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James weg, Falcao vor dem Abgang - Aufstieg und Stillstand der AS Monaco

Die Monegassen verhielten sich auffallend ruhig auf dem Transfermarkt. Ist dies ein Zeichen dafür, dass Dmitry Rybolovlevs Projekt bereits den Bach runter geht?

Monaco. Es ist beinahe auf den Punkt genau ein Jahr her, dass die verrückte Geldverschwendung von Anzhi Makhachkala ein jähes Ende fand und das Team in den Abstiegsstrudel der russischen Liga gerissen wurde. Ein Sog, dem es nicht mehr entkommen konnte. Zu der Zeit hatte die AS Monaco bereits einen großen Shopping-Sommer eingeläutet, in dem Stars wie James Rodriguez und Radamel Falcao eingetütet werden konnten - Spieler der allerhöchsten Güteklasse.

Ein Jahr später ist der Spielmacher bereits weitergezogen und das Projekt von Eigentümer Dmitry Rybolovlev scheint sich dem Stillstand zu nähern. Nachdem man über zwölf Monate lang riesige Summen investiert hatte, wurde dem Kader in diesem Sommer einzig Tiemoue Bakayoko hinzugefügt, der aus Rennes, dem letztjährigen Tabellenletzten der Ligue Un, nach Monaco gekommen ist. Der Teenager mag zwar hochtalentiert sein, doch ist er nicht von dem Kaliber wie die Superstars, die im vergangenen Jahr gekauft wurden.

Währenddessen wurde das Gehaltsbudget extrem nach unten gefahren. 17 Spieler aus dem aufgeblähten Kader haben den Verein allein in dieser Transferperiode verlassen. Sechs davon waren Jugendspieler, die an andere Klubs verliehen wurden und es scheint so, als könnten noch mehr Kicker Monaco den Rücken kehren.

Falcao weiter bei Real im Gespräch

Trotz Dementi von Spieler und Klub wird Radamel Falcao noch immer mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Die Gerüchte wurden noch einmal unterfüttert, als der Stürmer begann, einigen der besten Spieler aus dem Bernabeu auf Instagram und Facebook zu folgen. Hinzu kommt, dass Yannick Ferreira-Carrasco, ein Flügelspieler aus der Jugendakademie des Vereins, der eigentlich bereits auf dem Weg nach Rom war, nun doch in Monaco bleibt und seinen Vertrag verlängert.

Das vielleicht größte Anzeichen für die Schwäche Monacos ist jedoch vielleicht, dass Jeremy Toulalan mit Rennes in Verbindung gebracht wird. Der defensive Mittelfeldspieler war einer der verlässlichsten Akteure des letzten Jahres, weshalb es umso besorgniserregender ist, dass er so lange von einem so mäßigen Konkurrenten wie Rennes umworben werden kann. Der Zweitligist aus der Bretagne hat weder das Geld noch den Glanz von Real Madrid.

Sind das die Anzeichen einer dramatischen 180-Grad-Drehung bei den jüngst noch so ambitionierten Monegassen?

Es sieht so aus, als ob die Auseinandersetzung zwischen PSG und der UEFA im Rahmen des Financial Fair Play die Ambitionen im Stade Louis II – welches trotz der hohen Qualität der Spieler und seiner moderaten Größe immer noch eine sehr geringe Auslastung zu beklagen hat - zu einem jähen Stop gebracht hat.

Hat Rybolovlev kein Interesse mehr?

Es gibt weitere Umstände, die auf diese Entwicklung einwirken. So gab es im April Berichte, dass Rybolovlev, dessen Milliarden das Projekt erst zum Laufen gebracht hatten, sein Interesse am Verein verloren habe, als sich seine Beziehung zu Fürst Albert von Monaco verschlechterte.

Dazu hat der Düngemittel-Mogul vor Kurzem eine Scheidung vollzogen, die von den Medien als "Scheidung des Jahrhunderts" bezeichnet wurde, da er die Hälfte seines Vermögens (geschätzte 3,29 Milliarden Euro) an seine Ex-Frau zahlen musste. Vadim Vasilyev, Vorstandsvorsitzender von Monaco, widerspricht dieser These jedoch: "Der Klub ist ein funktionierendes Projekt, das nicht von den privaten Problemen des Präsidenten beeinflusst wird."

Rybolovlev werde auch in den nächsten Jahren im Verein verankert sein, sagte er in einem Interview mit Monaco Hebdo. Er liebe den Fußball und den Verein. "Sein Projekt ist langfristig angelegt. Wir müssen das Team Schritt für Schritt umbauen. Das Projekt erstreckt sich nicht nur über ein, zwei Jahre." In den kommenden Jahren sei geplant, die Geschäftszahlen zu verbessern. Dafür brauche es gute Leistungen auf dem Platz, die mehr Leute ins Stadion lockten und den Verein für neue Sponsoren attraktiv machten.

Am Mittwoch hatte Ex-Coach Claudio Ranieri seinem ehemaligen Klub jedoch keinen Gefallen getan, als er zu den Gründen für seinen Abschied gefragt wurde und antwortete: "Es gab nicht länger ein gemeinsames Verständnis, wie das Projekt geführt werden sollte. Ich bat um drei bis vier Spieler, die die Mannschaft verbessern sollten, doch der Präsident sah die Dinge anders. Später verstand ich warum: Er verkaufte James, und wahrscheinlich bald auch noch Ferreira-Carrasco und Falcao."

Klub hatte keine andere Wahl, als James zu verkaufen

In Wahrheit hatte der Klub keine andere Wahl, als James zu verkaufen, da er dem Verein durch seine atemberaubenden Auftritte bei der WM entwachsen war und das Interesse von Real Madrid geweckt hatte. "James ist ein fantastischer Spieler, der mit Monaco viel erreicht hat. Wir hatten kein Interesse daran, ihn zu verkaufen", gestand Vasilyev nach dem Transfer. "Es gab jedoch einen Punkt, an dem der Wechsel als beste Option für alle Seiten angesehen wurde."

Die Ablösesumme von ungefähr 80 Millionen Euro war ein guter Preis für Monaco, die ein Jahr zuvor noch wenig mehr als die Hälfte für den Spieler gezahlt hatten. Hinzu kam, dass ein Wechsel zu den Königlichen der Traum des Kolumbianers gewesen war.

Der Verkauf des Spielmachers sollte zumindest die Sorgen vertreiben, dass der Klub in der nächsten Saison gegen das Financial Fair Play verstoßen könnte. Außerdem sollte noch genug Geld übrig bleiben, damit der neue Trainer, Leonardo Jardim, sein Team bis zum Schließen des Transferfensters verstärken kann.

Es gibt aber mehr Hinweise darauf, dass Spieler den Verein verlassen werden, als das große Stars gehandelt werden würden. Sollte es nicht bald Bewegung bei den Zugängen geben, dürfte die Neuausrichtung des Vereins zu einem internationalen Topklub in höchster Gefahr sein.

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