Die Positionsfrage: Wer gibt bei Schalke 04 den Spielmacher?

Der Konkurrenzkampf bei Schalke 04 wird in der kommenden Saison so hart wie schon lange nicht mehr. Im Mittelpunkt steht dabei Boateng, der auf die Zehn will.

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen/Grassau. Beim FC Schalke 04 bereitet man sich im bayrischen Grassau auf die neue Saison vor. Ein Mix aus harten Konditionseinheiten und taktischem Feinschliff steht auf dem Programm von Trainer Jens Keller. Die Positionen werden ausgelotet, wobei Kevin-Prince Boateng längst klargemacht hat, dass für ihn besonders die Spielmacher-Rolle zählt.

Im Zentrum der Schalker Offensive duelliert sich der Ghanaer mit Shootingstar Max Meyer, der nicht daran denkt, seinen Stammplatz kampflos abzutreten. Hier bahnt sich ein harter Positionskampf an, den Keller als letzte Instanz entscheiden wird. Allerdings hat Meyer diese Rolle vergangene Rückrunde hervorragend ausgefüllt und Boateng auf die Sechs geschoben. Keller war mit beiden höchst zufrieden. Es gäbe also keinen Grund, daran etwas zu verändern. Dennoch hat Boatengs Wort auf Schalke Gewicht.

Neue Optionen

Zudem hat Keller noch eine Variante mehr: Neuzugang Eric Maxim Choupo-Moting hat in der abgelaufenen Saison für Mainz 05 als Linksaußen geglänzt, der Position von Julian Draxler. Das Schalker Eigengewächs sieht sich bekanntlich als Zehner, möchte auch dort eingesetzt werden. Keller hat also drei exzellente Spieler, die sich auf einer Position sehen - ein Luxusproblem!

Die größten Chancen dürfte jedoch Meyer haben, da er über einen längeren Zeitraum bewiesen hat, wie wertvoll er als Spielmacher fungiert. Wie wichtig der 18-Jährige den Verantwortlichen ist, zeigte auch der Fakt, dass die sportliche Leitung den Jungspund nicht zur U19-EM fahren ließ und sogar eine Konfrontation mit dem DFB in Kauf genommen hätte.

Mit Boateng im defensiven Mittelfeld hätte Keller somit zwei spielstarke Gestalter im Zentrum, die der Taktik des Trainers förderlich sein würden. Draxler dürfte wohl nur Außenseiterchancen haben, dort regelmäßig zum Einsatz zu kommen, sollte Keller im gewohnten 4-2-3-1-System spielen lassen.

Drei Spieler – eine Position

Spannend wird es, wenn Keller seine durch Choupo-Moting gewonnene Option mit zwei Spitzen zu agieren, anwendet. Draxler, Boateng oder Meyer - einer des Trios müsste dann wohl auf der Bank Platz nehmen, da Sidney Sam durch den monatelangen Ausfall von Jefferson Farfan schon jetzt als Rechtsaußen gesetzt scheint. Diese taktische Variante dürfte des Öfteren forciert werden, da sich Keller das ausdrücklich gewünscht hat. Positiver Nebeneffekt: Ein Stammspieler mit hoher Belastung bekommt auch mal eine Verschnaufpause.

Sollten die Schalker Akteure weitgehend fit und verletzungsfrei durch die Saison kommen, wird Keller erstmalig gezwungen sein, die Stars bei Laune zu halten. Bislang plagte die Königsblauen großes Verletzungspech, die Mannschaft stellte sich quasi von selbst auf. Das könnte sich in der neuen Spielzeit ändern. Der Konkurrenzkampf brennt auf Schalke, davon sollte das junge Team jedoch profitieren.