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Aufgrund von Verletzungsproblemen musste "CR7" in der vergangenen Saison eine Zwangspause einlegen, es folgte eine schwierige WM. Seine Fitness ist auch zur neuen Saison ein Thema.

Madrid. Am Dienstagabend in Cardiff wird Cristiano Ronaldo im UEFA Super Cup gegen den FC Sevilla in der Startelf stehen. Sorgen aber macht man sich bei Real Madrid darüber, wie es auf lange Sicht mit der Gesundheit des Superstars aussieht.

Ronaldo hat in den letzten Tagen sein Trainingsprogramm hochgefahren, um zum Beginn der neuen Saison voll auf der Höhe zu sein. Mit seinem Verein kann er in der kommenden Spielzeit bis zu sechs Titel gewinnen, beim Super Cup wollte der Portugiese unbedingt dabei sein - schließlich ist es von den sechs möglichen die einzige Trophäe, die er bislang nicht in die Höhe stemmen durfte.

Reals Trainingsstab und die Vereinsbosse haben mit Besorgnis beobachtet, wie Ronaldo sich bei der WM präsentiert hat. In Brasilien wirkte der 29-Jährige nicht fit, zog in Sprints nicht richtig an und schien Angst zu haben, seinen anfälligen Körper zu sehr auf die Probe zu stellen - genau das hat er in den vergangenen Spielzeiten nämlich zu oft getan.

Ronaldos unbedingter Siegeswille nämlich hat dazu geführt, dass er für Real auch dann auf dem Platz stand, wenn er sich besser hätte schonen sollen. Der Weltfußballer will in jedem Spiel 90 Minuten lang mitwirken, das aber ist hinsichtlich seiner körperlichen Verfassung kontraproduktiv. Er leidet noch immer unter hartnäckigen und chronischen Knieproblemen, zudem macht ihm seit längerem der Oberschenkel zu schaffen. Was Ronaldo eigentlich am meisten benötigt, ist Ruhe.

Und Ruhe hatte er in diesem Sommer kaum. Nach der WM kehrte der Ausnahmefußballer Ende Juli ins Real-Training zurück, auch wenn er geschont wurde und während der US-Tour seines Teams lediglich im Spiel gegen Manchester United für 17 Minuten auf dem Platz stand.

Die Klub-Offiziellen schauten genau hin, als er nach der kurzen Sommerpause das Training aufnahm, Ronaldo aber wirkte tatsächlich frisch und stellte di Teamkollegen sogar im Liegestützenwettstreit in den Schatten - selbstverständlich in der Variante "mit in die Hände Klatschen". Auch seine Sprinteinheiten überzeugten. Die Sorge jedoch ist, dass die Verletzungen wieder aufbrechen könnten, wohlmöglich in einer entscheidenden Saisonphase - so, wie es 2013/14 passiert ist.

AM BODEN | Ronaldo war bei der WM nicht fit, und in Madrid gibt es Bedenken wegen seines Knies

In der vergangenen Saison verletzte sich der auf Madeira geborene Weltstar in der Champions League in der Partie gegen Borussia Dortmund, Carlo Ancelotti stufte die Blessur seinerzeit als "nichts Ernsthaftes" ein. Sie war aber zumindest so ernsthaft, dass Ronaldo zwei Wochen später im Endspiel der Copa del Rey aussetzen musste. Später, im Mai, wurde er nach nur neun Minuten im Spiel gegen Valladolid ausgewechselt und verpasste eine entscheidende Begegnung gegen Celta Vigo, als Real um die Meisterschaft kämpfte - und diese letztlich verpasste. Am letzten Spieltag der Primera Division musste er nach dem Warmmachen passen, obwohl es im Fernduell mit Luis Suarez um den Goldenen Schuh Europas ging.

Auch vor dem Champions-League-Finale gab es Hiobsbotschaften. Ronaldo konnte nicht trainieren, was von Real als Vorsichtsmaßnahme betitelt und erneut als "nichts Ernsthaftes" beschrieben wurde. Im Endspiel gegen Atletico gewannen die Königlichen "La Decima", Ronaldo aber blieb blass. In Brasilien trainierte er dann alleine oder mit Eisbeuteln. Sein Team hätte ihn bei der WM 2014 in Bestform gebraucht, von der jedoch war er weit entfernt.

Ancelotti gab dem Gewinner der Goal 50 grünes Licht für Dienstagabend. "Cristiano will im Super Cup unbedingt spielen, deswegen habe ich ihm gegen Manchester United einige Minuten gegeben", so der Real-Coach. "Es gibt keinen Grund, sich Sorgen um seine Fitness zu machen. Wir werden ihn gut vorbereiten."

Der 55-Jährige aber weiß, dass er Ronaldo im Saisonverlauf Pausen gönnen muss, damit dieser in den Schlüsselduellen im April und Mai fit ist. In der kommenden Saison sind in sechs Wettbewerben 65 Spiele möglich - und Ancelotti ist sich bewusst, dass weder Ronaldo noch irgendein anderer Akteur alle Partien davon absolvieren kann.

Daher will der Übungsleiter seine Mannschaft so oft wie möglich rotieren lassen. Seiner Mannschaft hat er mitgeteilt, dass 15 Spieler für elf Startplätze konkurrieren und alle im Verlauf der Saison mehr als genug Spielzeit bekommen werden, damit das Team bis zum Ende der Spielzeit fit bleibt.

Das gilt auch für Ronaldo. In der letzten Spielzeit stand der Ballon d'Or-Sieger 4.210 Minuten für seinen Verein auf dem Platz. Ancelotti will nicht, dass irgendeiner seiner Spieler in der kommenden Saison mehr als 4.000 Minuten absolviert. Das bedeutet, dass Isco und der derzeit verletzte Jese Ronaldos entlasten sollen - gemeinsam mit dem im Sommer verpflichteten James Rodriguez. Bei Angel Di Maria stehen die Zeichen bekanntermaßen auf Abschied.

"Cristiano will immer spielen und es ist genau dieser Kampfgeist, der ihn zu dem Spieler macht, der er ist. Aber er weiß, dass er mehr Pausen braucht, um ein dauerhaftes Wiederauftreten des Problems zu verhindern", verriet eine Real Madrid nahstehende Quelle gegenüber Goal. "Der Verein ist erfreut, dass er mit vollem Einsatz trainieren kann, aber es gibt immer noch Zweifel darüber, wie seine Saison verlaufen wird."

Die Quelle fügte hinzu: "Ancelotti war selbst ein Top-Spieler und genau wie die medizinische Abteilung hat auch er Ronaldo mitgeteilt, dass es in dieser Spielzeit Zeiten geben wird, in denen er sich ausruhen muss. Der Verein weiß, dass es keinen Spieler gibt, der so sehr auf sich achtet wie Cristiano." In Madrid glaube man, dass der Portugiese so stark wie noch nie werden kann, wenn er "zusätzlich zu seiner hervorragend Ernährungsweise und Konditionierung die dringend benötigten Pausen bekommt. Aber es wird im Verein einige besorgte Menschen geben, wenn er am Dienstag den Platz betritt."

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