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Teamcheck: Deutschland in Schlagdistanz

Die WM-Endrunde in Brasilien steht unmittelbar bevor. Goal liefert Euch ein letztes Update über die Vorbereitung der Teams vor dem Turnierstart.

Berlin. Es ist endlich soweit! Am Donnerstagabend eröffnen Gastgeber Brasilien und Kroatien (22 Uhr im LIVE-TICKER bei Goal) die Weltmeisterschaft. Insgesamt machen sich 32 Nationen auf die Jagd nach der begehrten Goldstatue. Bislang war es stets europäischen Mannschaften vorbehalten, auf dem südamerikanischen Kontinent zu triumphieren. Ob sich das in diesem Jahr ändert, wird man spätestens beim Endspiel am 13. Juli erfahren. Vorab verrät Euch Goal, wie die einzelnen Teams unmittelbar vor dem Startschuss in Form sind.

32. IRAN

Die vierte Endrunde steht für das Team von Carlos Queiroz an, noch kam man über die Vorrunde hinaus. Auch diesmal wäre wohl jeder Punkt ein Erfolg. In der Qualifikation setzte man sich vor Südkorea durch. Die bekanntesten Gesichter aus deutscher Sicht sind Ashkan Dejagah, ehemals Wolfsburg, und Braunschweigs Daniel Davari. Jedenfalls verliefen die letzten Tests erfolgreich. Sowohl gegen Montenegro (0:0) als auch gegen Angola (1:1) sowie Trinidad und Tobago (2:0) blieb man ungeschlagen.
 

31. ALGERIEN

Auch für die "Wüstenfüchse", die bislang nie über die Vorrunde hinauskamen, ist es ist die vierte WM-Teilnahme. 2010 in Südafrika gelang nicht mal ein Tor, das soll sich nun ändern. In der Quali setzte man sich letztlich problemlos gegen Burkina Faso durch. Star der Mannschaft ist Sofiane Feghouli vom FC Valencia, auch die Talente Saphir Taider sowie Ishak Belfoldil, die beide in Italien spielen, wecken Hoffnungen bei den Nordafrikanern. Das Erreichen der K.o.-Runde wäre dennoch eine echte Sensation. Ein 3:1 gegen Armenien, vor allem aber das 2:1 gegen Rumänien im Vorfeld zeigt die aktuell gute Form.
 

30. AUSTRALIEN

Die "Socceroos" entließen nach einer knappen WM-Qualifikation und zwei 0:6-Pleiten gegen Frankreich und Brasilien den deutschen Coach Holger Osieck. Nun ist ein Australier im Amt: Ange Postecoglou hat die undankbare Aufgabe, mit Spanien, Chile und den Niederlanden um ein Weiterkommen in der Gruppe zu rittern – mehr Underdog geht kaum. Aus einer blutjungen Truppe kennt man BVB-Keeper Mitch Langerak, Tim Cahill, den Star des Teams, oder Mathew Leckie vom FSV Frankfurt. Ein Test gegen Ecuador bot ein unterhaltsames 3:4, Kanada und Costa Rica wurden zuvor knapp bezwungen. Gegen Südafrika (1:1) und Kroatien (0:1) blieben Erfolgserlebnisse aus.
 

29. SÜDKOREA 

Das Team hat eine schwache Qualifikation hinter sich, in deren Anschluss Choi Kang-Hee zurücktrat. Hong Myung-Bo, ehemaliger Kapitän der Auswahl, übernahm und hatte nur ein Jahr zur Vorbereitung. In Südkorea steht er in der Kritik, da er, der die Olympiamannschaft des Landes 2012 zu Bronze führte, angeblich Profis bevorzuge, mit denen er damals gearbeitet hat und Akteure aus der K-League ignoriere. Korea hat Probleme in der Offensive, der als Star vorgesehene Arsenal-Spieler Park Chu-Young hat nicht einmal bei der Leihstation Watford regelmäßig gespielt. Im Land hofft man jedoch, dass sich das Team wie so oft als Einheit präsentiert. Davon war zuletzt wenig zu sehen. Gegen Tunesien (0:1) und allen voran Ghana (0:4) präsentierte man sich völlig außer Form.
 

