Die Huntelaar-Entscheidung: Schalke 04 oder neues Abenteuer?

Der Niederländer hat einen auslaufenden Vertrag und befindet sich im Herbst seiner Karriere. Bald wird er eine Entscheidung treffen. Doch, wie wird diese ausfallen?

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Er freut sich, selbst, wenn er nur im Training ein Tor macht. Klaas-Jan Huntelaar jubelt logischerweise nicht ausgelassen, er trabt zurück und lässt ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht wandern. Derzeit befindet sich der torgefährliche Angreifer noch im Urlaub und wird Anfang August zurückerwartet. Sein Kontrakt beim FC Schalke 04 läuft nächsten Sommer aus. Manager Horst Heldt will ihn halten, möchte Huntelaar das auch?

Das Pokerspiel ist im Gange: Schalke und Klaas-Jan Huntelaar haben bereits die Bedingungen abgesteckt und Sondierungsgespräche geführt, ganz unverfänglich und zwanglos. Der Niederländer ist für den Revierklub so was wie eine eingebaute Torgarantie. Das weiß der mittlerweile 30-Jährige auch und wägt nun ab, ob er bleibt oder geht. Wie ist die Situation? Goal analysiert.

Was spricht für Schalke 04?

2010 wechselte Huntelaar vom AC Mailand nach nur einem halben Jahr bei Real Madrid in den charismatischen Kohlenpott. Schalke ließ sich das, damals noch von Felix Magath geführt, angeblich 14 Millionen Euro kosten. Der Knipser galt fortan als der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte. Wenn man seine Zeit im Revier Revue passieren lässt, dann hatte er allerdings nur ein einziges Jahr, in dem er seine absolute Klasse hat zeigen können - Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. In der Spielzeit 2011/12 drehte er auf: Huntelaar markierte 29 Treffer, wurde Torschützenkönig der Bundesliga und schloss sogar mit Schalke-Legende Klaus Fischer auf, der in der Saison 1975/76 den Vereinsrekord mit ebenfalls 29 Toren in einer Saison aufstellte.

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Huntelaar geht in sein fünftes Jahr bei Schalke 04 und es wäre ihm nicht zu verübeln, wenn er sich im Herbst seiner Karriere noch einmal in ein Abenteuer stürzen würde. Er wird seinen letzten großen Vertrag unterschreiben. Wahrlich: Er hat bereits finanziell ausgesorgt, und auf Schalke nagt man bekanntlich auch nicht am Hungertuch. Mit kolportierten sieben Millionen Euro Jahressalär ist der Stürmer absoluter Topverdiener.

Zudem hat der Nationalspieler bei den Königsblauen eine Position, die nahezu der Unantastbarkeit gleichkommt. Ist er fit, steht er in der Startelf. Genau das bewog ihn 2010 zu dem Schritt in die Veltins Arena, er wollte regelmäßig spielen - bei Real und den Rossoneri war ihm dies nicht vergönnt. Ein neues Abenteuer birgt aber auch Risiken. Eine Frage wird er sich stellen müssen: Bin ich zufrieden mit dem, was ich habe oder packe ich meine sieben Sachen und suche eine neue Herausforderung? Schalke bietet ihm das, was er suchte. Sollten sich seine Bedürfnisse nicht verändert haben, wird er verlängern.

Welche Möglichkeiten hat Huntelaar?

Mit einem Alter von 30 Jahren wird jedem Verein, der sich für den Niederländer interessiert, bewusst sein, dass dieser keinen allzu großen Wiederverkaufswert haben wird. Einen Stürmer solch einer Klasse jedoch ablösefrei im Sommer 2015 auf dem Transfermarkt zu wissen, wird die Vereine anlocken, wie der süße Nektar die Bienen.

Es heißt, der FC Liverpool habe seine Fühler nach ihm ausgestreckt. An der Merseyside sucht Chefcoach Brendan Rodgers einen Ersatz für den zum FC Barcelona abgewanderten Superstar Luis Suarez. Die Reds haben zwar den 20-jährigen Lazar Markovic von Benfica Lissabon verpflichtet, ob der Serbe in die großen Fußstapfen des Uruguayers treten kann, darf getrost bezweifelt werden. Ein idealer Ersatz wäre Huntelaar.

Das Problem: Sie brauchen den Nachfolger Suarez' bereits jetzt und Schalke 04 denkt gar nicht daran, seinen Topstürmer zu transferieren, zumal dessen Ausstiegsklausel abgelaufen ist. Somit dürfte ein Transfer zu Steven Gerrard und Co. in diesem Sommer eine Wahrscheinlichkeit von Null haben. Nach Vertragsende sieht dies allerdings anders aus.

Kann sich Schalke einen ablösefreien Abgang überhaupt leisten?

Die Reviernachbarn von Borussia Dortmund haben es vorgemacht. Ihr Topstürmer Robert Lewandowski wechselte diesen Sommer ablösefrei zum Ligarivalen FC Bayern. Die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben haben bewusst auf einen Transfererlös verzichtet, um dem Konkurrenten nicht schon ein Jahr früher einen der besten europäischen Stürmer zu überlassen und sich selbst zu schwächen. Natürlich auch, weil die Chancen auf eine erneute Teilnahme an der Champions League mit einem Lewandowski als Speerspitze des Angriffs weitaus höher sind. Nicht umsonst wurde der Pole in der abgelaufenen Spielzeit Torschützenkönig.

Auch Schalke kann das. Viel wird darüber geredet, dass die Königsblauen hohe Verbindlichkeiten haben, allerdings ist das engmaschig gestrickte finanzielle Konstrukt mit Spielraum versehen. Der plötzliche Kauf von Kevin-Prince Boateng (wechselte für kolportierte 12 Millionen Euro) hat dies bewiesen. Zudem hätte Horst Heldt weit mehr Zeit, einen geeigneten Nachfolger für Huntelaar zu finden, sollte dieser den Entschluss fassen, die Knappen ablösefrei zu verlassen.

Fazit

Es ist natürlich an Huntelaar, zu entscheiden. Er befindet sich in einer komfortablen Situation. Schalke wird, was das Gehalt angeht, keine großen Sprünge mehr machen können. Dessen ist sich der Angreifer sicherlich bewusst. Ein Wechsel ins Ausland ist mit Risiken verbunden, könnte aber auch reizvoll sein. Huntelaar wohnt nahe der deutsch-niederländischen Grenze und kann nach dem Training oder den Heimspielen bequem nach Hause zu seiner Familie fahren. Ob ihn das Schalker Gesamtpaket noch mal überzeugen wird?

Wie er sich in den nächsten Monaten auch entscheiden mag, darüber wird man definitiv sprechen.