thumbnail Hallo,

4-3-3 oder 4-2-3-1? Wie Real Madrid mit James Rodriguez auflaufen könnte

Der Kolumbianer liefert Reals Mannschaft nicht nur zusätzliche Power, sondern auch eine weitere taktische Option für Trainer Ancelotti.

Vor etwas mehr als einem Jahr wechselte ein hochbegabter offensiver Mittelfeldspieler für viele Millionen Euro ins Santiago Bernabeu. Kurz zuvor hatte er auf der internationalen Bühne eindrucksvoll seine Visitenkarte abgegeben.

Isco, einem der großen Stars bei Spaniens Gewinn der U-21-Europameisterschaft in Israel, lag die Fußballwelt zu Füßen. Er galt als einer der besten Spieler seines Alters überhaupt und zur Belohnung verpflichtete ihn Real Madrid vom FC Malaga. Trotz eines vielversprechenden Starts in der Hauptstadt schaffte er es aber nicht, sich dauerhaft einen Stammplatz zu erkämpfen.

Carlo Ancelotti fand für Isco nie wirklich eine Position in seinem Ensemble. Nun, nach 13 Monaten, hat er die Aufgabe, Platz für den neuesten Stareinkauf zu schaffen. Schließlich hat Präsident Florentino Perez James Rodriguez nicht für Kleingeld geholt: 88 Millionen Euro kostet er und damit muss der Kolumbianer spielen. So einfach ist das.

Ancelotti wird sich bereits seine Gedanken gemacht haben, wie er den Gewinner des Goldenen Schuhs bei der WM 2014 am besten einsetzen kann. Zwei taktische Optionen stehen dem langjährigen Coach des AC Milan dabei zur Verfügung ...



Ancelotti könnte weiter auf seine bevorzugte 4-3-3-Formation setzen und James ins Mittelfeld an die Seite der flexiblen Toni Kroos und Luka Modric beordern. Nominell wäre der Ex-Monegasse ein Kandidat für die halbrechte Position, allerdings müsste er dort mit der Freiheit ausgestattet sein, das zu tun, was er am besten kann: In die freien Räume hinter der Sturmspitze eindringen und dort für Chaos sorgen.

Probleme kann dies in der Rückwärtsbewegung bergen. James ist ohnehin nicht für starke Defensivarbeit bekannt, nun müssten seine Nebenleute Kroos und Modric nicht nur die Fäden ziehen, sondern auch noch einen Teil der Abwehrarbeit erledigen. Beide sind keine klassischen defensiven Mittelfeldspieler und im Duell mit Gegnern, die schnell umschalten, könnte die Zentrale ein Schwachpunkt des Champions-League-Siegers sein.



Eine andere Sorge ist eine mögliche Eindimensionalität in der Mitte. Im Vorjahr klappte es bei Real im Mittelfeld prima, weil der gelernte Flügelspieler Angel di Maria immer wieder auch die Außenpositionen besetzte. Zum Beispiel, wenn Cristiano Ronaldo in bewährter Manier nach Innen zog. James fühlt sich aber auf der Seite nicht wohl, so ist eine weitere Möglichkeit, den 23-Jährigen dort einzusetzen, wo er am stärksten ist: Als Spielmacher in einem Dreier-Mittelfeld hinter Stoßstürmer Karim Benzema. So könnten die pfeilschnellen Ronaldo und Gareth Bale auf links und rechts weiter ihre Vorzüge ausspielen.

Auch hier gibt es aber das Gegenargument der womöglich nicht gegebenen defensiven Kompaktheit. Bale hat als gelernter Linksverteidiger kein Problem damit, nach hinten zu arbeiten. Ronaldo kümmern dagegen die Aufgaben in der Defensive wenig und so wäre Real über links verwundbar. In der Mitte fehlt ein Ballgewinner und dieses Problem muss Ancelotti lösen.

Es ist noch früh und Reals Einkaufstour muss noch nicht beendet sein. Eigentlich sollte Ancelooti froh sein über die teuren Spieler, die ihm nun zur Verfügung stehen. Nur muss er auch einen Platz für sie finden, in einer Mannschaft, die ohnehin schon hochkarätig besetzt ist. Ob es das am Ende wert ist?

Dazugehörig