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Wie fit ist Cristiano Ronaldo?

Cristiano Ronaldo will gegen Deutschland unbedingt spielen. Aber wie fit ist der portugiesische Starstürmer nach seiner Verletzungspause?

Salvador. Cristiano Ronaldo laboriert an einer Knieverletzung namens Tendinose. Die Behandlung erfordert zunächst einmal vor allem Ruhe. Mit Blick auf den anstehenden WM-Auftakt gegen Deutschland ist dies sicherlich nicht das, was die Portugiesen hören möchten.

Die Fragen, wann Ronaldo sich verletzte und wann er wieder komplett fit sein wird, sind nicht so leicht zu beantworten. Gewiss scheint nur, dass er erst wieder in Topform gelangt, wenn sein Körper ausgeruht und völlig geheilt ist.

Eisbeutel am Donnerstag

Tendinose ist ein Zustand, der durch Überlastung hervorgerufen wird. Es gab also nicht die eine Aktion, bei der er sich diese Blessur zuzog. Vielmehr haben sich wahrscheinlich viele kleine Risse im Gewebe rund um die Patellasehne des 29-Jährigen gebildet. Sein Klub Real Madrid konnte es sich nicht leisten, diese in der stressigen Saison ausheilen zu lassen.

Nun hat Ronaldo in der portugiesischen Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft nur eine kleine Rolle gespielt. Seine Trainingseinheiten sind oft individuell zugeschnitten. Er sollte sich so gut es ging schonen und arbeitete oft abseits seiner Mannschaftskameraden und meist waren Mediziner an seiner Seite. Es wurde versucht, vor dem großen Spiel am Montag so wenig Druck wie möglich auf das linke Knie auszuüben.

In den vergangenen zwei Tagen wollte Ronaldo normal am Training im Lager von Campinas teilnehmen. Doch auch ein Tapeverband konnte nicht verhindern, dass er die Einheit am Donnerstag mit einem Eisbeutel am Bein nach nur 20 Minuten abbrechen musste.

Er betonte, er sei zu 99,9 Prozent fit. Ähnliches war die ganze Saison über von ihm zu hören. Der portugiesische Verband bestätigte dagegen vor wenigen Wochen, Ronaldo laboriere nicht nur an der Knieverletzung, sondern habe zudem auch Probleme an der Achillessehne. Die Kombination der beiden Blessuren führte auch dazu, dass er nicht alle Spiele für Real absolvierte.

Zwickmühle für Klub und Verband

Seine Unverwundbarkeit beginnt zu schwinden, nun da er auf die 30 zugeht. Sein Klub und sein Land sind dabei nun in einer Zwickmühle: Sie können es sich nicht leisten, ohne ihn anzutreten. Doch er benötigt dringend kurzfristig eine Pause.

Ende November zog sich Ronaldo in der zweiten Hälfte des 5:0-Siegs gegen Almeria eine Wadenverletzung zu. Er musste anschließend in der Liga gegen Valladolid und in der Champions League gegen Galatasaray zuschauen. Zuvor hatte er jedes Spiel der Blancos über 90 Minuten absolviert. In jener Phase der Saison führte er schließlich seine Seleccao in den Playoffs gegen Schweden mit zwei famosen Leistungen zur Weltmeisterschaft. Damals wollte Carlo Ancelotti auch noch „kein Risiko“ mit einem angeschlagenen Ronaldo eingehen. Dies änderte sich, als Real auch Ende der Saison noch um drei Titel kämpfte. Ronaldo spielte mehr, die Müdigkeit nahm zu und er war auch wieder verletzungsanfälliger.

Ancelotti musste leise Kritik einstecken, weil er Ronaldo im Königsklassenrückspiel gegen Schalke 04 trotz eines Fünf-Tore-Vorsprungs und eines Duells mit dem FC Barcelona kurz darauf aufbot. Spanische Medien meldeten anschließend, der Gewinner des Ballon d'Or habe während des Spiels Schmerzen gehabt und Ancelotti gab anschließend zu, Ronaldo benötige dringend eine Pause.

Aber Madrid und Ancelotti reizten ihr Glück auf der Zielgeraden der Saison weiter aus. Ronaldo musste im Champions-League-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund im Hinspiel ausgewechselt werden. Ancelotti sprach später von einer „Knieverletzung“, die später als „leichte Blessur“ bezeichnet wurde. CR7 war anschließend beim Sieg gegen Real Sociedad nur Zuschauer und am Morgen vor dem Rückspiel gegen den BVB brach er das Training humpelnd wegen Schmerzen an der Patellasehne ab.

Vier Spiele Zwangspause

Wenig später machte die linke Wade wieder Probleme und sie verhinderte, dass er beim Pokalfinale gegen den FC Barcelona auflaufen konnte. Insgesamt fehlte Ronaldo vier Partien.

