thumbnail Hallo,

Ronaldo-Kopie? Durchbruch? Ewiges Talent? Nani hat den Faden verloren

Man erhoffte sich von ihm einen kongenialen Partner für CR7. Noch wartet Portugal vergeblich - kann Nani gegen Ghana endlich überzeugen?

Campinas. Hier und da blitzt bei der WM in Brasilien auf, welche Fähigkeiten Portugals Mann mit der Nummer 17 besitzt. Einmal gar gewinnbringend, bei seinem Führungstor im zweiten Spiel gegen die USA: Gedankenschnell reagierte Nani auf den Querschläger, legte sich die Kugel zurecht, wartete instinktiv und goldrichtig ab, bis US-Keeper Tim Howard auf dem Boden lag und wuchtete den Ball ins Netz.

Es war Nanis bisheriges Highlight am Zuckerhut. Immerhin folgten gegen die Amerikaner drei weitere Abschlüsse, zwei auf den Kasten. Vor dem 0:4-Debakel gegen Deutschland zum Auftakt hatte man in Portugal gehofft, dass der 27-Jährige seine Eins-gegen-Eins-Qualitäten im Duell mit Benedikt Höwedes besser ausspielen würde. Es glückte ihm aber nur wenig, lediglich ein gefährlicher Schuss knapp über das Kreuzeck im ersten Durchgang fiel auf.

Joachim Löw: Dem Schatten entwachsen

Nicht nur die Eindrücke bei dieser Endrunde bestätigen: Nani hat den Faden verloren. Irgendwann und irgendwo auf dem Weg, sich weiterzuentwickeln. Vom tanzenden Ballartisten mit wahnwitzigen Fähigkeiten im Dribbling zum Spieler für große Momente, der seinen Qualitäten die entscheidende Portion Effizienz hinzufügt. Vielleicht fehlt es Nani dazu am Hunger, am unbändigen Trainingsehrgeiz, den derjenige an den Tag legt, mit dem er einst gern verglichen wurde.

WEITERE WM-VIDEOS
Get Adobe Flash player

Fehlen Biss und Hunger?

Auf den Kapverdischen Inseln wurde er geboren, jener Luis Carlos Almeida da Cunha. Von einem kleinen Verein in Portugal ging es mit 16 Jahren in die Jugendabteilung Sporting Lissabons. Dort, wo Cristiano Ronaldo den Sprung zum Profi schaffte, debütierte Nani mit 18 Lenzen in der ersten Mannschaft. Es war, als ob der inzwischen weltberühmte CR7 wieder zurück bei seinen Wurzeln wäre.

Zumindest ein Stück weit, weil der schmächtige Flügelflitzer sehr an seinen mutmaßlichen Vorgänger, der nur knapp zwei Jahre älter ist, erinnerte. Enge Ballführung, Dynamik, Schnelligkeit, atemberaubende Tricks, die Art und Weise seines Auftretens - Nani eilte schnell der Ruf einer Ronaldo-Kopie voraus. Als nach zwei guten Spielzeiten sein Transfer zu Manchester United folgte, war Portugal voller Hoffnung, in Zukunft auf eine unverwechselbare Flügelzange bauen zu können. Eine von Weltklasse-Format. Möglichst mit einem zweiten Spieler, der sich in derart schwindelerregende Höhen entwickelt wie Ronaldo.

Doch was der Superstar von Real Madrid längst erreicht hat, ist für Nani in weiter Ferne. In seinen mittlerweile sieben Jahren bei den Red Devils hatte er immer wieder Momente, in denen er vor dem absoluten Durchbruch stand. Ausreißer nach oben, großartige Spiele, spektakuläre Volltreffer. Nur eben auch Ausreißer nach unten, Spiele in denen der Portugiese unterging. Klasse war stets da, jedoch zu inkonstant.

Desaströse Saison in England

Die vergangene Saison bedeutete Nanis Tiefpunkt. Von Verletzungen geplagt kam er nur auf elf Premier-League-Einsätze. Ausbeute: Null Tore, null Assists. Sein Trickreichtum ist inzwischen häufig Makulatur, zu gut sind Englands Verteidiger darauf eingestellt. So ist der Weg zum Abschluss meist früh beendet, es mangelt an Durchsetzungsvermögen.

Dennoch nominierte ihn Portugals Nationaltrainer Paulo Bento für die WM. Obwohl sich die Turnierbilanz bis dato auf acht EM-Einsätze ohne Erfolgserlebnis beschränkte. Die Erwartungen an Nani - heute wie zu Beginn seiner Karriere - sind dabei klar: Im Offensivspiel soll er etwas Last von den Schultern Ronaldos nehmen, den Weltfußballer unterstützen, mit ihm gemeinsam wirbeln. Gerade da die Portugiesen seit Jahren auf der Suche nach einem fähigen Stoßstürmer sind, gerade da sich das Mittelfeldzentrum aus eher strategisch denkenden Akteuren wie Miguel Veloso, Raul Meireles oder Joao Moutinho zusammensetzt. Die Überraschungsmomente, die richtigen Laufwege bei den Kontern, die Abschlüsse - dafür sollten Nani und CR7 verantwortlich sein.

Ansätze waren da. Und mit einem Tor (Nani) sowie einem Assist (Ronaldo) waren die beiden maßgeblich an den zwei bisherigen WM-Treffern der Südeuropäer beteiligt. Doch insgesamt wurde zu wenig Substantielles produziert. Zumindest so wenig, um im letzten Gruppenspiel gegen Ghana (Donnerstag, ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) einen Kantersieg für den Einzug ins Achtelfinale zu benötigen. Nur ein Aufblitzen von Torgefahr, von oft verborgenen Fähigkeiten reicht da nicht. Nani muss liefern, von einer nach Identität suchenden Ronaldo-Kopie zu einem Ronaldo-Helfer werden. Nur so gelingt noch das Wunder.

Dazugehörig