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Beim Halbfinale gegen Deutschland ruhen die Hoffnungen der Selecao mitunter auf Julio Cesar. Nach turbulenten Jahren feiert er bei der WM seine sportliche Wiederauferstehung.

Rio de Janeiro. Die Vita des 34-jährigen Julio Cesar ist von vielen Hochs und Tiefs geprägt. Zu zahlreichen Titeln im Verein, darunter fünf Meisterschaften in Italien und der Gewinn der Champions League mit Inter Mailand, gesellen sich traumatische Momente in der brasilianischen Nationalmannschaft. Bei der WM in seinem Heimatland avanciert er jetzt zum großen Hoffnungsträger.

Mit zwei gehaltenen Strafstößen sicherte Julio Cesar im Elfmeterschießen gegen Chile Brasilien den Einzug ins Viertelfinale. Auch in Belo Horizonte soll der Held seinen Kasten gegen Deutschland (Dienstag, 22 Uhr im Liveticker) sauber halten, um den Traum vom Finale im eigenen Land zu verwirklichen. Dabei wurde er vor vier Jahren bei der Endrunde in Südafrika noch als Sündenbock abgestempelt, nachdem er im Viertelfinale gegen die Niederlande ins Leere griff und Wesley Sneijder den Ausgleich und später den Siegtreffer ermöglichte.

Held gegen Chile

Diese Momente haben ihn über Jahre verfolgt, wie er nach dem Spiel gegen Chile bekundete: "Vor vier Jahren, da war ich sehr traurig. Ich konnte nicht aufhören zu denken: Warum ist das passiert? Warum sind wir ausgeschieden?" Bei seiner Heimkehr erwartete ihn damals ein Spießrutenlauf. Medien sowie erzürnte Fans belagerten den Flughafen. Und er? Er flüchtete sich am Boden zerstört in die Arme seiner Mutter - unvergessene Bilder.

"Jetzt weine ich wieder - aber vor Glück. Nur Gott und meine Familie wissen, was ich durchgemacht habe. Meine Geschichte in der Selecao ist noch nicht zu Ende. Der Weg bei diesem Turnier ist noch nicht zu Ende", so Julio Cesar mit Tränen in den Augen nach dem Spiel gegen Chile.

Kein Glück in England

Vor der WM erhielt Cesar trotz mäßiger Leistungen das Vertrauen von Luiz Felipe Scolari. Schon zuvor konnte er den Confederations Cup, die Generalprobe, gewinnen, obwohl er bei seinem Verein, den Queens Park Rangers, nur auf der Bank saß. Überhaupt hat Cesar seine erfolgreichste Zeit auf Vereinsebene bereits hinter sich. In den Jahren zwischen 2005 und 2012 konnte er 14 Titel mit Inter Mailand einfahren, ehe es ihn nach England zog.

Dort wurde er nicht glücklich, stieg sportlich in die zweite englische Liga ab und verlor seinen Stammplatz im Tor. Wegen Vertragsstreitigkeiten durfte er auch nicht am Spielbetrieb teilnehmen und musste auf der Tribüne platznehmen. In seiner Verzweiflung wechselte er per Leihgeschäft in die MLS zum FC Toronto, um wenigstens etwas Spielpraxis zu sammeln.

"Er hat allen das Maul gestopft"

Mit sieben Einsätzen startete er ins Turnier und ist zum Stabilisator der Selecao geworden. "Was wurde nicht alles über seinen Klub geschrieben. Und jetzt hat er allen das Maul gestopft und gezeigt, dass er es noch kann", jubelte Neymar, der für die restliche Weltmeisterschaft ausfällt, nach dem Chile-Spiel. Vor dem Elfmeterschießen tröstete er Cesar noch. Dieser wirkte labil, nervös, ehe er es allen Kritikern zeigte und zum Helden wurde.

Zwei Ziele treiben Cesar dabei unentwegt an: Er möchte Scolari, der stets loyal zu ihm war, das Vertrauen zurückzahlen. Und er will "den Pokal küssen und in den Arm nehmen - genau wie 200 Millionen Brasilianer." Sie alle hoffen gegen Deutschland auf eine weitere Glanzleistung des Keepers, um weiter vom Weltmeistertitel träumen zu dürfen.

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