28. COSTA RICA

In der Qualifikation stand am Ende ein starker zweiter Rang vor Mexiko, das man im abschließenden Spiel schlagen konnte. Danach lief es jedoch nicht mehr so richtig: Im Januar gab es nacheinander in den Freundschaftsspielen gegen Australien, Chile und Südkorea drei Niederlagen. Everton-Linksverteidiger Bryan Oviedo fällt mit Beinbruch ebenso aus wie die weiteren Leistungsträger Alvaro Saborio (Mittelfußbruch) und Heiner Mora (Achillessehnenriss). Immerhin sind im Angriff die Stars Bryan Ruiz (PSV) und Joel Campbell (Olympiakos) in guter Form. Alleine im Vorfeld der Endrunde konnten sie es gegen Japan (1:3) und Irland (1:1) noch nicht gänzlich auf die Nationalmannschaft übertragen.
 

27. HONDURAS

In Florida hat man sich auf die klimatischen Bedingungen vorbereitet. Vergangenen November erhielten "Los Catrachos" von Brasilien eine 5:0-Lehrstunde, konnten jedoch mit einem 2:2 gegen Gruppengegner Ecuador wieder Selbstvertrauen tanken. Würde es in der Vorrunde, in der man gegen die Schweiz und Frankreich antritt, zu Platz zwei reichen, wäre es ein grandioser Erfolg. Die letzten Tests gegen die Türkei (0:2) sowie Israel (2:4) verliefen zunächst wenig erfolgreich. Bei der Generalprobe gegen England (0:0) schlug man sich beachtlich.
 

26. ECUADOR

Der tragische Tod von Stürmer Christian "Chucho" Benitez im Juli 2013 hat zusammengeschweißt. Wer weiß, ob das Team von Reinaldo Ruera eine Überraschung in der Gruppe mit Frankreich, der Schweiz und Honduras sein kann? Die Vorbereitung verlief durchwachsen: Gegen Mexiko verlor man nicht nur die Partie mit 1:3, sondern auch Mittelfeldspieler Segundo Castillo (Knieverletzung), für ihn wurde Oswaldo Minda nachnominiert. Die Spiele gegen die Niederlande (1:1) und England (2:2) dürfen als Erfolg verbucht werden. Ob Christian Noboa zum ersten WM-Spiel fit wird, bleibt aufgrund einer Muskelverletzung im rechten Bein abzuwarten. Eine Außenseiterchance hat man in der Gruppe allemal - und sei es nur aufgrund der klimatischen Bedingungen.
 

25. MEXIKO 

"El Tri", Stammgast bei Weltmeisterschaften, wäre diesmal fast in der Qualifikation gescheitert und musste dann in die Playoffs, wo man sich gegen Neuseeland durchsetzte. Trotz gigantischem Interesse in der Heimat scheint es nicht das Turnier der Mexikaner zu werden. Star "Chicharito" ist seit geraumer Zeit kein Stammspieler mehr bei ManUnited. Nach drei ungeschlagenen Testspielen keimte Hoffnung auf, ehe diese mit knappen Niederlagen gegen Bosnien-Herzegowina und Portugal im Keim erstickt wurde. Mit Brasilien, Kamerun und Kroatien hat man zudem einen recht schweren Pool erwischt, ein Weiterkommen wäre ein Erfolg.
 

24. NIGERIA

Stars satt kann Afrikas erfolgreichstes Team der letzten Jahrzehnte aufbieten: Mit Victor Moses, John Obi Mikel sowie Emmanuel Emenike hat man europäisches Top-Niveau in der Offensive. Da konnte man es sich gar leisten, Villarreals Ikechukwu Uche nicht einzuberufen. Rekord-Nationalspieler Joseph Yobo ist Kapitän, soll die Abwehr zusammenhalten und das junge Team Erfahrung führen. Verletzungssorgen plagen die Afrikaner vor dem Turnier keine, einzig die aktuelle Form bereitet Sorgen: Die Spiele gegen Schottland (2:2), Griechenland (0:0) und die USA (1:2) werden wohl kaum für Rückenwind gesorgt haben.
 

