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Daniel Sturridge on fire: Jamaikanischer Rhythmus für Englands WM-Offensive

Er hat Ursprünge auf der lebensfrohen Reggae-Insel, verlieh den sonst eher reservierten Engländern zum Start etwas Glanz - mit einer Mischung aus Stoßstürmer und Tempodribbler.

Rio de Janeiro. Besuch in einer Favela von Rio de Janeiro. Abwechslung während der schweißtreibenden WM-Vorbereitung der englischen Nationalmannschaft in der Millionen-Metropole am Zuckerhut. Für Daniel Sturridge Gelegenheit, seine jamaikanischen Wurzeln auszuleben. Von der Karibikinsel stammen seine Großeltern, mitgegeben haben sie ihrem Enkel vor allem viel Bewegungstalent, das er und Teamkollege Danny Welbeck bei einer Capoeira-Session mit einheimischen Jugendlichen lebensfroh demonstrierten.

Rhythmisches Feingefühl, leichtfüßige Energie, Einfallsreichtum. All das eben, was die ur-brasilianische Mischung aus Kampfkunst und Tanz ausmacht - und all das, was Englands flexibel ausgerichtete Offensivreihe entgegen britischer Tradition bei dieser Weltmeisterschaft zur Genüge nachweisen kann. Der Knaller zum Auftakt gegen Italien erfrischte, wenngleich nach der 1:2-Niederlage ohne zählbaren Erfolg, und lässt im Land der Queen Hoffnung aufkeimen. Auf Angriffsfußball mit Tempo und Finesse, dessen Speerspitze der 24-jährige Sturridge bilden soll.

Stoßstürmer und Teilzeit-Flügelwaffe

Einerseits vereint er seinesgleichen suchende Ball- sowie Körperkontrolle mit rasantem Tempo, ist dadurch auch über die Flügel eine Waffe. Doch andererseits - und derlei Qualitäten sind seiner Rolle im englischen Offensivkonzept eher zuträglich - ist er Stoßstürmer mit physischer Robustheit, der unter Höchstdruck gegen Abwehr-Haudegen wie Italiens Giorgio Chiellini die Kugel behauptet. Und vor dem Tor meist eiskalt ist.

 

 

Der erste Streich gelang Sturridge gleich bei seiner Turnier-Premiere für die Three Lions, er traf in der 37. Minute nach Vorarbeit von Wayne Rooney zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Guter Laufweg, eiskalter Abschluss aus fünf Metern. Dort, im Strafraum, ist er am gefährlichsten, erzielte er in der erfolgreichen abgelaufenen Saison für den FC Liverpool doch 17 seiner 21 Treffer innerhalb der Box. Letzte Motivation hatte sich der Linksfuß am Morgen vor dem Spiel bei seiner Mutter geholt. "Ich habe per Video-Anruf mit ihr gesprochen", erzählte er der Daily Mail. Die Anweisung von Mama Sturridge aus der fernen Heimat sei schlichtweg gewesen: "Mash it up son!"

Der Sprössling gehorchte, trieb sich dabei gegen die Squadra Azzurra zumeist zentral in vorderster Front herum und wusste ein aus Wayne Rooney, Raheem Sterling sowie Danny Welbeck bestehendes Trio hinter sich. Speziell das Zusammenspiel mit Welbeck war von Harmonie geprägt, Sturridges - recht seltene - Ausweichmanöver fanden stets auf dessen rechter Seite statt. "Ich kenne Welbs schon lange. Er ist unheimlich talentiert und wird oft unterschätzt", lieferte der 13-fache A-Nationalspieler eine Erklärung für das gute Verständnis mit dem beinahe gleichaltrigen Buddy von Manchester United.

Spektakel an der Anfield Road

Im Gegensatz zu Welbeck hat Sturridge auf Klubebene eine spektakuläre Spielzeit hinter sich. Atemberaubender Tempofußball ermöglichte den Reds beinahe den ersten Meistertitel seit 1990, am Ende musste man sich knapp hinter Manchester City mit Platz zwei begnügen. Sein Anteil daran war riesig: Besagte 21 eigene Treffer, dazu sieben Assists, Traumkombinationen mit Luis Suarez, Sterling & Co. Es war Glücksgriff für den Mann mit dem inzwischen berühmten Armwellen-Jubel, im Januar 2013 für 15 Millionen Euro vom FC Chelsea an die Anfield Road zu wechseln.

Sowohl in London als auch bei Manchester City, wo er bereits als 17-Jähriger sein Premier-League-Debüt gefeiert hatte, blieb ihm zuvor der nachhaltige Durchbruch versagt. In Liverpool, an Reife gewonnen, spielt der in Birmingham geborene Torjäger seine Stärken nun effektiver aus. Großer Pluspunkt ist dabei der Sinn für das Überraschende, die geistige Frische und Unvorhersehbarkeit in Aktionen. So setzt Nationalcoach Roy Hodgson inzwischen uneingeschränkt auf Sturridge, der erst in der Schlussphase der WM-Qualifikation zu einem Schlüsselspieler avancierte - dank seiner rasanten Entwicklung.

Genesungswünsche für Suarez

Luis Suarez, kongenialer Partner beim FC Liverpool, wird für Sturridge und England nun am zweiten Gruppenspieltag (Donnerstag, ab 21 Uhr im Liveticker) mit Uruguay zum erbitterten Kontrahenten um den Achtelfinal-Einzug. Zumindest dann, wenn der Goalgetter fit ist, denn bei der überraschenden Auftaktpleite gegen Costa Rica saß Suarez 90 Minuten lang angeschlagen auf der Bank. "Wir wollen gegen das bestmögliche Team bestehen", hofft Sturridge bei rp-online inständig auf einen Einsatz seines Teamkollegen.

Gleichzeitig weist er jedoch daraufhin, dass unabhängig von Suarez' Mitwirken die Initiative von den Three Lions ausgehen soll. "Wir müssen es schaffen, dass Uruguay sich um uns Sorgen macht", fordert Sturridge. Damit sein eigenes Team frei von Sorgen brillieren kann - so wie er beim Capoeira in der Favela.

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