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Bremens neuer Verteidiger kam von einem der Überraschungsteams der spanischen Liga an die Weser. Bei Rayo hat der 25-Jährige vor allem eins gelernt: Passen und Kämpfen!

Bremen. Das Ambiente dürfte sich nicht allzu sehr ändern, die Temperaturen schon: Werder Bremens Neuzugang Alejandro Galvez kam aus dem Madrider Arbeiterviertel Vallecas in die traditionell eher links angehauchte Hansestadt. Der Verteidiger, der erst vor drei Jahren sein Debüt in Spaniens Primera Division gab, hat in den letzten beiden Spielzeiten bei Rayo Vallecano eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht und könnte die Hanseaten in der neuen Saison auch spielerisch weiterbringen. Goal wirft einen Blick auf den Spanier!

Galvez wurde im andalusischen Granada geboren, seine Ausbildung genoss er jedoch er im zentralen Spanien, bei Albacete Balompie, ehe es ihn an die Ostküste zu Villareal zog. Nach einer Ausleihe an den Drittligisten Villanovese landete er 2010 im Norden des Landes, an der asturischen Küste in der Industriestadt Gijon. Hier spielte er zwei Jahre in der zweiten Mannschaft, schaffte anschließend nur teilweise den Sprung in die erste. Der Durchbruch folgte, als er in die Hauptstadt zu Rayo Vallecano wechselte.

Der kleine Madrider Vorstadtklub sorgte in den letzten beiden Jahren unter Trainer Paco Jemez vor allem durch seinen ballbesitzorientierten Angriffs-Fußball für Aufsehen, der dem extrem finanzschwachen Underdog vorletzte Saison überraschend Tabellenplatz acht einbrachte. 2013/14 kämpfte sich das Team mit seiner offensiven Philosophie nach schwachem Saisonstart von den Abstiegsrängen noch auf Tabellenplatz zwölf. Dabei spielte Rayo nach Real und Barca die meisten Pässe (17.821) in der Primera Division und erarbeitete sich hinter den beiden Granden die drittmeisten Torschüsse.

Passen und Kämpfen: Die Schule von Vallecas

Den Madrilenen gelang im September 2013 so das Kunststück, als erste Mannschaft seit Mai 2008 (und nach 315 Partien) in einem Spiel mehr Ballbesitz als der FC Barcelona zu haben - auch Galvez stand bei der 0:4-Niederlage auf dem Platz. Dass Rayos Kurzpassstil sich in seiner Spielweise widerspiegelt, ist naheliegend, zumal er als der verlängerte Arm von Trainer Jemez galt. Der Andalusier gehörte vergangene Spielzeit in Spanien zu den zwölf Verteidigern mit den meisten gespielten Pässen. Seine Quote lag bei 84 Prozent, anhand von 1.412 Zuspielen ein vorzeigbarer Wert. In seinen 26 Partien in La Liga kam er zudem auf 81 Prozent erfolgreiche Tacklings und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

"In den letzten beiden Jahren hat er sich enorm verbessert. Er ist stark am Ball, besitzt ein sicheres Pass-Spiel, ist kopfballstark und schießt gefürchtete Freistöße. Er erinnert an Barcas Pique!", schilderte der spanische Radioreporter Jose Palacio Hernandez in der Bild Galvez' Fortschritte in Madrid. Hernandez spielte in seiner Einschätzung auch auf Galvez' 25-Meter-Freistoßtor gegen Almeria im Herbst 2013 an, ein Bogenlampen-Schuss, der zu den Hinguckern der Hinrunde gehörte. Der 25-Jährige verkörpert aber nicht nur Spielkultur, sondern auch Kampfgeist: Mit 13 gelben Karten gehörte er gleichzeitig zu den Raubeinen der Primera Division und lag mit diesem Wert auf Platz vier.

Eine interessante Mischung, die nicht erst den Bremern ins Auge fiel. Letzten Sommer schon versuchte Borussia Dortmund, ihn als Ersatz für Felipe Santana in die Bundesliga zu lotsen: "Ich hatte eine Ausstiegsklausel über vier Millionen Euro, Dortmund wollte das nicht bezahlen. Dann haben sie sich für Sokratis entschieden", verriet der Galvez in der Bild. Damit schloss sich diesen Sommer ein kleiner Kreis: Galvez kommt ein Jahr, nachdem der Grieche Sokratis in den Pott abwanderte, an die Weser und dürfte erstmal die neue Nummer Drei in der Innenverteidigung sein, Assani Lukimya wird wohl ins hintere Glied rutschen. Der Spanier kennt aber auch die Rolle im defensiven Mittelfeld bestens, kam beim jüngsten Test gegen Athletic Bilbao sogar auf dieser Position zu Einsatz.

Galvez selbst hat aber klare Präferenzen und will sich lieber mit Sebastian Prödl und Luca Caldirola um die Plätze in der zentralen Defensive messen: "Ich habe zwar früher auch auf der Sechs und der Acht gespielt. Mittlerweile sehe ich mich aber primär in der Innenverteidigung. Da fühle ich mich am wohlsten und habe die größten Stärken." Stärken, die er auch gegen die Großen einer der "besten Ligen der Welt" zeigen will: Vor allem auf die Duelle mit "Ribery, Götze, Robben, Subotic, Hummels oder Joselu" freut sich Galvez in der Bundesliga. 

Eichin: "Werder kann Überraschungsmannschaft sein"

Bleibt abzuwarten, wie er sich im Norden akklimatisiert. Für Trainer Robin Dutt könnte der Defensivmann ein passender Baustein auf dem Weg zur Weiterentwicklung des Teams sein. "Wir wollen den nächsten Schritt machen", hatte Werders Trainer in der Kreiszeitung sein Ziel formuliert, was erahnen lässt, dass die Akzente nicht mehr nur im rein Defensiven liegen sollen. Manager Thomas Eichin gab sich etwas forscher: "Werder kann eine Überraschungsmannschaft sein." Mit Galvez haben die Hanseaten schonmal einen Neuzugang, der spielerisch helfen kann - und sich mit Überraschungsteams definitiv auskennt.

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