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Borussia Dortmund erfindet sich neu und verteilt die Last

Nach dem Lewy-Abgang wird sich Jürgen Klopp neu erfinden: Der BVB spielt künftig noch vertikaler, verteilt die offensive Last auf mehrere Schultern.

SPECIAL REPORT
Von Stefan Döring

In gut zwei Wochen beginnt für Borussia Dortmund und den neuen Hoffnungsträger im Sturm, Ciro Immobile, die neue Bundesliga-Saison. Nach dem Wechsel von Robert Lewandowski zum FC Bayern München wird die Offensive adaptiert. Der Neuzugang soll nicht in das alte System gepresst werden.

Immobile ist ein typisch bulliger, durchsetzungsstarker Mann - Torschützenkönig der Serie A und Vollblutstürmer. Er liebt das athletische Spiel, sucht den schnellen Abschluss. "Er ist eine schöne Kante", sagte Klopp nach dessen Verpflichtung. "Ein richtiges Kraftpaket, einer, der Tore aus allen Lagen gemacht hat. Er ist es gewohnt, hohen Aufwand zu betreiben. Er ist ein richtiger Krieger."

Deshalb ist der Italiener auch eher mit Jürgen Klinsmann zu vergleichen als mit Lewandowski, David Villa oder anderen filigran spielenden Angreifern der neuen Generation. Er ist auch nicht so komplett wie der Pole, der in den meisten Situationen alles richtig macht. So denkt der BVB darüber nach, das schwere Lewandowski-Erbe auf mehreren Schultern zu verteilen.

"Im 4-4-2 am klarsten"

"Gerade weil im Moment der eine oder andere noch nicht einsatzfähig ist, müssen wir uns auf die defensiv-taktischen Abläufe neu einstellen. Und diese Abläufe sind im 4-4-2 am klarsten", erklärte Jürgen Klopp im Trainingslager. Und dieses Schema ließ der Übungsleiter in den bisherigen Testspielen einstudieren. Klar, sind Testspiele doch zum Probieren da. Klar ist auch, dass Dortmund variabler agieren muss, da die Qualitäten anders verteilt sind. Und das klappte bislang gut. Bei Rot-Weiss Essen etwa agierte der Italiener zusammen mit Pierre-Emerick Aubameyang glänzend.

Beim FC Torino beeindruckte Immobile mit seinem Laufspiel, seiner Robustheit und dem Torriecher. Im direkten Duell bleibt er ruhig und ist entscheidungssicherer als Lewandowski. Adrian Ramos, der zweite Neuzugang für die Sturmspitze, verfügt über andere Qualitäten, die Immobiles perfekt ergänzen. Der Kolumbianer ist besser im Passspiel und hat seine große Stärke im Luftduell. Gut für den BVB, wenn man bedenkt, dass den Westfalen zuletzt die wenigsten Treffer der Liga nach Flanken gelangen. Das soll sich kommende Saison ändern.

Eines haben beide Spieler aber gemeinsam: Sie sind begnadete Umschalt- und Konterspieler. Der "Heavy-Metal"-Fußball, den Jürgen Klopp in der vergangenen Saison beschworen hat, nimmt weiter konkrete Formen an. Das Offensivspiel der Borussen soll noch vertikaler werden als bisher. Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Aubameyang sind prädestiniert dafür. Sie werden in jene Räume vorstoßen, die die beiden Stürmer reißen sollen.

Zahnräder fügen sich ineinander

Auch Dong-Won Ji passt deshalb gut in die Überlegungen des Trainerteams. Er ist variabel einsetzbar, schnell und ebenfalls robust. Allerdings wird er sich häufiger auf der Bank wiederfinden als auf dem Feld. Als Joker hat er sein Können bereits unter Beweis gestellt und darauf bauen die Verantwortlichen. Schnell, technische versiert, mit Zug zum Tor: Das sind die Zauberworte in der kommenden Spielzeit - auch von der Ersatzbank.

Spieler wie Milos Jojic, Oliver Kirch, Nuri Sahin und ein fitter Ilkay Gündogan sind der krasse Gegensatz, fügen sich aber trotzdem wie Zahnräder in das angestrebte System. Sie sind sicher im Ballbesitz, verteilen die Kugel hervorragend und können den tödlichen Pass in die Spitze spielen. Sollte alles so funktionieren, wie es sich das Trainerteam vorstellt, werden die Schwarz-Gelben in der kommenden Saison variabler, überfallartiger und ballsicherer agieren. Quasi ein neuer BVB.

Denn wie sagte Immobile bei seiner Antritts-Pressekonferenz im Trainingslager: "Lewandowski ist Vergangenheit. Ich bin die Gegenwart."

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