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Wohl kaum eine Frage treibt Fußball-Deutschland derzeit so sehr um wie die um die Rolle des Kapitäns. Die Entscheidung, die Löw zu treffen hat, ist keine einfache.

Rio de Janeiro. Wenn am frühen Freitagabend die Mannschaftsaufstellung des DFB-Teams für die Partie (18:00 Uhr im Live-Ticker auf Goal) gegen Frankreich verkündet wird, steht vor allem eine Frage im Fokus: Wo spielt Philipp Lahm?

Bislang war der Mannschaftskapitän der deutschen Nationalelf bei der WM 2014 in Brasilien vornehmlich im defensiven Mittelfeld zum Einsatz gekommen. Lediglich beim 2:1-Sieg im Achtelfinale über Algerien beorderte Joachim Löw ihn nach der Verletzung Shkodran Mustafis auf die Rechtsverteidigerposition.

Der Bundestrainer vertraute in der Vierer-Abwehrkette ansonsten auf ein Innenverteidiger-Quartett, auf gelernte Außenverteidiger verzichtete er. Ein Modell, das vor allem nach dem knappen 2:1-Sieg im Achtelfinale über Algerien in die Kritik geraten ist. Es ist durchaus möglich, dass Löw gegen Frankreich umstellen wird, wie DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke deutlich machte: "Wir müssen schauen, was gegen Frankreich das Beste ist."

Was aber ist das Beste? Argumente gibt es für beide Varianten. Agiert Lahm als Sechser, kann er in der Schaltzentrale für Kompaktheit sorgen. Gegen Algerien nahm Lahm nach einer miserablen ersten halben Stunde des DFB-Teams die Zügel in die Hand und verlieh dem deutschen Spiel sichtbar Ordnung und Stabilität. Als er ab der 70. Minute rechts hinten spielte, wurden die Afrikaner prompt wieder gefährlicher.

Das Trio Toni Kroos, Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger vermochte es nicht, die Lücken in der Zentrale in dem Maße zu schließen, wie Lahm es vormachte. Gleichzeitig aber wurde das deutsche Spiel nach dem Positionswechsel von Lahm deutlich gefährlicher, gleich drei Großchancen leitete der Bayer über rechts ein.

Zudem ging über Lahms Abwehrseiten für zugegebenermaßen ermüdete Algerier kaum mehr etwas. Zuvor hatte der Gegner die Schwächen des Systems mit vier Innenverteidigern offengelegt: Gegen die schnellen Flügelspieler bekamen Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes Probleme. Die beiden mussten sich in ungewohnter Rolle behaupten, wurden schon zuvor für ihre Leistungen kritisiert.

Unterstützung bekam Höwedes zuletzt aber aus seinem Verein. Für Schalke-Trainer Jens Keller etwa ist die Kritik an seinem Schützling "völlig unverständlich", Manager Horst Heldt empfand sie als "bei weitem nicht gerecht" und fügte an: "Wenn jemand von Benedikt Höwedes erwartet, dass er die Linie rauf und runter rennt und viele Flanken von außen reinhaut, dann muss ich demjenigen absprechen, dass er Ahnung von Fußball hat."

In der Tat muss man den umgeschulten Abwehrspielern zugutehalten, welch undankbare Aufgabe sie da haben und sollte das bei der Beurteilung ihrer Leistung berücksichtigen. Ähnliche Probleme hätten die Dortmunder Erik Durm oder Kevin Großkreutz wohl nicht. Beide kennen die Rolle als Außenverteidiger.

Großkreutz und Durm in der Warteschleife

Und - sie können neben ihrer taktischen Schulung durchaus auch weitere Argumente für sich vorbringen: Durm, technisch versiert, mit starkem linken Fuß wäre für das Spiel nach vorne zweifelsohne eine Belebung. Genauso kann Großkreutz neben seinen kämpferischen auch offensive Qualitäten vorweisen. Hinzu kommt in beiden Fällen die Champions-League-Erfahrung. Großkreutz könnte sogar auf rechts agieren, Lahm wäre frei für die Zentrale.

Ob dies auch Gedankenspiele von Löw sind? Ein Startelf-Einsatz von Durm ist wohl ausgeschlossen, der von Großkreutz nicht mehr: Der gebürtige Dortmunder lief laut Bild im Abschlusstraining in der A-Elf als Rechtsverteidiger auf. Ob er dort tatsächlich auch spielen darf, wenn es ernst wird, bleibt abzuwarten. Der Bundestrainer will nämlich unter allen Umständen die Defensive stärken, sein Vertrauen in das Abwehrverhalten von Durm und Großkreutz schien bislang begrenzt.

Wahrscheinlich erscheint daher wenn überhaupt nur eine Umstellung - nämlich Lahms Wechsel auf die Position rechts hinten und der damit einhergehende von Jerome Boateng auf die linke Abwehrseite. Im Grunde lässt sich alles auf eine Frage herunterbrechen: Will Löw den Flügel stärken oder die Stabilität in der Zentrale vergrößern? Die öffentliche Beurteilung seiner Entscheidung wird wie immer an das nackte Ergebnis geknüpft sein.

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