23. USA

Jürgen Klinsmanns Truppe hat in der Abwehr Probleme: Nicht eine der berufenen Defensivkräfte hat Erfahrung bei einer WM-Endrunde. Zudem hat Stürmer Jozy Altidore eine schwache Saison mit Sunderland hinter sich, indes wusste Clint Dempsey zu überzeugen. Obwohl er vergangenen Sommer in die MLS wechselte, statt sich der besseren Konkurrenz in der Premier League zu stellen. Rekordspieler Landon Donovan wurde nicht nominiert, was für mediale Schlagzeilen sorgte. Insgesamt hat man mit Deutschland, Portugal und Ghana eine harte Auslosung erwischt, weshalb schon das Achtelfinale überraschend wäre. Die drei Siege in der Vorbereitung – unter anderem gegen Nigeria und die Türkei – lassen dennoch auf eine erfolgreiche WM hoffen.
 

22. JAPAN

Im Land der aufgehenden Sonne erwartet man sehr viel von seinem Nationalteam, das zu kämpfen hat: Gerade einmal drei Spieler aus der zu erwartenden ersten Elf erlebten eine gute Spielzeit: Torhüter Eiji Kawashima, Linksverteidiger Yuto Nagatomo und Mainz-Knipser Shinji Okazaki. Der Rest schlug sich mit Formschwankungen, Verletzungen oder schlicht einer Saison zum Vergessen herum, so wie Shinji Kagawa in Manchester. Die einst so starke Abwehr macht Sorgen. Doch auch im Vorfeld der letzten WM waren die Vorzeichen schlecht, dann erreichte man das Achtelfinale. In diesem Jahr machen zumindest die drei Testspielsiege Mut. Einzig die angeschlagenen Makoto Hasebe (Blessur) und Okazaki (Fieber) bereiteten zuletzt Kopfzerbrechen. Zum WM-Auftakt sollten beide aber wieder fit sein.
 

21. GRIECHENLAND

Neben dem überraschenden EM-Sieg 2004 unter Otto Rehhagel konnte Griechenland international nicht für Aufsehen sorgen: Bei der nunmehr dritten WM-Teilnahme wartet man noch immer auf ein Erreichen der K.o.-Runde. Starstürmer Kostas Mitroglou, der vor einigen Monaten verletzt zu Fulham wechselte, stieg ab. Inzwischen ist er kuriert, dürfte aber seine Form verloren haben. Sokratis spielte gigantisch für den BVB. Auch sonst ist das Team reich an Erfahrung, aber in der Tiefe nicht richtig stark. Die Form ist durchwachsen, gegen Südkorea verlor man zuletzt 0:2, gegen Portugal und Nigeria (je 0:0) schlug man sich akzeptabel. Zum Abschluss gab es ein 2:1 gegen Bolivien. Mit Japan, Kolumbien und der Elfenbeinküste hat man Gruppengegner auf Augenhöhe, es wird auf Kleinigkeiten ankommen.
 

20. KAMERUN

Volker Finke kann auf einen international erfahrenen Kader zurückgreifen, unter anderem sind aus der Bundesliga Joel Matip und Shootingstar Eric Maxim Choupo-Moting dabei. Unumstritten ist natürlich Samuel Eto'o, wenn auch er nicht mehr der Allerjüngste ist, steht und fällt das Spiel mit ihm. Ein 1:5 gegen Portugal Anfang März war ein echter Schuss vor den Bug. Unmittelbar vor der WM zeigte man sich trotz des Prämienstreits mit Kameruns Verband beim 2:2 gegen Deutschland gut aufgelegt, allen voran Choupo-Moting unterstrich seine Hochform. Zudem gelang bei der Generalprobe gegen Moldawien ein 1:0-Sieg.
 

19. ELFENBEINKÜSTE

Ein echtes Staraufgebot: Neben Didier Drogba kicken mit Yaya Toure, Bruder Kolo, Seydou Doumbia und Wilfried Bony absolute Schwergewichte im europäischen Vereinsfußball für die Elefanten, auch Buli-Kicker Arthur Boka und Constant Djakpa sind dabei. Die Qualifikation verlief beschwerlich, erst in der Nachspielzeit erlöste Salomon Kalou das Team im Rückspiel gegen den Senegal. Gegen Belgien spielte man zuletzt 2:2, Bosnien-Herzegowina (1:2) erwies sich als zu stark. Der 2:1-Erfolg über El Salvador zum Abschluss der Testspielreihe sorgte immerhin für ein positives Gefühl vor dem Start gegen Japan.
 

