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Dank Sam und Choupo: Schalke 04 variabel wie lange nicht

Die Bundesliga startet bald in ihre 52. Saison: Die Knappen bereiten sich auf eine schwere Spielzeit vor. Mittlerweile hat man aber einen Kader, der Möglichkeiten schafft.

ANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. In der Vorsaison ereilte den FC Schalke 04 sehr großes Verletzungspech. Zeitweise fehlten Jens Keller viele Leistungsträger, mitunter gar zehn Spieler. Besonders in der Hinrunde fielen Jefferson Farfan, Benedikt Höwedes und Julian Draxler wochenlang aus. Dennis Aogo und Marco Höger zogen sich Kreuzbandrisse zu und mussten die Saison vorzeitig für beendet erklären. Klaas-Jan Huntelaar verletzte sich schon am zweiten Spieltag der Vorsaison und kam erst zur Rückrunde wieder.

Die Startelf von Keller stellte sich quasi von alleine auf und dem Übungsleiter waren taktisch meist die Hände gebunden, da ihm durch die Verluste viel an Flexibilität verloren ging - Schalke war leichter auszurechnen. Dennoch langte es mit großen Kraftanstrengungen und einem wiedererstarkten Huntelaar in Knipserlaune zum Einzug in die Gruppenphase der Champions League.

Bis auf Jefferson Farfan, der wahrscheinlich die komplette Hinrunde aufgrund seiner Knie-OP ausfallen wird, gibt es derzeit keine Langzeitverletzten mehr. Die angeschlagenen Spieler erwartet der Verein in den nächsten Tagen und Wochen zurück. Somit bieten sich dem Trainer mehrere Optionen, die auch mit den hinzugewonnenen Fähigkeiten der Neuzugänge Sidney Sam und Eric Maxim Choupo-Moting einhergehen.

Schalke-Boss Clemens Tönnies hat die Bedeutung der Transfers gegenüber Goal vor Kurzem unterstrichen: "Diese Spieler werden uns verstärken. Und wir kommen durch den Mehrwert an Flexibilität aus diesem Zwang heraus, bei Verletzungen immer dieselben spielen lassen zu müssen. Wir haben an Qualität gewonnen und werden erheblich stabiler werden."

Anhand von drei taktischen Varianten wird verdeutlicht, wie flexibel die Königsblauen nun agieren können. Wir analysieren!

Das 4-2-3-1

Das 4-2-3-1 beherrscht der FC Schalke, da dies die taktische Ausrichtung ist, die man seit Jahren favorisiert. Mit diesem System absolvierte man in der abgelaufenen Saison die beste Rückrunde der Klubgeschichte. Ein belebendes Element wird hierbei Neuzugang Sam sein. Während sein Pendant auf der anderen Seite, Julian Draxler, weit außen die Linie hält und ins Eins-gegen-Eins geht, um Flanken zu schlagen, agiert Sam zuweilen anders.

Der aus Leverkusen gekommene Flügelspieler hält sich in der Vorwärtsbewegung gerne zwischen den Linien auf und stößt in die Schnittstellen der gegnerischen Viererkette. Dank seines starken linken Fußes dribbelt er allerdings auch gerne von außen nach innen, sucht den Abschluss. Das wird die größte Veränderung im altbewährten 4-2-3-1 der Schalker sein.

Das 4-4-2

Die Variante für Schalke mit zwei Stürmern wird das 4-4-2 (keine Raute) sein. Man stellte diese Überlegungen bereits in der Vorbereitung der Vorsaison an, als Manager Horst Heldt in Absprache mit Keller Adam Szalai nach Gelsenkirchen lotste. Allerdings verletzte sich Huntelaar am Knie und fiel nahezu die komplette Hinrunde aus. Als der Niederländer zur Rückrunde wieder in der Startelf stand, musste sich Szalai mit dem Platz auf der Bank begnügen.

Keller war klar, dass das Tandem mit Huntelaar und Szalai nicht funktioniert, da sich beide zu sehr ähneln, dieselben Räume suchen - der Ungar wechselte daraufhin zu 1899 Hoffenheim. Mit seinem Nachfolger Choupo-Moting ist die Situation eine andere. Der Kameruner lässt sich gerne fallen und kommt als hängende Spitze mit seinem Dribbling aus der Tiefe. Zudem weicht er auch auf die Flügel aus; dort bieten sich Rochaden mit Draxler und Sam an, die schwer zu verteidigen sein werden.

Das 4-1-2-3

Das 4-1-2-3 ist ein offensiver ausgerichtetes, taktisches Korsett. Diese Möglichkeit wird Keller wohl nicht zu Beginn einer Partie anwenden. Gut möglich, dass der Übungsleiter bei eventuellem Rückstand in einer Begegnung aus dem 4-2-3-1 oder 4-4-2 in dieses System wechselt. Die geeigneten Spieler hat er.

Mit Kevin-Prince Boateng und Draxler ist im Zentrum die nötige Spielintelligenz und das Maß an technischen Fertigkeiten vorhanden, die es hierbei braucht. Der einzige defensive Mittelfeldmann sichert ab. Boateng und Draxler können vorrücken, selbst für Gefahr sorgen. Die schnellen wie dribbelstarken Außenbahnspieler Sam oder Choupo-Moting sind zudem in der Lage, Huntelaar zum Abschluss zu bringen oder suchen diesen selbst.

Fazit

Schalke 04 bieten sich somit mehr Möglichkeiten als noch vergangene Saison. Das Team von Keller wird wesentlich unberechenbarer - hier kann der Fußballlehrer auch mal für Überraschungen sorgen. Mit Sam und Choupo-Moting wurden sehr gute Transfers getätigt, da beide Akteure über ein Repertoire an Fähigkeiten verfügen, die diese Variabilität zulassen. Sollte der Revierklub vom Verletzungspech weitgehend verschont bleiben, ist er besser gerüstet und kann die kommenden Aufgaben meistern. Wohlwissend, wie flexibel man ist.

Anmerkung: Selbstverständlich sind die Spieler in den jeweiligen Aufstellungen beliebig austauschbar, da Schalke auf jeder Position doppelt besetzt ist. Dies soll keine fixe Aufstellung sein.

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