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Die Reds haben mit Suarez Englands Fußballer des Jahres und einen echten Torgaranten verloren. Goal analysiert, ob und wie sie diesen Verlust auffangen können.

Liverpool. Es war ein interessantes Testspiel, nicht nur, weil mit dem FC Liverpool und Borussia Dortmund zwei große Namen aufeinandertrafen. Beide Teams mussten ihren jeweiligen Leistungsträger im Angriff abgeben – Luis Suarez zog es zum FC Barcelona und Lewandowski wechselte bekanntlich zu den Bayern.

Nun sind Tests nicht immer ein Maßstab, besonders, da der BVB in der Vorbereitung den Reds eine Woche hinterherhinkt. Doch wie Pools Offensive die Schwarz-Gelben beim 4:0 an der Anfield Road nach allen Regeln der Kunst auseinanderpflückte, war schon ein kleiner Fingerzeig, dass die Reds in der kommende Saison auch ohne den beißfreudigen Uru-Stürmer nicht zwingend nach unten schauen müssen.

Allerdings: Auch wenn man auf dem Transfermarkt groß zuschlug – ein neuer Star kam bisher nicht an die Mersey. Die für England üblichen Fabelsummen gingen im Fall von Adam Lallana und Dejan Lovren zwar über den Tisch, doch nicht jeder Neuzugang wird gleich einschlagen, sind doch auch einige Youngster dabei; Lallana ist zudem noch verletzt.

Sturridge im Fokus

Wie gut, dass die bereits vorhandene Qualität nicht gerade klein ist: Viele Augen werden sich auf Daniel Sturridge richten, der bereits vergangene Spielzeit brillierte und mit 21 Treffern einen großen Anteil an Pools Fast-Meisterschaft hatte. Dazu kommen sieben Assists – auf seinen Schultern lastet nun viel Verantwortung, doch er muss sie nicht allen schultern.

Sah man, wie gegen den BVB Henderson, Coutinho, Sterling und Sturridge überfallartig Angriffe inszenierten, wird klar, dass die Offensive zwar ohne Suarez nicht dieselbe, doch durchaus in der Lage ist, Schaden auch bei Gegnern anzurichten, die präsenter agieren als die am Sonntagnachmittag völlig indisponierten Dortmunder.

Es versteht sich von selbst: Der Uruguayer wird mit seiner Präsenz im Sechzehner, seinen Möglichkeiten, jederzeit aus dem Nichts Gefahr zu erzeugen, sicher kaum zu ersetzen sein – ebenso wenig wie ein Lewandowski in Dortmund. Zudem fällt ins Gewicht, dass mit dem Erreichen der Champions League ganz andere Umfänge auf den Kader der Reds warten – anders als im Vorjahr wird mehr rotiert werden müssen, weshalb die bislang hochwertige Verstärkung in der Breite, wie man sie bisher vollzog, sicher nicht verkehrt ist.

Doch nicht umsonst ist Liverpool nach wie vor auf dem Transfermarkt tätig. Man kümmert sich um einen weiteren Stürmer und ist dem Vernehmen nach an Spielern wie Lavezzi und Wilfred Bony interessiert. Offensichtlich wird dabei jedoch auch, dass man noch nicht ganz vorn mitmischen kann, wenn es um Spieler der allerersten Garde geht.

Wie man hörte, versuchte Liverpool vergeblich, die Ligue-Un-Stars Falcao und Cavani zu einem Wechsel an die Mersey zu überreden. Kein Wunder: Auch wenn man eins der traditionsreichsten Teams mit großer Strahlkraft ist und finanziell gut dasteht, ist niemandem verborgen geblieben, dass in den letzten Jahren und generell seit dem Champions-League-Sieg 2005 noch nicht wieder das ganz große Kino an der Anfield Road regiert.

Nationalen Pokalsiegen und einem erneuten CL-Finale zum Trotz ist in Erinnerung geblieben, dass man immer wieder das internationale Geschäft verpasste und zudem 2010 fast pleite war. Unter Rodgers etabliert sich nach der furiosen Saison 2013/14 nun wieder eine Siegermentalität. Doch man ist in der aktuellen Situation ein Team, das im Aufbau ist, viele junge Spieler hat, die mitten in der Entwicklung sind und daher einiger Abstand zu den absoluten Global Players besteht.  

Daher ist der aktuelle Weg sicher nicht der schlechteste. Man hat einige Top-Talente, viele junge Spieler und solche im besten Fußballeralter. Um nun erst einmal den letztjährigen nationalen Erfolg zu bestätigen, benötigt man auch etwas Glück. An der Geduld der legendären Fans sollte es nicht scheitern.

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