Kurz vor dem Hinspiel gegen den FC Bayern im Halbfinale der Champions League bekamen die Madrilenen einen Schub: Ronaldo hatte eine Trainingseinheit ohne Beschwerden absolviert und kehrte in die Mannschaft zurück. Er spielte. Offensichtlich mangelte es ihm an Spritzigkeit nach der Zwangspause und er gab hinterher zu, er habe vor dem Spiel etwas „Angst“ gehabt.

In der Liga wurde er später gegen Valladolid nach neun Minuten wegen Muskelbeschwerden ausgewechselt werden. In jenem Spiel verabschiedete sich Real aus dem spanischen Titelrennen und der Starstürmer setzte auch in der Folge das Spiel gegen Celta Vigo aus.

Am letzten Spieltag der Saison sollte Ronaldo gegen Espanyol von Beginn an ran. Für ihn ging es noch um den Goldenen Schuh für Europas besten Torjäger. Doch er musste seinen Einsatz wegen Beschwerden nach dem Aufwärmen absagen. Ancelotti betonte, es sei eine „Vorsichtsmaßnahme“ mit Blick auf das Champions-League-Finale in Lissabon gegen Atletico Madrid gewesen.

Keine Deadline für den Superstar

Paulo Bento, Trainer der portugiesischen Nationalelf, sagte: „Durch den Austausch unserer Ärzte mit der medizinischen Abteilung Real Madrids haben wir einige Informationen zu Cristiano Ronaldo. Nach dem Champions-League-Finale am Samstag werden wir sehen, wie er die Saison zu Ende bringt und seine Fitness dann untersuchen, wenn er bei uns ist. Wenn er kommt, werden wir alles genau planen, damit er zum Start der Weltmeisterschaft in der bestmöglichen Verfassung ist.“

Ronaldo spielte das Finale und er sorgte für Schlagzeilen, als er nach seinem Elfmetertor in der Nachspielzeit mit freiem Oberkörper jubelte.

In der Woche nach dem Endspiel stieß er zu seiner Nationalelf und erneut gab es Berichte über eine Verletzung – wieder schmerzte die linke Wade. Der Verband erklärte, Ronaldo werde eine spezielle Behandlung im Trainingslager erhalten.

Bento bestätigte, Ronaldo werde im Testspiel gegen Griechenland nicht zum Einsatz kommen. Er betonte aber auch, es gebe „keine Deadline“ für die Genesung des Superstars. Auch Bento wusste, dass Überanspruchung die Hauptursache für die Probleme war. Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass er einen Plan B, für den Fall, dass Ronaldo nicht fit werde, im Kopf habe. Während die Portugiesen gegen Griechenland zu einem 0:0 kamen, trainierte Ronaldo allein und machte Übungen, um Wade und Patellasehne zu entlasten.

„Ich sollte fit sein, keine Sorge“

Während er auch das Vorbereitungsspiel gegen Mexiko in der vergangenen Woche nicht absolvieren konnte, meldete sich Florentino Perez zu Wort. Real Madrids Präsident forderte, Ronaldo solle nicht bei der WM spielen, falls er nicht völlig fit sei.

Paulo Bento gab eine weitere Wasserstandsmeldung zum Rennen gegen die Zeit ab und meinte: „Die Situation entwickelt sich und sie entwickelt sich stetig. Die Entscheidung, ob er spielt, wird von mir, dem Spieler und den Ärzten getroffen.“

Am Sonntag vor dem Test gegen Irland trainiert er wieder mit seinen Mitspielern und Mannschaftskamerad Vieirinha frohlockte, Ronaldos Rückkehr sei „das Beste“ gewesen, „das in den letzten tagen passieren konnte.“ Ronaldo ließ einen überzeugenden Auftritt gegen die Iren folgen und durfte nach 60 Minuten pausieren.

Der Times of India sagte er: „Ich trainiere gut und befolge die Ratschläge der Ärzte. Die Fortschritte sind ermutigend und ich fühle mich jeden Tage besser. Du musst dort ankommen und voll auf der Höhe sein. Körperlich und mental. Ich sollte dort völlig fit sein, keine Sorge.“

Doch dann kam der Rückschlag beim Training mit dem Eisbeutel am Donnerstag.

Bento weiß um die Bedeutung, die sein angeschlagener Kapitän für die den deutschen Gruppengegner hat. Dennoch sollte er seinen Plan B griffbereit haben. Flügelspieler Nani hat bereits angekündigt, er könne in die Bresche springen. Das könnte durchaus passieren, denn was Ronaldo braucht, ist weniger Erwartungen einer Nation auf seinen Schultern, sondern mehr Zeit zum Durchatmen.

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