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Karim Benzema: In ungewohnter Rolle endlich zum Durchbruch in der Nationalmannschaft?

Die Franzosen warten seit Jahren darauf, dass Karim Benzema im Nationaltrikot endlich den Durchbruch schafft. Nun könnte es soweit sein.

Porto Alegre. Es mag merkwürdig klingen, aber vor einer Woche war Karim Benzema für Frankreichs WM-Auftakt gegen Honduras kein fixer Kandidat für die Startelf

Selbst nach dem verletzungsbedingten Aus Franck Riberys sah es so aus, als blieb dem Stürmer von Real Madrid zunächst nur die Rolle des Edeljokers. Denn Trainer Didier Deschamps war begeistert von den Leistungen des jungen Antoine Griezmann auf dem linken Flügel. Doch dann legte Benzema, der bislang im Dress seiner Nationalelf stets versagte, wenn es drauf ankam, eine furiose Vorstellung im Test gegen Jamaika hin. Nun bekommt er eine weitere Chance, endlich auch für Les Bleus eine echte Größe zu werden. Es könnte seine Letzte sein!

Giroud sammelte Pluspunkte

Benzema war zunächst ein Opfer des Erfolgs seines Vereins: Weil er mit Real das Champions-League-Finale bestritt, verpasste er die beiden ersten französischen Testspiele der Vorbereitung. Benzema musste mitansehen, wie sein Konkurrent im Sturmzentrum, Olivier Giroud, Pluspunkte sammelte. Giroud ist eine glänzende Anspielstation und kann Bälle gut prallen lassen. Fähigkeiten, die nicht unbedingt zu Benzemas Stärken gehören.

Als der 26-Jährige dann endlich fit bei seiner Mannschaft war, hielt Deschamps an Giroud als Stoßstürmer fest. Benzema rückte gegen Jamaika auf die linke Seite und der Trainer könnte damit einen genialen Schachzug getätigt haben.

Benzemas Rolle ist dabei nur auf dem Papier die eines Flügelspielers. In Wirklichkeit wechselte er ständig seine Position, tauchte rechts, in der Mitte und auch im Mittelfeld auf. Sicher, die Defensive der Mannschaft aus der Karibik war schwach, doch es kann kein Zweifel an der enormen Offensivstärke Frankreichs bestehen.

Ribery interpretiert seine Rolle bei der Nationalelf sehr orthodox. Benzema zog dagegen immer wieder in die Mitte und die Art und Weise, mit der er mit Giroud kombinierte dürfte Deschamps ziemlich gefallen haben. Der Ex-Stürmer von Olympique Lyon erzielte am Ende nicht nur zwei sehenswerte Treffer, sondern er sprühte auch vor Kreativität und legte drei weitere Tore auf.

Matchwinner oder Totalausfall

Seine Kombinationsfreude ist aus französischer Sicht besonders ermutigend, weil ihm genau diese oft abging, wenn er im Sturmzentrum randurfte. Durch Benzemas neue Lust am Flügelspiel ist er nicht nur für die gegnerischen Abwehrspieler schwieriger zu bewachen, er öffnet zudem Räume für Mathieu Valbuena, Frankreichs besten Spieler 2014. Dass Olympique Marseilles Spielgestalter nun mehr Freiheiten genießt, ist ein nettes Nebenprodukt.

Lange Zeit war es schwierig, den richtigen Platz für Benzema in der Nationalmannschaft zu finden. Nun, unter Deschamps erlebt er seine bislang beste Phase im französischen Dress. Sechs Tore markierte er in den letzten sechs Partien. Deschamps hat nun den Luxus, trotz des Ribery-Fehlens über viele verschiedene Optionen und Waffen in der Offensive zu verfügen.

Benzema ist ein Stürmer mit zwei Gesichtern: Er kann außergewöhnliche Leistungen bringen und Spiele im Alleingang entscheiden. Ist er aber nicht gut drauf, dann wird er schnell zum Totalausfall. Letzteres war häufig der Fall, wenn er das Trikot der Equipe Tricolore übergestreift hatte. 21 Treffer in 66 Länderspielen stehen für ihn zu Buche - keine sonderlich gute Ausbeute für einen Stürmer seines Talents.

Benzema als Sinnbild für Frankreichs Nationalteam

Die Probleme des Madrilenen spiegeln auch die Schwankungen des gesamten Teams in den letzten Jahren wieder. Er debütierte als hochveranlagter Teenager im März 2007 für die A-Elf und traf auch sofort in der EM-Qualifikation gegen Österreich. Sein Potenzial wurde nie in Frage gestellt, doch selten wurde es ausgeschöpft. Genauso, wie bei der Nationalmannschaft der Grande Nation.

Für eine ganze Generation bei den Franzosen gibt es kein Zurück mehr. Benzema hat allerdings die Chance auf Wiedergutmachung. Sie mag in ungewohnter Form einer Rolle als Flügelspieler daher kommen. Aber er muss sie nutzen um in den Pantheon französischer Helden aufgenommen zu werden. Ein Ziel, dass er seit knapp einem Jahrzehnt verfolgt.

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