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Die Rothosen sind als erster Klub der Bundesliga in eine lange Vorbereitung gestartet. Auf der Führungsebene sollte sich derweil einiges verändern.

Hamburg. Nach der schlechtesten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte und einer historischen Mitgliederversammlung standen die Zeichen beim Hamburger SV auf Neuanfang. Mit Dietmar Beiersdorfer haben die Norddeutschen einen neuen Vorstandsvorsitzenden verpflichtet, der die ausgegliederte Fußballabteilung leiten soll. Offiziell startet der 50-Jährige seine Arbeit am 1. Juli.

Über die ersten Wochen nach der erfolgreichen Wahl von HSVPlus sind die Fans geteilter Meinung: Ein kommunikativer Fehlstart mit unnötigen Statements von Karl Gernandt, die eine Diskussion um Mirko Slomka entfachten, meinen die einen. Auf der anderen Seite wird Geduld gefordert, schließlich seien die neuen Führungskräfte noch nicht im Amt. Spätestens jedoch nach einem Interview des Geldgebers Klaus-Michael Kühne mit dem Hamburger Abendblatt war klar, dass der Start eher unglücklich verlief.

Der Milliardär fordert nicht nur die Neubesetzung des Trainerpostens, sondern spricht sich auch für eine Trennung von Kapitän Rafael van der Vaart aus, dessen Verpflichtung er 2012 mitfinanzierte. Bei einem Verkauf von Hakan Calhanoglu droht Kühne zudem seine finanzielle Unterstützung zu überdenken. Die Gegner der Ausgliederungsinitiative sehen ihre Sorgen bestätigt und werfen dem Unternehmer vor, medialen Druck auszuüben und sich dadurch beim Klub einzumischen.

Verärgerung bei HSVPlus

Doch auch aufseiten von HSVPlus reagierte man auf dieses Interview mit Unverständnis. Der ehemalige Präsident und Unterstützer der Ausgliederung, Dr. Wolfgang Klein, bezeichnete via Bild das Verhalten von Kühne als "vereinsschädigend", kritisierte zudem Gernandt, der schon aufträte als "hätte er das Sagen beim HSV". Der 73-Jährige sprach damit laut aus, was hinter den Kulissen viele der Unterstützer von HSVPlus dachten. Längst ist der Kontakt zwischen der Initiative und der designierten Führung um Gernandt abgebrochen.

Was aber soll sich ab dem 1. Juli verändern? Fakt ist, dass die Aktiengesellschaft bereits seit 1991 besteht, bislang nur eine Holding-Funktion für die Tochtergesellschaften übernahm und nun durch die Eingliederung des Profifußballs selbst operativ tätig wird. Aktuell gehören Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke zum Vorstand, Beiersdorfer stößt im Juli dazu. Parallel sind Jarchow und Hilke noch bis zum 30. Juni Vorstände im "e.V.", der spätestens im Januar von einem neu zu wählenden Präsidium geleitet werden soll.

Kreuzer wird wohl bleiben

Wer nach der Ausgliederung eine "Tabula rasa" erwartet hatte, könnte enttäuscht werden. Nicht viel spricht derzeit dafür, dass Jarchow oder Hilke ihre Posten räumen müssen. Auch Sportchef Oliver Kreuzer steht dem Vernehmen nach nicht vor einer Ablösung, bekäme in der HSV Fußball AG allerdings keinen Platz im Vorstand. Angesichts der desaströsen Ergebnisse in den vergangenen Jahren, in denen sämtliche wirtschaftlichen und sportlichen Ziele verfehlt worden sind, ist eine Weiterbeschäftigung von Jarchow und Hilke ein fragwürdiges Zeichen.

Verärgerung gibt es ebenfalls im alten Aufsichtsrat, der sich eine sofortige Einstellung Beiersdorfers gewünscht haben soll. Die Nachfolger hätten aber nicht einmal den Versuch unternommen, eine Übergangsregelung zu vereinbaren, um den umgehenden Einstieg Beiersdorfers zu ermöglichen. Viele Baustellen, wenig Klarheit – zumindest vorerst scheint sich beim HSV nicht viel zu ändern. Immerhin: Die Mannschaft trainiert bereits und arbeitet an den konditionellen Defiziten aus der vergangenen Saison.

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