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Trainerdiskussion beim HSV: Der Aufsichtsrat muss sich zurückhalten

Kurz vor dem Trainingsstart am 18. Juni wird Thomas Tuchel zum Spekulationsobjekt in der Hamburger Medienlandschaft. Eine gefährliche Diskussion nach der Reform-Euphorie.

Hamburg. Noch ist er nicht offiziell im Amt: Karl Gernandt, 53, wird erst am 1. Juli Aufsichtsratschef des Hamburger SV. Schon jetzt steht der Wirtschaftsmanager und enge Vertraute von Geldgeber Klaus-Michael Kühne im besonderen Fokus der Öffentlichkeit. Gernandt hat mit mehreren Interviews eine Welle von Spekulationen ausgelöst. Die öffentliche Debatte wäre jedoch vermeidbar gewesen. Mit der Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer als neuen Vorsitzenden der HSV Fußball AG war seine Arbeit getan und das Versprechen eingehalten. Dennoch sah sich Gernandt dazu berufen in den Medien zu unterschiedlichen Themen Stellung zu beziehen, obwohl diese nicht in seinen Verantwortungsbereich fallen.

Vermeintlich harmlose und inhaltlich nachvollziehbare Sätze haben in Hamburg eine Trainerdiskussion in Gang gesetzt. "Wenn man nicht die gleichen Ziele hat, muss man den Mut haben und Entscheidungen treffen. Der Trainer gehört wie der Sportchef und der Nachwuchsleiter zum Kernteam. Wir wollen einen ganz neuen HSV. Es ist eine schwebende Diskussion", sagte Gernandt nach der Verpflichtung Beiersdorfers am vergangenen Mittwoch.

Bislang galt Mirko Slomka in der öffentlichen Wahrnehmung als gesetzt. Der 46-jährige Cheftrainer hatte den kriselnden Klub erst im März übernommen und einen langfristigen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Zudem wurde kurz nach der Mitgliederversammlung Ende Mai die Verpflichtung seines Wunschspielers Zoltan Stieber bekannt gegeben.

Auch im Trainerteam hatte Slomka Veränderungen angestoßen. Co-Trainer Roger Stilz wurde wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Trainingsmethoden entlassen und durch Zlatan Bajramovic ersetzt. Der Bosnier spielte beim FC Schalke 04 unter Slomka und gilt ebenso wie der neue Team-Manager Thomas Westphal als enger Vertrauter.

Slomka vor dem Aus?

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass diese Veränderungen mit der designierten Führung nicht abgestimmt waren. Zum Transfer von Stieber sagte Gernandt: "Es ist richtig, dass der Deal von unserer Seite aus so nicht eingefädelt worden wäre.“ Anschließend war von einem „Transferstopp“ für Sportchef Oliver Kreuzer die Rede.

Im Umfeld des Hamburger SV wird Gernandts Medienpräsenz kritisch gesehen. Es zeigt sich, dass dem 53-Jährigen das Fingerspitzengefühl im Umgang mit der hochsensiblen Medienwelt im Fußballgeschäft fehlt. Aufgrund seiner Statements sehen viele Slomka als angeschossen. Auch über Nachfolger wird bereits kontrovers diskutiert.

Angeblich haben die Macher von HSVPlus nach Informationen der Hamburger Morgenpost zu Beginn der Rückrunde mit Thomas Tuchel verhandelt und ihm einen langfristigen Vertrag in Aussicht gestellt. Sein Management dementiert zwar – die durch Gernandts Äußerungen angestoßene Diskussion ist allerdings nicht beendet. Der Aufsichtsrat wird sich in Zurückhaltung üben müssen, zu Themen schweigen, die nicht in seinen Verantwortungsbereich fallen. Andernfalls kann die euphorische Stimmung nach dem Wahl-Sieg der Reforminitiative schnell ins Negative kippen.

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