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Toni Kroos steht kurz vor einem Wechsel von München nach Madrid. Sind die Blancos dabei wirklich der große Gewinner?

DEBATTE
Von Enis Köylü & Falko Blöding

Einer der größten Transfers des Jahres 2014 wird Toni Kroos vom FC Bayern zu Spaniens Topklub Real Madrid führen.

Der Mittelfeldspieler hatte sich mit den Münchenern nicht auf eine Verlängerung seines bis 2015 laufenden Kontrakts einigen können. Der FCB entschied sich schließlich, ihn ein Jahr vor Vertragsende zu verkaufen, um noch eine ordentliche Ablöse zu kassieren. Zudem wollte Pep Guardiola Ruhe haben und keine ständigen Nachfragen zur Zukunft des DFB-Kickers.

Allerdings scheiden sich bei Kroos die Geister. Mancher sieht ihn als die Zukunft des deutschen Fußballs und als einen Abgang, den die Bayern noch bedauern werden. Andere hingegen halten ihn für einen Überschätzten, der nach wie vor nicht sein volles Potenzial ausschöpft.

Goals Enis Köylü und Falko Blöding machen ihre Standpunkte bezüglich dieses Wechsels deutlich.

"BAYERNS VERLUST IST REALS GEWINN"


 
Von Enis Köylü

Toni Kroos ziehen zu lassen, ist ganz einfach eine Torheit. Der Nationalspieler hat in den letzten beiden Jahren bewiesen, welche glänzender Strippenzier er ist und mit 24 Jahren ist er längst noch nicht auf dem Zenit seines Schaffens angekommen.

Als Schlüsselspieler der Mannschaft, die das Triple gewann, ist es nur logisch, dass er ähnlich gut verdienen will wie die Neuankömmlinge Mario Götze und Thiago Alcantara. Er mag in der vergangenen Spielzeit nicht so effektiv wie im Jahr zuvor gewesen sein, aber es gab zahlreiche Spieler, die sich erst an Pep Guardiolas neue Marschroute gewöhnen mussten.

Die Umstände des Wechsels sind unglücklich. Die Bayern haben den amtierenden Champions-League-Sieger aus Madrid in den vergangenen drei Jahren zweimal im Halbfinale der Königsklasse getroffen. Nun geben sie einen Starspieler an diesen direkten Konkurrenten ab.

Kroos spielt seit satten acht Jahren an der Isar und er wäre gerne geblieben. Wie der Klub den 50-fachen Nationalspieler behandelt hat, ist nicht in Ordnung.

Sportlich ist der Verlust kurzfristig aufzufangen. Bastian Schweinsteiger zählt zu den besten Bundesligaspielern der letzten zehn Jahren. Philipp Lahm hat seine Fähigkeiten im Mittelfeld nachgewiesen und Thiagos erste Saison in München war vielversprechend.

Allerdings ist Kroos weitaus erfahrener als der Spanier. Schweinsteiger und Lahm werden nicht jünger und irgendwann abbauen. Kapitän Lahm ist bereits 30, sein Vertreter Schweinsteiger erreicht diese Marke im August.

Kroos hätte in München zum Führungsspieler werden können. Mit ihm wäre der irgendwann anstehende Umbruch sanfter zu bewältigen gewesen und er hätte ein Leader in der neuen Mannschaft werden können. Aber die Bayern wollten das nicht. Ihr Verlust ist ohne Zweifel ein riesiger Gewinn für Real Madrid.

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"DIE BAYERN SOLLTEN SICH NICHT GRÄMEN"



Von Falko Blöding

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Spieler den FC Bayern freiwillig verlässt. Noch dazu wenn er Stammkraft ist und mit 24 Jahren seine beste Zeit vermutlich noch vor sich hat. Aber Toni Kroos zieht es zu Real Madrid und sein aktueller Klub sollte sich deswegen nicht übermäßig grämen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Toni Kroos ein sehr guter Spieler ist. Aber ist er unersetzlich? Eben nicht und die FCB-Bosse teilen diese Ansicht. Aus diesem Grund sind sie auch auf die hohen Gehaltforderungen des Mittelfeldspielers nicht eingegangen und deswegen kommt es ja auch erst zu dessen Abgang. Wäre es wirklich verdient, wenn Kroos in eine Gehaltsklasse mit Spielern wie Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger aufstiege? Im Grunde ist es einfach: Hätten die Bayern Kroos halten wollen, wären sie für ihn über ihre finanzielle Schmerzgrenze hinaus gegangen.

Kroos ist ein Spieler, der dann glänzt, wenn auch seine Mannschaftskameraden gut spielen. Keiner, der den Karren aus dem Dreck zieht, wenn es mal nicht so läuft. Als Pro-Argument wird häufig der Gewinn des Triples 2013 angeführt. Allerdings war es doch so, dass Kroos die entscheidende Saisonphase verletzungsbedingt verpasste. Ausgerechnet der für ihn in die Mannschaft gekommene Arjen Robben wurde dann zum entscheidenden Faktor.

Man sollte Spiele wie das miserable EM-Halbfinale 2012 gegen Italien nicht vergessen. Nur einen Monat zuvor hatte Kroos sich im "Finale Dahoam" um das Elfmeterschießen gedrückt und die Verantwortung weitergeschoben. Am Ende musste sogar Keeper Manuel Neuer vom Punkt antreten.

Die Bayern werden Kroos vor allem bei Standardsituationen vermissen, diese tritt er brandgefährlich. Aber aus dem Spiel heraus können sie seinen Abgang kompensieren. Wenn Pep Guardiolas Lieblingsschüler Thiago wieder fit ist, wird er in seinem zweiten Bundesliga-Jahr noch stärker als in seiner ohnehin überzeugenden Debütsaison aufspielen. Die Verpflichtung Juan Bernats bedeutet außerdem, dass David Alaba vermutlich mehr Einsatzzeit auf seiner eigentlichen Position in der Mittelfeldzentrale bekommen wird. Und dass zudem ein weiterer Hochkaräter verpflichtet wird, ist wahrscheinlich.

Das Verhältnis zwischen Kroos und dem FC Bayern war nie warm und herzlich. Kann sich jemand den gebürtigen Greifswalder wirklich als echte FCB-Ikone vorstellen? Als der damals 17-Jährige in der ersten Mannschaft debütierte, bekam er das Etikett "Supertalent" verpasst. Den Hype hat er nie wirklich gerechtfertigt. Da unterscheidet er sich von Spielern wie Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller, die aus der eigenen Jugend stammen und sich zu Symbolen des Rekordmeisters entwickelt haben.

Auch die wirtschaftliche Seite des Deals ist nicht zu verachten: Die Münchener streichen rund 30 Millionen Euro für einen Spieler ein, der nur noch ein Jahr unter Vertrag steht. Ein glänzendes Geschäft! In Kombination mit Pep Guardiolas Wunsch nach Ruhe im Kader ist es alles in allem ein guter Transfer für den deutschen Rekordmeister.

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