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Er ist bei Schalke der unumstrittene Boss. Was Tönnies sagt, ist Gesetz. Dafür steht er gerne im Rampenlicht, bleibt aber trotzdem ein Teamplayer.

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Clemens Tönnies ist ein Mann des Wortes, manchmal ein Zampano, aber stets ein Mensch, der geradlinig seinen Weg geht. So führt er auch als Aufsichtsratsvorsitzender den FC Schalke 04. Mit Weitsicht und seinem eigenen Charme - seit nunmehr 13 Jahren. 1994 wurde er in das oberste Gremium der Schalker gewählt, sieben Jahre später stieg er auf, zum starken Mann im königsblauen Revier.

Rückblende: 1993 hinterließ ein großspuriger Günter Eichberg, damals Präsident der Knappen, dem Verein einen Schuldenberg in Höhe von 20 Millionen Mark (ca. 10 Mio. Euro) - es drohte sogar der Lizenzentzug. Sein Nachfolger wurde Bernd Tönnies, der ältere Bruder von Clemens. Eichberg flüchtete nach Florida. Seine letzte Entscheidung war, Rudi Assauer als Manager des Klubs wieder einzustellen. Stumpen-Rudi, wie sie ihn auf Schalke nennen, konsolidierte den Klub damals und führte ihn in ruhigeres Fahrwasser.

Das Versprechen

Jedoch verstarb Bernd Tönnies nur wenige Monate nach seiner Inthronisierung als Präsident am 1. Juli an Nierenversagen. Noch auf dem Sterbebett nahm er seinen jüngeren Bruder in die Pflicht und sagte: "Kümmere dich um Schalke!" Clemens Tönnies nahm sich der Aufgabe an, ließ sich 1994 in den Aufsichtsrat wählen und erfüllt bis heute noch den Wunsch seines großen Bruders. Außerdem führt er das Familienunternehmen Tönnies Lebensmittel, welches 2013 5,6 Milliarden Euro erlöste.

Von 1993 bis 1995 und von 1998 bis 2001 war jedoch ein anderer die federführende Person auf Schalke: Der frühere FDP-Politiker Jürgen Möllemann, der 2003 bei einem Fallschirmsprung tödlich verunglückte, war zu dieser Zeit Aufsichtsratsvorsitzender der Königsblauen.

Ab 2001 übernahm dann Tönnies die Zügel, die er fest in seinen Händen hält und an vorderster Spitze ordentlich straffzieht. Zum großen Wurf, dem Titel in der Bundesliga, hat es allerdings auch unter seiner Direktive noch nicht gereicht. "Die Meisterschaft ist bei der starken Präsenz der Bayern für alle anderen Klubs kein Zufallsprodukt. Das ist ein langer und schwerer Weg, auf dem man auch den passenden Moment und das Glück auf seiner Seite haben muss", ließ er im exklusiven Gespräch mit Goal wissen.

Der singende Boss

Markige und teils humorvolle Auftritte in der Öffentlichkeit prägten Tönnies' Bild nach außen. Ob er die Bedeutung des Revierklubs mit dem Satz "Schalke ist ein geiler Klub, da wollen viele hin" prägte oder in der SPORT1-Sendung "Doppelpass" das Vereinslied vor einem Millionenpublikum trällerte - Tönnies hinterließ stets bleibenden Eindruck. So ist es bis heute.

Es gibt keinen Aufsichtsratsvorsitzenden eines Bundesliga-Klubs, der bewusst so in der Öffentlichkeit steht, wie der 58-Jährige. Manchen Kritikern ist die für ihr Empfinden überbordende Medienpräsenz des gebürtigen Rhedaer ein Dorn im Auge und sie werfen ihm pure Selbstdarstellung vor. Andere freuen sich darüber, dass er sich so zu seinem Verein bekennt.

Der Tenor im weiten Schalker Rund ist eindeutig: Entweder man mag ihn oder eben nicht. Er wird immer ein streitbarer Mann bleiben, der sich weder verbiegt, noch aalglatt daherkommt - für Letzteres hat Tönnies auch zu viele Kanten. Jemand, der sich mit Kontrahenten reibt und sein Herz auf der Zunge trägt. Ob es seinem Gegenüber gefällt oder nicht. So ist er halt, der ostwestfälische Kotelett-Kaiser.

Das ausführliche Exklusiv-Interview mit Clemens Tönnies lest Ihr am morgigen Mittwoch hier bei Goal.

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