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Der Costa zwischen den Pfosten: Keylor Navas

In einer WM der Torhüter hat sich Keylor Navas in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gespielt. Dabei glänzte er schon letzte Saison mit Levante in der Primera Division.

Salvador da Bahia. Wirklich ernst genommen wurde Costa Ricas Keylor Navas im April wohl noch nicht. Damals fragte ihn eine italienische Zeitung nach den Teams, die in der Gruppe D die Vorrunde überstehen würden. "Wir kommen weiter", antwortete der Nationaltorwart und entgegnete provokant: "Ob Italien es auch schafft?" Der viermalige Weltmeister ist nach einer enttäuschenden WM-Vorrunde längst zurück in der Heimat, der Außenseiter aus Mittelamerika hingegen bestreitet am Samstag das Viertelfinale gegen die Niederlande (22 Uhr im LIVE-TICKER).

Dass Costa Rica zum ersten Mal in seiner Geschichte unter den besten Acht steht, ist zum großen Teil auch Navas' Verdienst, der bislang 87,5 Prozent aller Torschüsse pariert hat - ein Bestwert. Mexikos Guillermo Ochoa kommt auf 76,9, Nigerias Vincente Enyeame auf 81,5 und Manuel Neuer auf 84,2. Mit starken Reflexen hielt er die Ticos im Turnier, wurde zudem zweimal zum Man of the Match ausgezeichnet.

Italien, Uruguay, England und Griechenland - drei Welt- und ein Europameister verzweifelten am äußerst flexiblen 5-4-1-System Costa Ricas, aber auch an Navas. "Unsere Taktik mit einer stabilen Defensive scheint die Gegner zu überraschen", sagte Trainer Pinto, der zugab, dass er sich von der Squadra Azzurra inspirieren ließ. Und wenn dann mal etwas aufs Tor kam, konnten sich die Ticos auf ihren "Buffon" verlassen.

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"Er hat in jedem Spiel zwei, drei Unhaltbare rausgezogen"

Navas hechtete sich in die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit, ist in der Fachwelt aber kein Unbekannter mehr. Den Sprung nach Europa hat er längst geschafft. Vom costa-ricanischen Serienmeister Saprissa aus der Hauptstadt San Jose zog es ihn 2010 nach Spanien zu Albacete Balonpie. Von dort zog er weiter nach Valencia zu Levante, wo er erst geduldig auf seinen Stammplatz warten musste, dann vor zwei Jahren voll einschlug.

Seit dem Wechsel von Gustavo Munua nach Florenz ist Navas die Nummer eins bei dem kleinen Vorort-Verein und gilt in La Liga als einer, der in der Lage ist Diego Costa, Lionel Messi und Co. auszubremsen. In der Primera Division kassierte Navas vergangene Saison in 37 Spielen nur 39 Gegentore und kam auf die fantastische Quote von 80,4 Prozent gehaltener Bälle. Dank ihm stellte Abstiegskandidat Levante die fünfbeste Liga-Defensive und landete auf Platz zehn.

"Er hat überragt und uns in fast jedem Spiel zwei, drei unhaltbare Bälle rausgezogen", schwärmte der Ex-Mainzer Andreas Ivanschitz gegenüber Laola1.at von seinem Teamkameraden bei Levante. Javier Caparros, letzte Saison noch Trainer bei den Valencianern, hob dessen Bedeutung hervor: "Navas ist für uns, was Costa für Atletico und Bacca für Sevilla ist, Typen, die 20 plus mehr Tore erzielen."

Der Costa zwischen den Pfosten

Einen Höhepunkt erlebte Navas im Rückspiel gegen den FC Barcelona: Er rettete mit zahlreichen Glanzparaden gegen wild anrennende Katalanen ein 1:1. Am Saisonende wurde er trotz Mitstreiter wie Thibaut Courtois zum besten Keeper der Primera Division gewählt. "Er ist ein Vollprofi, der in sich ruht, deswegen von hinten aus eine extreme Ruhe ausstrahlt. Er ist sowohl auf der Linie sowie bei hohen Bällen stark. Außerdem schlägt er mit rechts als auch mit links gezielte Abschläge. Im Moment gibt es kaum ein Manko", beschreibt Ivanschitz die Vorzüge. Levantes Torwarttrainer Luis Lopis unterstreicht die mentale Stärke und spricht von einem "demütigen" Mann, "mit einer extrem guten Konzentration."

Allerdings ist Navas nicht einfach nur mit Talent gesegnet: Eine akribisch genaue Vorbereitung gehört zur Arbeitsethik des streng gläubigen Christen, der vor jedem Spiel auf der Torlinie kniet und betet. Bei Levante gilt der 27-Jährige als einer, der der Analyse-Abteilung schon mal auf die Nerven gehen kann und sie mit Nachfragen zu den DVDs aller möglichen Gegenspieler löchert, um deren Stärken und Schwächen herauszufiltern. Kaum etwas überlässt er, der permanent an seinen Mankos arbeitet und wenig Wert auf spektakulär aussehende Paraden legt, dem Zufall.

Den gehaltenen Elfmeter gegen Theofanis Gekas im Achtelfinale beschreibt er als den "wichtigsten" sportlichen Augenblick seiner bisherigen Karriere: "Das verändert unser Leben und die Geschichte unseres Landes." Woher er seine Überzeugung nimmt, daraus macht Navas keinen Hehl: "Ich habe Gott gedankt, denn darum hatte ich ihn gebeten, und für meine Kameraden gebetet, damit sie ihre Elfmeter verwandeln."

Wird Navas bei Atletico Courtois-Nachfolger

Nicht erst seine WM-Leistungen haben ihn auf den Zettel der Topklubs gebracht: Champions-League-Finalist Atletico Madrid, der einen Nachfolger für Courtois finden muss, zeigte schon gegen Ende der Saison Interesse. Spitzenvereine wie der FC Liverpool, Arsenal oder die Bayern, wo man bald eine neue Nummer zwei hinter Neuer sucht, sollen neugierig geworden sein. Navas selbst hat bereits angedeutet, dass er ein Fan von Diego Simeone ist, will aber erst nach der WM eine Entscheidung fällen. Vorher will er mit seinem Land weiter Geschichte schreiben.

"Die Niederlande sind der Favorit, aber im Fußball kann alles passieren. Wir dürfen keine Angst haben", sagt Navas vor dem Viertelfinale gegen Oranje. Sätze wie diese gehören vor Außenseiter-Spielen zum verbalen Standard-Repertoire der Profis. Doch bei Navas klingen sie mittlerweile alles andere als hohl. "Es wäre wunderbar, der beste Torhüter dieser WM zu sein", hatte er im Vorfeld von Brasilien einmal gesagt. Wer die Aussage damals als wagemutige Allüre eines südländischen Exoten genommen hat, dürfte mittlerweile eines Besseren belehrt worden sein...

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