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Sami Khedira: Der Kämpfer macht sich unverzichtbar

Dass er kämpfen kann, hat Sami Khedira bereits bewiesen. Nur acht Monate nach seinem Kreuzbandriss steht er mit Deutschland im WM-Finale gegen Argentinien.

SPECIAL REPORT
von Stefan Döring

Rio de Janeiro. Ein Schrei ist im San Siro von Mailand deutlich zu vernehmen, alle Augen richten sich auf die Mitte des Feldes. Dort liegt Sami Khedira, hält sich das Knie und wälzt sich vor Schmerzen. Allen ist sofort klar: Hier ist etwas Furchtbares passiert. Es war der 15. November 2013, als Deutschland ein gutes halbes Jahr vor dem Beginn der Weltmeisterschaft gegen Italien testete.

Alle befürchteten das WM-Aus - was auch durchaus nachvollziehbar gewesen wäre. Normalerweise fallen Spieler bei Verletzungen dieser Größenordnung rund ein halbes Jahr aus, bevor sie wieder fit sind. Doch die Rechnung haben alle Experten ohne Khedira gemacht. Er kämpfte, schuftete und quälte sich bis zum Umfallen. Bereits im Krankenwagen soll er damals einen Operationstermin vereinbart haben.

Löw hielt immer zu ihm

Während Fußball-Deutschland in einer Schockstarre war, glaubte Joachim Löw an seinen Schützling, versprach ihm einen Platz im Kader, auch wenn er nicht ganz fit werden sollte. Viele kritisierten den Nationaltrainer dafür, aber dieser Tage stellen die Fans und Experten fest: Er hatte recht!

In den ersten Spielen dieser WM schien es noch so, als ob Löw zu hoch gepokert hätte. Khedira lief hinterher, ging nicht richtig in die Zweikämpfe. Er war einfach nicht der, der er hätte sein wollen und sollen. Der Zeitplan nach seiner Verletzung war scheinbar doch nicht so perfekt wie angenommen. Aber die Pausen gegen die USA sowie die lange Zeit auf der Bank gegen Algerien, gepaart mit den Trainingseinheiten, taten ihm gut.

Im Halbfinale gegen Brasilien war plötzlich alles wieder da: Dominanz, Laufstärke, der unbändige Wille und die Robustheit. "Diese physische Präsenz vom Sami, diese Dynamik auch in den Zweikämpfen und vor allem auch, dass er aus dem Mittelfeld immer wieder in die Spitze stößt, ist schon seine große Stärke", sagte Löw nach dem Spiel. Wie zum Beweis des Lobes schoss er ein Tor beim 7:1-Kantersieg.

Nach Champions-League-Titel der WM-Titel?

Sami Khedira ist etwas gelungen, was wohl nur die allerwenigsten Fußballer geschafft hätten. Während eines Turniers steigerte er sich zu alter, bestechender Form. Nun soll eine Saison mit Höhen und Tiefen im legendären Maracana gekrönt werden - mit dem WM-Titel. Der akribische Arbeiter gab alles für eine schnelle Genesung, stand sogar für Real Madrid in der Startelf beim Sieg im Champions-League-Finale. Einen großen Titel gewann er in dieser Saison also bereits, doch er will mehr. "Es ist optimal gelaufen. Ich bin ruhig geblieben. Ich bin froh, dass ich die Mannschaft und mich belohnen und diese großartige Saison krönen kann", erklärte der Madrilene im Interview mit der Homepage des DFB.

Nur 13 Ligaspiele absolvierte Khedira für Real Madrid, doch für Carlo Ancelotti waren die Qualitäten des deutschen Nationalspielers so wichtig, dass er ihn unbedingt auch im Champions-League-Finale spielen lassen wollte. Zu diesem Zeitpunkt war Khedira erst ein paar Tage wieder auf dem Trainingsplatz. Ob in Nationalelf oder Klub, der ehemalige Stuttgarter ist so ein Spieler mit "Mehrwert". Nun gilt es für ihn, diesen auch im wichtigsten Spiel eines Fußballspielers unter Beweis zu stellen.

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