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DFB-Gegner USA: Variabler Powerfußball

Zum Abschluss der Gruppenphase trifft Deutschland auf die USA. Löws Schützlinge erwartet ein unangenehmer Gegner mit hoher Intensität.

Einst waren sie Kollegen und sollten Deutschland zum WM-Titel im eigenen Land führen. Nach 2006 trennten sich ihre Wege. Der eine übernahm die deutsche Nationalmannschaft als Cheftrainer. Der andere durchlebte eine kurze, aber wechselvolle Zeit bei Bayern München, kehrte schließlich in seine Wahlheimat USA zurück, wo er aktuell die Strukturen reformieren möchte. Nun treffen Joachim Löw und Jürgen Klinsmann zum Abschluss der WM-Gruppe G aufeinander

Joachim Löw: Dem Schatten entwachsen

Das US-Team überraschte zuletzt mehrfach mit guten Ergebnissen, bezwang zum Auftakt Ghana, brachte Portugal im zweiten Spiel gehörig ins Wanken. Vier Punkte stehen zu Buche. Nun geht es gegen Deutschland (18 Uhr im LIVE-TICKER) um das Achtelfinale. Auch weil Klinsmann, der sich gegen das Image des Motivationstrainers wehrt, seine Schützlinge jeweils clever an den Kontrahenten anpasste.

Stärke: Anpassungsfähigkeit

Im Duell mit der ghanaischen Mannschaft wurde vom amerikanischen Trainerteam beispielsweise antizipiert, dass die Black Stars ihre Angriffe vermehrt über die rechte Seite durchführen würden, obwohl mit Andre Ayew und Kwadwo Asamoah eigentlich die linke Außenbahn personell stärker besetzt ist. Trotzdem ahnte Klinsmann, dass die Westafrikaner den defensiv eher wackligen Linksverteidiger DaMarcus Beasley als Schwachstelle ausmachten. Deshalb beorderte er den eigentlichen Sechser Jermaine Jones nach links zur Unterstützung. Zudem deckte Kyle Beckerman die Seite mit ab. Somit verhinderten die US-Boys, dass es diagonale Durchbrüche von den Flügeln aus gab. In diesem Punkt sind sie ansonsten eher anfällig. Auch eine eng verschiebende Mittelfeldreihe mit weit einrückendem ballfernem Außenspieler im 4-4-2 sollte für Stabilität sorgen. 

Beim nächsten Spiel änderte Klinsmann die Formation in ein noch kompakteres 4-5-1. Gegen die Portugiesen wurde offensiv vor allem das defensive Zocken von Cristiano Ronaldo clever genutzt. Der Superstar arbeitet auf seinem Flügel eher wenig nach hinten mit und bleibt häufiger an der Mittellinie stehen. Deshalb leiteten die US-Amerikaner ihren Spielaufbau zumeist nach rechts, wo der Neu-Gladbacher Fabian Johnson immer wieder frei vorstoßen konnte und mit seiner Dynamik Druck entwickelte.

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Insgesamt spielen sie mit einer hohen Intensität über die volle Spielzeit. Klinsmann schickt eine der fittesten Mannschaften bei dieser WM aufs Feld. Dadurch werden auch Lücken geschlossen und der Gegner immer wieder angelaufen. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es bei den US-Boys weniger Rhythmuswechsel für lange Verschnaufpausen.

Schwäche: Strafraumverteidigung

Dass Klinsmanns Team trotz der hohen Flexibilität und Intensität gerade defensiv häufig Probleme bekommt, liegt hauptsächlich an der Verteidigung. Er kann im Abwehrzentrum lediglich auf Matt Besler, Geoff Cameron, John Brooks oder den zuletzt formschwachen Omar Gonzalez zurückgreifen. Besler ist ein guter Aufbauspieler. Cameron "glänzte" gegen Portugal mit einigen Fehlpässen und Querschlägen, unter anderem vor dem ersten Gegentreffer. Die Umstellungen in der Viererkette gingen auf Kosten der Abstimmung. Sie ist eher mittelprächtig.

Insofern ist es an sich klug den Gegner, wie beim Ghana-Spiel geschehen, zum Flanken zu zwingen. Allerdings muss das Verhalten im Zentrum beim Klären des Balles stimmen. Zudem bleibt Beasley ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Denn der ehemalige Außenstürmer ist beim ballfernen Einrücken in den Strafraum zuweilen etwas unbeholfen.

Schlüssel: Zehnerraum besetzen

Jene Schwäche kann für die USA verhängnisvolle Konsequenzen haben. Für Deutschland wird es wichtig sein, im Gegensatz zum Remis gegen Ghana mehr Präsenz im offensiven Zentrum erzeugen. Häufig war Thomas Müller alleine bei Flanken, im Rückraum schob niemand nach, um sich als zweite Anspielstation zu positionieren.

Löws 4-3-3-Grundformation darf nicht dazu führen, dass kein Achter bei Ballbesitz beziehungsweise offensivem Umschalten direkt in den Zehnerraum vorstößt. Gerade Toni Kroos sollte dies noch mehr tun. Insgesamt war das Verhalten beim Nachrücken im zweiten Spiel durchwachsen.

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Klinsmann hat selbst eine der fittesten Mannschaften bei dieser Weltmeisterschaft, die sehr intensiv über 90 Minuten agieren kann. Im Gegenzug muss jedoch vom Gegner Druck auf die Sechser erzeugt werden. Während Beckerman klug absichert, neigt Jones vereinzelt zum überhasteten Attackieren.

Zudem kann man Michael Bradley in dieser Form stärker zur Defensivarbeit zwingen. Der ehemalige Roma-Spieler tritt sehr dominant im Passspiel auf, nahm zugleich gegen Portugal Joao Moutinho phasenweise aus dem Spiel. Allerdings hielt sich Moutinho auch in zu tiefen Räumen auf, wodurch er es den US-Boys ermöglichte, dass sie Bradley absichern konnten. Das sollte den Deutschen in Verbindung mit den Erkenntnissen aus dem Ghana-Spiel eine Lehre sein.

Fazit

Ein Unentschieden würde beiden Mannschaften zum Weiterkommen genügen. Aber die US-Amerikaner wollen sicherlich den Gruppensieg nicht herschenken. Zudem wird Klinsmanns Elf wieder mit hoher Intensität auftreten, sodass sich eine offene Partie entwickeln kann.

Die deutsche Mannschaft konnte bei den ersten Gruppenspielen der USA beobachten, wo die Schwächen liegen. Zugleich ist gerade das kollektive Nachrücken ein signifikanter Verbesserungspunkt, der schon gegen die US-Boys zum Tragen kommen muss.

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