steht, dass bei Arsenal mit der Verpflichtung von Mesut Özil eine neue Zeit anbrach: Man traut sich, Geld in die Hand zu nehmen und bewies das auch bei Alexis Sanchez, dessen früher Transfer ein Ausrufezeichen setzte und den Klub voranbringen soll.

COMMUNITY SHIELD AN ARSENAL
Get Adobe Flash player

Neue Zeitrechnung im Emirates?

Doch unabhängig von Wengers Bestreben bei Alexis, aus dem nominellen Außen- einen Mittelstürmer zu formen sowie der Tatsache, dass Giroud beim Sieg im Community Shield gegen ManCity ein tolles Tor gelang: Die Position des echten Knipsers im Sturmzentrum ist eine der wenigen, in denen man vielleicht noch Nachholbedarf hat.

Davon abgesehen macht die Vorbereitung Hoffnung, dass die Gunners durchaus in eine neue Phase eintreten können. Theo Walcott, letzte Saison mit Kreuzbandriss lange ausgefallen, steht vor seinem Comeback. Bei Jack Wilshere ist man voller Hoffnung, dass der Mittelfeldmann sein Tal aus Verletzungen und Rückschlägen durchschritten hat.

Und dann ist da ja auch noch Aaron Ramsey, der in der letzten Spielzeit zum Schlüsselspieler avancierte. Der Waliser musste eine schwere Last schultern, als mehr und mehr Protagonisten neben ihm sich verletzten und reihte sich so schließlich fast zwangsläufig im Lazarett ein.

Özils Saison der Wahrheit

Auch mit diesem bitteren Verletzungspech hatte es zu tun, dass Mesut Özil in seiner ersten Premier-League-Saison am Ende reichlich anonym wirkte und kaum mehr den Unterschied machte. Ihn erwischte es zwischenzeitlich ebenfalls, nun sollte er sich beweisen können.

Je mehr Özil Kollegen auf Augenhöhe um sich herum hat, die er mit seinen Pässen füttern kann, desto besser wird er seine Qualitäten einbringen können und beweisen, dass die 50 Millionen in ihn nicht vergeblich investiert wurden. Seine zweite Saison in London ist daher eine der wichtigsten seiner Karriere.

Was zum potenziellen Passadressaten und Königstransfer Sanchez führt: Vom Chilenen, der zuletzt bei Barcelona eine seiner besten Spielzeiten hinlegte, wird ein gewisser Strahlfaktor erwartet. Alexis soll den Glanz bringen und für das Momentum sorgen, dass im Emirates ganz vorn seit dem Abschied von van Persie nicht mehr so recht aufkommen wollte.

Das ist ihm durchaus zuzutrauen. In der Breite hat Arsenal zudem mit Spielern wie Podolski, Oxlade-Chamberlain und dem jungen Sanogo durchaus etwas anzubieten, was bei vielen anstehenden Spielen sicher ein Thema ist, klappt es mit der CL-Qualifikation gegen Besiktas, die Pflicht ist.

Bislang kam kein Abräumer

Für Podolski bedeutet der Sanchez-Transfer, dass er mehr denn je um Spielzeit wird kämpfen müssen, Serge Gnabry soll aus demselben Grund verliehen werden, doch Weltmeister Podolski, nominell auf der linken Angriffsseite beheimatet, strahlte zuletzt Kampfgeist aus. Den wird er auch benötigen, herrscht auf den Außen doch nun ein Überangebot bei den Gunners.

Ebenso wie auf die Verpflichtung eines Mittelstürmers verzichtete Wenger bislang darauf, einen defensiven Mann fürs Mittelfeld zu holen. Sami Khedira, der lange im Gespräch war, kam nicht, hätte wohl auf Gehalt verzichten müssen. Die vielen hohen Niederlagen gegen die Topklubs in England in der vergangenen Spielzeit hätten einen solchen Transfer gerechtfertigt. Das letzte Wort muss hier noch nicht gesprochen sein.

Stattdessen holte man mit Calum Chambers einen hoch veranlagten Verteidiger, der zwar auch auf der Sechs spielen kann, mit 19 Jahren aber noch nicht zum Heilsbringer taugt. Die Eindrücke aus der Vorbereitung sind jedoch positiv – hier hat man sich ganz in alter Arsenal-Tradition für einen Spieler entschieden, der ein Versprechen für die Zukunft ist und auch in der Gegenwart bereits helfen kann.

Ob das nun zum ersehnten Premier-League-Titel reicht, den man letzte Saison um sieben Zähler verpasste, ist schwer zu sagen, bedenkt man die Verstärkungen der großen englischen Vereine, die allesamt Titelambitionen hegen. Wenger hat nicht umsonst für weitere drei Jahre verlängert; der Elsässer hat das Gefühl, mit diesem Team noch einiges erreichen zu können. Wie auch immer die kommende Saison verläuft: Auf das Gefühl, einen Pokal in die Höhe zu stemmen, möchte man keinesfalls weitere neun Jahre verzichten.

Dazugehörig