18. RUSSLAND

Bevor man 2018 selbst eine WM ausrichtet, möchte Russland erstmals in der nachsowjetischen Zeit gern die Vorrunde überstehen, was bisher nicht gelang. Fabio Capellos Team qualifizierte sich glatt und direkt für die Endrunde – noch vor Portugal. Auf dem Papier verlief selbst die Vorbereitung planmäßig: Slowakei (1:0) und Marokko (2:0) wurden besiegt, von Norwegen trennte man sich 1:1. Spielerisch lag indes einiges im Argen. Dennoch will die Sbornaja in der Gruppe mit Belgien, Algerien und Südkorea diesmal unbedingt ins Achtelfinale. Diese Aufgabe wird man ohne Roman Shirokov bewältigen müssen. Der Kapitän fällt mit einer Knieverletzung aus und muss sich einer Operation unterziehen. Für ihn rückte Pawel Mogilewez in den Kader.
 

17. BOSNIEN-HERZEGOWINA

Das Land steht vor der ersten WM-Teilnahme und ist damit einziger Neuling in Brasilien. In der Quali konnte man den direkten Weg zur WM gehen, vor Griechenland, das man auch in den direkten Duellen im Griff hatte. Eine Mannschaft mit vielen talentierten Spielern rund um die Stars Edin Dzeko und Miralem Pjanic, rechnet sich gegen Argentinien, Iran und Nigeria durchaus Chancen auf die K.o.-Runde aus. Die Ergebnisse gegen die Elfenbeinküste (2:1) und Mexiko (1:0) untermauern diese Ambitionen. Bosnien-Herzegowina wird zurecht als gefährlicher Underdog gehandelt.
 

16. SCHWEIZ

Ottmar Hitzfeld macht nach der WM Schluss, seine Schweizer werden ihm einen Abgang nach Maß bescheren wollen. Das wäre sicher ein Überstehen der Gruppenphase, wo man es mit Frankreich, Honduras und Ecuador nicht allzu hart erwischt hat. Aus der Bundesliga haben sich Josep Drmic, Granit Xhaka, Admir Mehmedi oder Ricardo Rodriguez hervorgetan und könnten zusammen mit Valentin Stocker, Juves Fabian Lichtsteiner und Bayern-Star Xherdan Shaqiri eine interessante Mannschaft auf den Platz bringen. Letzten August bezwang man Brasilien, erreichte zuletzt ein 2:2 gegen Kroatien. Die Tests gegen Jamaica (1:0) und Peru (2:0) sollten für den Feinschliff gesorgt haben, die K.o.-Runde ist allemal drin.
 

15. GHANA

Die Euphorie im Land der Black Stars ist riesig: Nach dem Achtelfinale 2006 kam Deutschlands Gruppengegner vier Jahre später noch eine Runde weiter, diesmal soll es das Halbfinale werden. Grund zu dieser Erwartungshaltung ist die Tatsache, dass es einfach läuft. Torjäger Asamoah Gyan trifft seit seinem Wechsel zu Al Ain wieder, wie er möchte, die Qualifikation war ein einziger Siegeszug. Zudem kann man wieder auf Kevin-Prince Boateng zählen, hat mit Jungstar Christian Atsu einen weiteren Top-Angreifer dazubekommen, der, von Chelsea an Vitesse Arnheim ausgeliehen, dort sofort Spieler der Saison wurde. Coach Kwesi Appiah hat sich von einigen Routiniers getrennt und junge Spieler dazu geholt. Gegen die Niederlande (0:1) schlug man sich im Vorfeld wacker, das 4:0 gegen Südkorea war ein Warnschuss an die Konkurrenz. Verläuft der Formaufbau weiter so erfolgreich, könnte es einen erstaunlich offenen Kampf um das Weiterkommen in der Gruppe G geben.
 

