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Für Neven Subotic waren die vergangenen acht Monate nach seinem Kreuzbandriss nicht einfach. Nun ist er zurück bei Borussia Dortmund und will seinen Platz im Team finden.

SPECIAL REPORT
Von Stefan Döring

Im Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim stand er endlich wieder auf dem Platz. Für einen normalen Fußballer wären 16 Minuten auf dem grünen Geläuf vielleicht zu wenig gewesen, für Neven Subotic von Borussia Dortmund waren es die vielleicht schönsten Minuten der vergangenen Monate.

Bereits am 9. November des vergangenen Jahres war für den serbischen Nationalspieler die Saison vorzeitig beendet. Nach 40 Minuten im Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg musste er die bittere Diagnose verkraften: Kreuzbandriss! Und er musste in den folgenden Wochen zusehen, wie sich sein Ersatz in der BVB-Innenverteidigung, Sokratis, in die Herzen der Fans und auch von Jürgen Klopp spielte. Schnell wurde der Grieche, der zu Saisonbeginn von Werder Bremen verpflichtet wurde, zu einem unüberwindbaren, aggressiven Hindernis für die gegnerischen Stürmer. Dafür sprechen auch seine Opta-Werte: 81 Prozent seiner Pässe kamen an, in der Abwehr gewann er 89 Prozent seiner Zweikämpfe.

Subotic auf dem "richtigen Weg"
 

Neven Subotic, der eigentlich um seinen Platz im Dortmunder Team Angst gehabt haben müsste, gab sich zurückhaltend und freute sich über die guten Leistungen seines Vertreters. "Ich wäre sauer, wenn er nicht gut gespielt hätte, weil wir dann weniger Punkte gehabt hätten. Das ist meine Mannschaft, ich bin einer der größten Fans. Ich mache mir erst einmal gar keine Gedanken, will mit der Mannschaft trainieren", sagte der 25-Jährige in einem Interview mit derwesten.de. Sein erstes Ziel hat er inzwischen erreicht. Seit dem Trainingsauftakt ist auch Subotic wieder dabei im Tross von Jürgen Klopp.

Von Spiel zu Spiel steigerte er seine Einsatzminuten. Am vergangenen Sonntag im Testspiel gegen Rot-Weiss Essen spielte er lange mit und erzielte sogar ein Tor. "Es fühlt sich nach zu Hause an. Es hat jede Menge Spaß gemacht. Vor ein paar Tagen war mein erstes Spiel, das tat gut. Heute habe ich 70 Minuten absolviert, was zeigt, dass ich auf dem Weg Richtung 90 Minuten bin", sagte er anschließend in der Mixed Zone des Essener Stadions.

Ob er allerdings die 90 Minuten auch in den ersten Bundesligaspielen dieser Saison bestreiten darf, ist ungewiss. Der BVB hat schließlich seit dem Transfer von Matthias Ginter vom SC Freiburg gleich vier starke Innenverteidiger in seinen Reihen. Der Konkurrenzkampf in der Dortmunder Verteidigung ist größer denn je. Michael Zorc beruhigt aber schon jetzt: "Der BVB spielt in drei Wettbewerben, ist sehr ambitioniert und hat sich ganz bewusst dazu entschieden, mit vier starken Innenverteidigern in die Saison zu gehen." So wird wohl jeder der vier Kräfte auf seine Einsatzzeiten kommen. Doch für den ehrgeizigen Subotic ist klar: Er will in die Startelf.

Sowohl Mats Hummels, der als gesetzt gelten dürfte, als auch Sokratis und Ginter waren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien dabei und genießen aktuell noch Sonderurlaub. Genau hier könnte der Vorteil von Neven Subotic liegen: Der Serbe steht inzwischen wieder voll im Saft, kommt quasi aus der Reha ins Training und bestreitet die gesamte Vorbereitung mit dem Team. Die WM-Fahrer steigen hingegen erst im Trainingslager in Bad Ragaz wieder ein, keine zwei Wochen später steht für die Borussen bereits das erste Bundesligaspiel auf dem Plan. Klar, dass Jürgen Klopp hier auf die fittesten Spieler setzen wird.

Viele Stärken, kaum Schwächen

Subotic selbst lässt alles ruhig angehen, spricht keine großen Forderungen aus. "Wenn es soweit ist, werde ich alles geben. Zum Schluss entscheidet der Trainer. Für eine Kampfansage bin ich nicht der Typ und es ist auch zu früh. Ich lasse Taten sprechen. Ich werde mich nie in eine Mannschaft rein reden", erklärte der ehemalige Mainzer vor dem Trainingsauftakt. Seine Taten ließen in der Vergangenheit nur selten Zweifel zu. Laufstark, kopfballstark und die Gabe, schier unglaubliche Tacklings fair zu führen, sind nur drei seiner vielen Stärken. 84 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er, sieben Mal blockte er einen Schuss. Schwächen sind bei ihm hingegen nur selten zu sehen. Einzig an seinem Aufbauspiel muss der 25-Jährige noch arbeiten.

Ein weiterer Punkt auf seiner Habenseite könnte auch das gute Verhältnis zu Jürgen Klopp sein. Unter ihm wurde Subotic Stammspieler beim FSV Mainz 05. Als der Trainer 2008 zu Borussia Dortmund wechselte, nahm er seinen "Ziehsohn" einfach mit. Dort wurde er im sogenannten "Kinderriegel", zusammen mit Mats Hummels, auf Anhieb zum Stammspieler. Wie Klopp kürzlich im 1909Talk verriet, war Subotic sogar mit der TSG Hoffenheim schon "relativ weit. Ich habe ihm bei der Verabschiedung in Mainz gesagt, er sollte mal noch nicht unterschreiben: 'Es könnte sein, dass ich dich noch einmal anrufe.' Dann kam Neven an mit der schlimmsten Frisur, die jemals ein Neuzugang bei Borussia Dortmund hatte". Inzwischen macht er aber eine bessere Figur, auch abseits des Platzes. Ob als Feierbiest nach den gewonnen Titeln auf seinem Autodach oder als hart arbeitender Stiftungsleiter in Äthiopien, wo er Brunnen und Toiletten für die Ärmsten der Welt baut. Auch deshalb bezeichnet ihn sein Trainer gerne als "einen der besten Neuzugänge, den man so mitbringen konnte". Das Wort "außergewöhnlich" fällt häufiger, wenn Jürgen Klopp über Neven Subotic spricht.

Wenn es in den kommenden Wochen um die Formierung einer neuen Mannschaft geht, hat Jürgen Klopp also vor allem in der Innenverteidigung große Auswahl. Zwei der Akteure wird er zunächst enttäuschen müssen. Ob Subotic zu den Gewinnern oder Verlierern gehört, bleibt abzuwarten. Abhängig von seinen Einsätzen, wird er sicherlich auch ins Grübeln über seine Zukunft kommen. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2016, doch mit der Premier League liebäugelte er schon einmal. Sollte er also nur selten zum Einsatz kommen, könnte dieses Thema im nächsten Sommer wieder aktuell werden.

Derzeit ist Subotic jedenfalls die Ruhe selbst und macht sich nur wenige Gedanken. Einen Wunsch hat er dann doch: "Nachdem ich ein paar Monate weg war, will ich der Mannschaft wieder helfen."

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