thumbnail Hallo,

Robert Lewandowski: Der Anti-Mandzukic

Ein Torjäger geht, der andere kommt: Mandzukic schließt ein zweifelhaftes Kapitel unter Guardiola. Sein Nachfolger ist diplomatischer - das Bayern-Gen hat er verinnerlicht.

München. Da war sie wieder, diese unweigerliche beinahe traditionelle Frage. "In der ersten Saison streben Sie das Triple an, oder?" Exakt 403 Tage, fünf Titel sowie ein Trainerwechsel liegen dazwischen. Zwischen dem geschichtsträchtigen Triumph und der Gegenwart, der Vorstellung Robert Lewandowskis. Irgendwie hatte er sie wohl erwartet. Entsprechend souverän, ein klein wenig belustigt, parierte er.

"Ich", lächelte der Königstransfer, "habe hier noch nicht trainiert und gleich bei der ersten Pressekonferenz kommt das." Gerade eine Woche ist er offizielles Mitglied des FC Bayern. Und schon macht er mit dem Münchner Anspruchsdenken erstmals Bekanntschaft. "Klar, die Ziele sind hoch, am besten gewinnt man alles. Ich weiß das. Deshalb werde ich hart arbeiten."

Für Lewandowski ist der Abschied von Dortmund mehr als ein Ortswechsel. Er geht den nächsten Schritt im Fußballerleben, das betonte er gebetsmühlenartig. Jenen zu einem Arbeitgeber, für den Platz zwei nicht gut genug ist, der für sich die Weltspitze einfordert, stets nach Höchstmöglichem strebt. Eben zu einem Branchenprimus. Der Pole ist fortan ein Teil dieses Kosmos, ein ganz gewichtiger, zumal Mario Mandzukic erwartungsgemäß die Flucht ergreift.

Matthias Sammer erklärte am Mittwoch: "Es gibt eine mündliche Vereinbarung zwischen Atletico Madrid und uns, als auch zwischen Atletico und Mario." Tags darauf vermeldete man Vollzug. Der Sportvorstand, so hieß es gemeinhin, hege ein Faible für den kroatischen Querkopf. Ganz im Gegenteil zu Pep Guardiola. Er wurde nie warm mit ihm. Weder mit dem Spielertypen, noch mit dem Menschen Mandzukic. Zu unflexibel sei er, starrsinnig, zu wenig falsche Neun, zu sehr Rebell. Die zwischenzeitliche Idylle trog - die Beziehung scheiterte.

LEWANDOWSKI: "ALLES GEWINNEN"
Get Adobe Flash player

"Er hat Außergewöhnliches geleistet"

Lewandowski gibt sich nahbarer, weltmännischer. Er redet mit der Presse, zuvorkommend ohne prätentiöses Gehabe. Sein Vorgänger boykottierte diese und schwieg über eineinhalb Jahre. Ob der rauen Gangart nach außen hin machte er sich im Umfeld des Vereins kaum Freunde, manövrierte sich, um im Bilde zu bleiben, selbst ins Abseits. Lewy fällt es leichter, auf zwischenmenschlicher Ebene zu interagieren. Unzufriedenheit stellt er nicht provokant zur Schau, arbeitet lieber unermüdlich.

"Er hat bei seinem Ex-Klub Außergewöhnliches geleistet", betonte Sammer, "obwohl der Wechsel feststand. Das ist das Holz, woraus Champions geschnitzt sind". Die Borussia widersagte ihm vor einem Jahr trotz öffentlicher Unmutsbekundungen einen Transfer. Im Business heutzutage eher ungewöhnlich. Gerne treten abwanderungswillige Profis Schmutzkampagnen los, verweigern gar den Dienst, um ihren Willen, aber vor allem den des Beraters, zu forcieren. Schließlich, in letzter Konsequenz, beugt sich der Klub.

Lewandowski murrte, kurzzeitig, verzichtete jedoch auf üble Drohgebärden. Vielmehr besann er sich auf das Wesentliche: Das Toreschießen. 20 Mal knipste er, selbst als der Coup des Erzrivalen publik wurde, tat er das. Er versöhnte den schwarz-gelben Anhang, der ihn bis zum bitteren Ende anfeuerte, verdiente sich das Image des Musterprofis. Nun wartet das "Stahlbad FC Bayern", wie Sammer ihn Anlehnung an Mario Götze warnte. Für den 25-Jährigen reklamierte er Geduld.

Götze als warnendes Beispiel

"Wir müssen ihm die Integration erleichtern. Er ist sehr ehrgeizig und wird daher schnell sein Potenzial erreichen. Ich wünsche mir einen reibungslosen Anfang ohne Verletzung, die diesen Prozess bremst. Dann kann er sich weiterentwickeln." Götze, der vergangenen Sommer für 35 Millionen gen Süden abwanderte, wurde in diesen wichtigen, ersten Monaten ausgebremst. Vom eigenen störrischen Körper. Beschwerlich fand er zurück in das Ensemble, als Solist glänzte er selten. Das soll Lewandowski erspart bleiben.

Zügig möchte er sich eingliedern, die Stadt, den Klub, die neuen Kameraden kennenlernen. Bedenken, nicht in Guardiolas Konzept zu passen, verneint er. Er wisse, wie Bayern spielt, anders als der BVB, allerdings habe er kein Problem, neue taktische Ausrichtungen zu verinnerlichen. Immerhin sei genau das gemeinsam mit der Aura des spanischen Masterminds Guardiola der Grund gewesen, weshalb er beim Rekordmeister anheuerte.

Sein Gefühl habe ihm Bayern suggeriert. "Ich war vier Jahre in Dortmund und wusste, ich muss eine neue Herausforderung suchen. Guardiola kann mir jede Menge zeigen." Lewandowski bringt nötige Vorzüge mit. Er ist beweglicher als Mandzukic, mit dem Rücken zum Tor gefährlicher, schneller. Dazu beherrscht er die feine Klinge wie die Wenigsten seiner Zunft und vollstreckt eiskalt. Kurzum: "Er ist mit allen Facetten ausgestattet", formulierte Sammer gewohnt pointiert.

Lewy hält Plädoyer für sich

Zuletzt hatten Angreifer gleichwohl keinen leichten Stand im bayrischen Haifischbecken, waren von beschränkter Halbwertszeit. Giovane Elber widerfuhr zuerst dieses Schicksal. Als Torschützenkönig wurde er plötzlich von Roy Maakay beerbt. Es folgten Luca Toni, Miroslav Klose, Mario Gomez, Mandzukic - nun legt sich Lewandowski in ein gemachtes Nest.

Der einzige ernstzunehmende Konkurrent geht nach Madrid. Claudio Pizarro ist zufrieden mit seiner Joker-Rolle, auf internationaler Ebene fehlt ihm mittlerweile die Durchschlagskraft. Bleiben Thomas Müller oder Mario Götze und die falsche Neun, für Guardiolas Maxime eine allseits verlockende Variante. Lewandowski ist sich dessen bewusst, wähnt sich keineswegs in Sicherheit.

Beim ersten Auftritt in Bayern-Uniform hielt er ein kurzes, wenngleich überaus schüchternes Plädoyer für sich: "Natürlich fühle ich mich auf der Neun wohl. Nur ein moderner Stürmer muss mit der Mannschaft spielen können, ebenso defensiv mitarbeiten." Lewandowski ist ein solcher. Er verkörpert Bayerns Gegenwart - er "will hier Titel gewinnen". Mandzukic und das Triple sind Vergangenheit.

Dazugehörig