Balotelli und Marchisio lassen Italien im Stich, als es drauf ankommt

Die Azzurri müssen früh packen, weil zwei Stammkräfte sich im entscheidenden Spiel nicht im Griff hatten. Nach dem Debakel 2010 ist die Fußball-Nation wieder am Boden.

KOMMENTAR
Von Kris Voakes in Brasilien

Mario Balotelli wird nicht im Achtelfinale der Weltmeisterschaft auflaufen. Auch Claudio Marchisio nicht. Und dank der Undiszipliniertheiten ihrer Kollegen sitzt Rest der italienischen Nationalmannschaft frühzeitig im Flieger zurück in die Heimat. Für die Azzurri ist es das zweite Aus in der Vorrunde einer WM in Serie. Ein Debakel.

"Für uns Spieler, für das Team und das Land ist es ein sehr trauriger Tag", sagte ein sichtlich desillusionierter Gianluigi Buffon. "Wir haben versagt. Wir müssen das aufarbeiten und uns hinterfragen." Ohne Cesare Prandelli. Sein Rücktritt dominierte neben Luis Suarez' erneuter Bissattacke die Berichterstattung nach der 0:1-Pleite gegen Uruguay. Er war, wie der Rest der Mannschaft, von zwei Spielern im Stich gelassen worden.

Balotelli wurde zur zweiten Halbzeit für Marco Parolo ausgewechselt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nach einem überflüssigen und ungeschickten Foul an Alvaro Pereira bereits die Gelbe Karte gesehen und wäre in einem möglichen Achtelfinale gesperrt gewesen. Abgesehen davon lieferte er eine erbärmliche Leistung ab.

"Er versteht nicht, wann er ruhig ist"

Prandelli betonte nach dem Schlusspfiff: "Balotelli war Teil des Projekts, und es war kein siegreiches Projekt." Die Auswechslung des Enfant terrible erklärte er mit dessen Temperament. "Er versteht nicht, wann er ruhig ist und wann er gestresst ist. Er muss ausgeglichen sein. Ich nahm in herunter, da ich Angst hatte, dass wir das Spiel zu zehnt beenden."

Dass Suarez die beste Chance der Begegnung hatte, obwohl Italien den Ballbesitz dominierte, sagt viel über die Zielstrebigkeit der Azzurri in der gegnerischen Hälfte aus. Während Ciro Immobile immerhin noch hart arbeitete, weite Wege ging, erwischte Balotelli zur Unzeit ein Leistungsloch. Dass dieser zum zweiten Durchgang nicht wieder auf dem Rasen stand, war keine große Überraschung.

Italien spielte nun praktisch mit sechs Mittelfeldspielern und wollte so den zunehmenden Druck Uruguays abfedern. Nach 59 Minuten fand sich der Weltmeister von 2006 in Unterzahl wieder.

Marchisio viel zu ungestüm

Marchisio war ungestüm gegen Arevalo Rios eingestiegen und traf den Kontrahenten unterhalb des Knies. Der Juve-Star ist nicht der technisch beschlagenste, nicht der taktisch cleverste Spieler der Welt. Aber er spielt zu jeder Zeit aufopferungsvoll mit 100 Prozent Einsatz. Manchmal gipfelt das in Aktionen wie diesem Zweikampf und dabei kann schnell ein Platzverweis rumkommen.

Die Italiener waren sauer ob der Roten Karte und protestierten (vergeblich) beim Schiedsrichter. "Ich bin mir nicht sicher, ob sie entscheidend war. Geholfen hat sie uns sicher nicht", so Buffon. Er rettete nur wenig später mit einer Glanzparade gegen den freistehenden Suarez. In der 81. Spielminute war allerdings auch der mehrfache Welttorhüter des Jahres machtlos. Eine Ecke von der rechten Seite erwischte Godin mit dem Rücken und von dort prallte die Kugel zum 1:0 für die Südamerikaner ins italienische Tor.

2012 hatte Prandelli Italien ins Endspiel der Europameisterschaft geführt. Das Momentum, das die Mannschaft damals umgab, war nach dem Vorrunden-Aus in Südafrika zwei Jahre zuvor bemerkenswert. Eine peinliche Niederlage gegen Costa Rica und eine Pleite, die schlicht schwachen Nerven in wichtigen Momenten geschuldet war, haben die Azzurri wieder genau dorthin zurückgeführt, wo sie vor vier Jahren waren. Am Boden.