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Durchatmen in Brasilien - Der Gastgeber hat das erste Teilziel erreicht

Der WM-Gastgeber brillierte selten und gewann dennoch seine Gruppe. Am Samstag muss im südamerikanischen Duell gegen Chile ein Leistungssprung folgen.

Von Stefan Coerts im Estadio Mane Garrincha, Brasilia

Als Brasilien im Endspiel des Confederation Cups vor einem Jahr mit 3:0 über Spanien triumphierte, war sich die Fachwelt einig: Der WM-Titel 2014 wird über den Gastgeber führen. Ganz reibungslos läuft es bislang jedoch nicht.

Dem hart erkämpften Dreier gegen Kroatien folgte eine Nullnummer gegen Mexiko. Die Qualifikation für das Achtelfinale hing vom letzten Spiel gegen Kamerun ab. Befreite sich die Selecao mit dem 4:1 endlich vom Erwartungsdruck? Einmal mehr war Neymar der Matchwinner. Ihm blieben die entscheidenden Impulse vorbehalten, er ließ das Estadio Mane Garrincha in Brasilia beben.

"Das war unser bestes Spiel bisher", jubelte er: "Der Sieg gibt uns Ruhe, wir haben alles dafür getan, ihn uns zu verdienen." Bisweilen fehlte diese Ruhe, diese Souveränität. Auch an jenem Montagabend. Brasilien legte vom Anpfiff weg den Vorwärtsgang ein und machte früh deutlich, dass es nur in eine Richtung gehen sollte. Nach zwei Minuten hatte Luiz Gustavo die erste Chance, nach weiteren ausgelassenen Gelegenheiten löste sich in Minute 17 schließlich der Knoten: Neymar markierte die Führung. Sie sollte beruhigen, tat sie aber nicht, führte vielmehr zu verstärkter Unordnung.

Führungstor hat keine beruhigende Wirkung

Dani Alves wirkte in der Rückwärtsbewegung anfällig und wurde mehrfach überlaufen. Oscar sowie Paulinho hatten im Mittelfeld immer wieder Probleme, wenn sie unter Druck gesetzt wurden. Schalkes Joel Matip war bei einem Kopfball zunächst im Pech, als er an der Latte scheiterte. Kurze Zeit später netzte er aber zum Ausgleich ein.

Neymars individuelle Klasse brachte Brasilien noch vor der Pause neuerlich in Front. Luiz Felipe Scolari war dennoch sichtlich unzufrieden, drehte an ein paar Stellschrauben. "Es gibt ein Sprichwort: Die Natur macht keine Sprünge", sagte der Trainer. "Wir entwickeln uns langsam, von Tag zu Tag, von Spiel zu Spiel." Von Minute zu Minute.

Unter anderem brachte er Fernandinho für Paulinho in die Begegnung. Ersterer war sogleich in den Angriff involviert, den Fred zum beruhigenden 3:1 abschloss. Zugegeben, die Chance auf ein Aus der Brasilianer war vor dem Match sehr gering. Dennoch sind Spieler, Fans und vermutlich die FIFA erleichtert, dass der Gastgeber als Zugpferd weiter mit von der Partie ist. Immerhin sind mit Spanien und England zwei Ex-Weltmeister draußen. Italien oder Uruguay werden sich ebenfalls verabschieden. Das Ausscheiden eines weiteren Topfavoriten wäre schlecht für das Turnier gewesen. Dank Neymar kam es nicht dazu.

Eine weitere Steigerung muss folgen

Er trug erneut das Offensivspiel seiner Mannschaft. Er war erneut der gefährlichste Brasilianer. In Barcelona konnte er seine Kritiker nach dem spektakulären Wechsel vor einem Jahr nicht vollends überzeugen. In seiner Heimat absolviert er eine famose Endrunde. Vier Treffer hat er in drei Partien erzielt, damit steht der 22-Jährige an der Spitze der Torjägerliste.

Wenn es aber zum ganz großen Wurf, dem sechsten WM-Titel, reichen soll, müssen sich seine Kollegen steigern. Die zweite Halbzeit gegen Kamerun zeigte vielversprechende Ansätze, von seiner Topform ist der Rekordchampion jedoch ein Stück entfernt. Scolari weiß: "Wir haben uns gegenüber dem Mexiko-Spiel wieder gesteigert, und das müssen wir auch gegen Chile tun."

Im Achtelfinale bedarf es einer besseren Leistung. Besonders von Neymars blasser Gefolgschaft.

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