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Gladbachs neuer "Power Forward": Johnson und die Polyvalenz

Mit dem ablösefreien WM-Fahrer Fabian Johnson hat Trainer Lucien Favre einen neuen Pfeil im Köcher. Doch auf welcher Position ist der US-Boy für Gladbach am wertvollsten?

SPECIAL REPORT
Von Gregor U. Becker

Mönchengladbach. Die Bezeichnung "Power Forward" bezieht sich beim Basketball oder beim Eishockey auf einen kraftvollen Flügelspieler. Übertragen auf den Fußball, trifft dieser Begriff buchstäblich auf Fabian Johnson zu, die neue Allzweckwaffe von Borussia Mönchengladbach. Bei der TSG Hoffenheim in drei Jahren zum Führungsspieler gereift, beeindruckte der US-Boy unter Trainer Jürgen Klinsmann bei der WM mit seinen Tempoläufen. Doch die vielen Sportdirektoren, die dort Anreize für Ihre Shoppingtour suchten, brauchten nicht allzu genau hinzuschauen. In Gladbach war man schneller und hatte ihn bereits vor dem Turnier ablösefrei an den Niederrhein gelotst. Der vielseitige Johnson könnte sich für Trainer Lucien Favre als echter Glücksfall erweisen.

"Fabian Johnson ist ein sehr interessanter, ablösefreier Spieler, der auf beiden Außenbahnen defensiv und offensiv spielen kann. Wir freuen uns, dass er sich für uns entschieden hat", verkündete Sportdirektor Max Eberl stolz aber leicht zerknirscht bereits Ende Februar. Zuvor hatte Johnson noch in Hoffenheimer Diensten zu einem seiner Sprints im BORUSSIA-PARK angesetzt und wurde von Gladbachs Abwehrchef Martin Stranzl im Strafraum regelwidrig gestoppt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Sejad Salihovic seinerzeit zum 2:2-Endstand. Die Fohlen verloren am 22. Spieltag der Vorsaison zwei wichtige Punkte im Kampf um Europa.

Letztlich sicherte man sich mit Platz sechs in der Bundesliga die Teilnahme an den Play-offs für die Europa League und will nun gegen den FK Sarajevo in die Gruppenphase des Wettbewerbs einziehen. Mit dabei ist Fabian Johnson – nun endlich im Jersey von Borussia Mönchengladbach. Dass der 26-Jährige beim bosnischen Pokalsieger im Hinspiel am Donnerstag bereits in der Startelf steht, scheint wegen seines durch die WM verspäteten Einstiegs ins Training eher unwahrscheinlich. Doch ob seiner Vielseitigkeit wird Johnson die Optionen von Lucien Favre schon bald weiter erhöhen. Und das gleich auf vier Positionen. Links wie rechts – offensiv wie defensiv.

Seine ersten Gehversuche machte der gebürtige Münchner bei 1860 in der zweiten Liga als Rechtsverteidiger. Als frischgebackener U19-Europameister wechselte Fabian Johnson 2009 zum VfL Wolfsburg, wo er sich nicht durchsetzen konnte und in den wenigen Spielen auf den Außenbahnen hin- und hergeschoben wurde. Ebenso wie zu Beginn in Sinsheim, bis er dort in der Rückrunde der Spielzeit 2011/2012 seine Heimat auf der Linksverteidigerposition fand und zum Leistungsträger avancierte.

Anfang des Jahres beorderte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol Johnson dann auf die rechte Abwehrseite. Dort startete der kraftvolle Flügelflitzer in der Rückrunde durch und spielte sich bei der WM ins Rampenlicht.

Favre: "Links vorne ist für mich die beste Position von Johnson"

Am Niederrhein war vielen Experten und Fans nun klar: Der Neuzugang ersetzt den bisherigen Rechtsverteidiger Julian Korb. Der Nachwuchskicker präsentierte sich in seiner ersten Bundesligasaison zwar zuverlässig, aber zuweilen auch bieder, konnte vor allem offensiv keine Duftmarken setzen. Doch einmal mehr überrascht Trainer Lucien Favre mit seinen Ideen und Ansichten: "Links vorne ist für mich die beste Position von Johnson." Links vorne? Dort tummeln sich bei der Borussia Hochkaräter wie Traore, Hahn, Hazard, Wendt – auch Herrmann und Hrgota können diese Position spielen. Und so war auch Johnson zunächst verdutzt, als er sich beim Telekom Cup dort wiederfand: "Zumindest habe ich da ziemlich lange nicht mehr gespielt, das war schon etwas anderes. Aber letztlich ist mir die Position auch egal – Hauptsache, ich kann der Mannschaft helfen."

Bei der 1:3-Testspielniederlage gegen Athletic Bilbao am vergangenen Samstag begann er zunächst als Rechtsverteidiger und wechselte während der zweiten Spielhälfte dann auf die linke, offensive Außenbahn. Und auch wenn Fabian Johnson noch ein wenig die Bindung zu seinen neuen Kollegen fehlte, ihm die WM noch in den Knochen steckte: Seine Klasse deutete er bereits an.

Welche Position Fabian Johnson bekleiden wird, bleibt spannend. Doch eines ist sicher: Borussia Mönchengladbachs Neuzugang kann auf den Außenbahnen überall eine Verstärkung werden, er ist eben vielseitig – oder "polyvalent", wie Tüftler Favre es so gerne ausdrückt.

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