14. KROATIEN

Ein Team voller Spitzenspieler, die größtenteils auch noch recht gut drauf sind: Kroatien kann für viele Mannschaften ein sehr unangenehmer Gegner sein. Nach der etwas holprigen Qualifikation über die Playoffs, wo man sich eher knapp gegen Island durchsetzte, brennt man nun auf die Kür in Brasilien. Mit Luka Modric, Mario Mandzukic, Ivan Rakitic und Dario Srna bieten reichlich Möglichkeiten, dazu der junge Spielmacher Mateo Kovacic, der bei Inter Mailand überzeugt – die "Feurigen" können eine komplette und technisch exzellente, dabei kampfstarke erste Elf aufbieten. In der Gruppe hat man neben Brasilien mit Sicherheit die besten Karten auf ein Weiterkommen. Die Form ließen Niko Kovac' Mannen mit Erfolgen gegen Mali (2:1) und Australien (1:0) zum Teil schon erahnen. Für Milan Badelj hat es kurzfristig noch zu einem Platz im Kader gereicht. Nach dem Ausfall von Ivan Mocinic (Knöchel) wurde der HSV-Akteur nachnominiert.
 

13. ENGLAND 

Die "Three Lions" verfügen über einen interessanten Mix aus Erfahrung und jungen Wilden, müssen aber ohne Theo Walcott auskommen. Nach der Begeisterung über die direkte Quali folgten Rückschläge gegen Chile und Deutschland, dazu ein schmeichelhafter Sieg über Dänemark. Roy Hodgson verzichtete trotz alledem auf die Routiniers Ashley Cole, John Terry und Rio Ferdinand, stattdessen ist Southamptons Shootingstar Luke Shaw dabei, dazu Youngster Raheem Sterling. Vor Turnierbeginn bereitet Steven Gerrard die Leiste Probleme, Danny Welbleck brach das Training zuletzt mit Oberschenkelproblemen ab. Zumindest beim Kapitän kann man von einem Einsatz gegen Italien ausgehen. Aufatmen gab es bei Alex Oxlade-Chamberlain, der nach einen Innenbandverletzung im Knie grünes Licht gab. Man hofft auf die K.o.-Runde, doch in England ist man realistisch und weiß um die komplizierten Bedingungen im Dschungel Manaus – und das bei Gruppengegnern wie Italien, Uruguay und Costa Rica. Die Vorbereitung lief mit einem 3:0 gegen Peru und Remis gegen Ecuador als auch Honduras durchwachsen.
 

12. URUGUAY 

Ein Geheimfavorit in der Todesgruppe: Das mit Stars gespickte Team hofft, in Brasilien weit zu kommen, bangt jedoch um Luis Suarez, der sich jüngst einem Eingriff am Meniskus unterziehen musste, aber wohl rechtzeitig fit wird. Dazu hat es natürlich mit Edinson Cavani und Diego Forlan großartige Stürmer, lediglich die Abwehr mit Atleticos Godin und Diego Lugano innen ist nicht die schnellste und kassierte in 16 Qualispielen 25 Tore – auch ein Grund, warum man in die Playoffs gegen Jordanien musste. Sebastian Coates von Liverpool, gerade von einem Kreuzbandriss genesen, soll Abhilfe schaffen. La Celeste muss gegen Costa Rica, England und Italien ran, im Test gegen Österreich gab es ein 1:1, gegen Nordirland (1:0) und Slowenien (2:0) zeigte die Formkurve nach oben.
 

11. CHILE 

Nicht erst seit der energiegeladenen Vorstellung im Test gegen Deutschland im März weiß man hierzulande um Chiles Fähigkeiten. War Brasilien als Achtelfinalgegner in Südafrika ein zu hohe Hürde, will man bei der neunten Teilnahme mindestens einen Schritt weiter. Dritter war Chile hinter Argentinien und Kolumbien in der Quali. Mit Spielern wie Alexis Sanchez und Arturo Vidal, dessen Einsatz wegen einer Entzündung im Knie nach einer OP weiter unsicher ist, ist man stets gefährlich und wird sich in Gruppe B mit Spanien und den Niederlanden eine harte Auseinandersetzung liefern. Nach Siegen gegen Ägypten (3:2) und Nordirland (2:0) stimmt die Verfassung des Teams jedenfalls.
 

