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Sami Khedira: Weltmeister in der Schwebe

Die neue Konkurrenz-Situation bei Real hat die Wechsel-Gerüchte um Khedira zuletzt mächtig befeuert. Ancelotti beendete diese am Montag.

Cardiff. Am Montagabend beendete Carlo Ancelotti vorerst alle Spekulationen um Weltmeister Sami Khedira. "Khedira wird uns nicht verlassen, er ist Spieler von Real Madrid", sagte der Trainer von Real Madrid während der Pressekonferenz zum europäischen Supercup. "Er hat Vertrag bis zum 30. Juni 2015, mehr gibt es nicht zu sagen." Zuletzt hatten die Spekulationen um den Ex-VfBler mächtig zugenommen, sodass ein Wechsel nur eine Frage der Zeit schien. Allerdings spricht aus Ancelottis Sicht auch einiges für den Verbleib des Weltmeisters.

Die beiden Neuzugänge Toni Kroos und James Rodriguez haben eine neue Konkurrenz-Situation geschaffen, welche die Wechsel-Gerüchte um Khedira zuletzt mächtig befeuerte. Und weil der Verkauf von Angel Di Maria laut PSG-Präsident an überzogenen Ablöseforderungen scheiterte, herrscht zumindest momentan ein Überangebot in Reals Mittelfeld. Allerdings halten sich Gerüchte über einen Transfer des Argentiniers zu Manchester United hartnäckig. Kroos, Modric, Alonso, (und noch) di Maria heißen neben Khedira die Kandidaten für maximal drei Startplätze im zentralen Mittelfeld. In der Warteschleife steht auch noch Asier Illaramendi.

Vor allem die Ankunft von WM-Kollege Kroos verschärft die Situation: Ancelotti plant mit dem passsicheren Deutschen als Strategen und "verlängerten Arm", wie die Marca schreibt. Kroos soll langfristig Xabi Alonso beerben und bringt die nötigen Fähigkeiten mit, allen voran Ball- und Passsicherheit. Der Ex-Bayer wird beim Supercup-Finale am Dienstag auflaufen und wohl gemeinsam mit Modric, letzte Saison das Gehirn Reals, in einem 4-2-3-1 vor der Abwehr die Fäden ziehen, während Neuzugang James als klassischer Zehner randarf.

Khedira hatte in Madrid noch nie einen leichten Stand

In den spanischen Medien gilt die Aufstellung als erste Blaupause für Ancelottis Wunschelf in der neuen Saison, die gegen Sevilla den ersten Titel gewinnen soll. Ändert 'Carletto' seine Formation zu dem im letzten Jahr praktizierten 4-3-3, ist da immer noch Alonso, eventuell auch der zum zentralen Mittelfeldmann umgeschulte di Maria, die um einen Startplatz kämpfen. Nicht auszuschließen ist, dass James oder Isco in einem Dreierriegel vor der Abwehr eingesetzt werden. Mehr Konkurrenz gibt es auf kaum einer Position bei Real.

Auf den ersten Blick spricht also vieles für einen Wechsel. Zumal Khedira in Madrid noch nie einen leichten Stand hatte: Obwohl Mourinho und Ancelotti die spezifischen Qualitäten des Abräumers schätzten, stand der Anhang den Ballfertigkeiten des Sechers seit jeher skeptisch gegenüber. Khedira galt als Kämpferherz, aber auch als technisch begrenzter Defensivspezialist. Und lange Zeit auch als "Mourinho-Spieler", der sein Standing vor allem der dreijährigen Amtszeit und der Spielweise des Portugiesen verdankt.   

"Ich werde in Spanien nie ein Liebling der Medien werden", klagte der 27-Jährige letzten Herbst im Kicker. Sein neuer Trainer konnte jedoch sehr wohl etwas mit dem ungeliebten Stuttgarter anfangen. Ancelotti brauchte eine Spielzeit lang, um dem Team die Kontergeister der Ära Mourinho auszutreiben und aus Real wieder eine Elf mit Freude an Ballbesitz und Spielkultur zu machen. Innerhalb dieser Reform tat Raumzusteller Khedira dem Spiel mit seinen mitunter auseinandergerissenen Mannschaftsteilen gut.   

Für Khedira bedeutete das gleichzeitig eine Weiterbildung: Mehr Tiki-Taka statt Pferdelunge, ein Umschulungsprozess, der von dem Deutschen mehr Beteiligung am Passspiel statt Athletik verlangte. Ancelotti hat die Fortschritte wohlwollend registriert. Im November bremste Khedira dann sein Kreuzbandriss aus, doch es folgte das Comeback und eine starke WM, die sein Standing verbessert haben dürften. "Niemand ist zufriedener als Florentino Perez, der seine sehr spezielle Zuneigung für den Spieler mit dem tunesischen Vater hegt", schrieb El Pais nach Khediras WM-Leistungen.

2015 ablösefrei zu Mourinho?

Einer der Gründe, weswegen Khedira am Beginn des Sommers auch nicht unbedingt auf der Verkaufsliste stand, wie Goals Real-Korrespondent Alberto Pinero meint. Allerdings: Die von Real immer wieder angebotene Vertragsverlängerung hatten Khedira und sein Berater laut El Confidencial in den letzten Monaten immer wieder ausgeschlagen. Drei Wochen vor dem Ende des Transferfensters hielt sich der Mittelfeldspieler auffällig bedeckt.

Ein Wechsel schien vorübergehend nur noch eine Frage der Zeit: Bei den Bayern wurde Khedira für einen Tag gehandelt, ehe Karl-Heinz Rummenigge die Gerüchte als "Ente" abqualifizierte. Noch mehr wurde über eine Wiedervereinigung mit Mesut Özil bei Arsenal spekuliert. Doch Arsene Wenger beendete letzte Woche vorerst alle Mutmaßungen. Chelsea-Trainer Jose Mourinho will seinen einstigen Real-Zögling gerne zu sich holen, aber erst in einem Jahr, wenn dessen Vertrag ausläuft.     

Im Umfeld Madrids und in den Medien mehrten sich zuletzt die Gerüchte, dass Khedira seinen Vertrag aussitzen und Mourinhos Ruf an die Stamford Bridge dann ablösefrei folgen will, ein Wechselgeld eingeschlossen. Dann allerdings, so heißt es, würde Real seinem Spieler keine Einsatzzeiten gewähren. Aber könnte Madrid sich das bei einem Abgang von Di Maria leisten? Xabi Alonso hat seit zwei Jahren keine Saison verletzungsfrei überstanden und Illaramendi könnte es an Erfahrung fehlen. Ancelotti weiß, dass für sein Team in sechs Wettbewerben bis zu 65 Partien anstehen können.    

Sechs Wettbewerbe: Real wird einen breiten Kader brauchen

Der Trainer hat seinen Spielern bereits mitgeteilt, dass sich 15 Spieler um die elf Startplätze streiten müssen, von denen jeder mit ausreichend Einsatzzeit rechnen dürfe, um die Mannschaft bis zum Saisonende frisch zu halten. Dass Real in der Breite gut besetzt ist, gilt immerhin als einer der Sieg-Faktoren im Champions-League-Finale, als Atletico stehend K.O. in der Verlängerung überrannt wurde. Kein Spieler Reals soll am Ende mehr als 4000 Minuten bestritten haben, wie Goal-Korrespondent Ben Hayward berichtet. Ein Rechnung, welche die Überlegung um einen Verbleib Khediras in Chamartin nicht mehr ganz abwegig macht.

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