10. KOLUMBIEN

Trotz Verlusts von Radamel Falcao ist man in Kolumbien voller Vorfreude auf die erste WM-Teilnahme seit 1998: Eine beeindruckende Qualifikation und die Tatsache, dass das Turnier im benachbarten Brasilien stattfindet, schüren auch die Erwartungen – dazu die machbare Gruppe mit Griechenland, Japan und der Elfenbeinküste. Auch ohne Superstar Falcao, der nach Kreuzbandriss noch nicht wieder fit ist, ist die Offensive mit Carlos Bacca, Jackson Martinez sowie dem Neu-Dortmunder Adrian Ramos erstklassig besetzt. Kolumbien ist absolut ernst zu nehmen, zumal auch die Vorbereitung gegen Senegal (2:2) und Jordanien (3:0) ordentlich verlief.
 

9. FRANKREICH 

Die "Grande Nation" hofft auf ein starkes Turnier: Der Schock nach dem WM-Aus von Franck Ribery (Rücken) saß tief, wurde aber beim 8:0-Kantersieg gegen Jamaika aus den Knochen geschüttelt. Auch Torwart Mandanda (Gebrochener Rückenwirbel) und Clement Grenier (Muskelfaserris) sind nicht mit am Start. Loic Remy sollte trotz Trainingsrückstand eine Alternative sein. Die Mannschaft verfügt weiterhin über genügend Qualität, um es in Brasilien weit zu bringen. Die weiteren erfolgreichen Tests gegen Norwegen (4:0) und Paraguay (1:1) ließen die Hoffnungen steigen. Die Erwartungen im eigenen Land sind nicht gering.
 

8. NIEDERLANDE 

Unter dem baldigen ManUnited-Coach Louis van Gaal will Oranje die schwache letzte EM vergessen machen und legte eine blitzsaubere Qualifikation hin. Mit Robin van Persie, Arjen Robben, Dirk Kuyt sowie einem laut van Gaal sehr fitten Wesley Sneijder wurde dem jungen Team Erfahrung an die Seite gestellt – Rafael van der Vaart reiste frühzeitig verletzt ab. In der Testspielserie steigerte man sich von Spiel zu Spiel: Einem Unentschieden gegen Ecuador folgten Erfolge gegen Ghana und Wales. Die Oranje befinden sich in einer Übergangsphase, doch die K.o.-Runde ist immer möglich, die Gruppe mit Spanien und Chile jedoch sehr schwer.
 

7. BELGIEN 

Belgien wird von vielen als der Geheimfavorit schlechthin gepriesen. Christian Benteke fällt mit Achillessehnenriss aus, Romelu Lukaku hat sich zwar inzwischen zu einem tollen Stürmer entwickelt, sorgte allerdings im letzten Test gegen Tunesien (1:0) für stockenden Atem, als er mit einem Bluterguss vom Platz musste – inzwischen gab es Entwarnung. Hinter ihm bliebe nur noch Youngster Origi von OSC Lille als einzige Alternative. Auf fast allen anderen Positionen ist jedoch eine gesunde Auswahl an Topakteuren vorhanden, der es einzig noch etwas an Erfahrung fehlt. Das 2:0 gegen Schweden sollte das Selbstvertrauen nochmals gestärkt haben. Gegen Luxemburg gab es zuvor ein 5:1. Die Gruppe mit Algerien, Russland und Südkorea ist durchaus machbar, was letztlich möglich ist, wird sich zeigen – es könnte einiges sein.
 

6. PORTUGAL

Auf der CR7-Welle will Portugal in Brasilien ganz weit kommen, auch wenn es die Auslosung nicht gut meinte mit den Iberern. An den Treffern des Real-Stars, der sein Land schon in den Playoffs gegen Schweden rettete, wird natürlich im Turnier viel hängen. Lange Zeit war ungewiss, ob es beim Weltfußballer überhaupt für einen Einsatz zum WM-Auftakt gegen Deutschland reichen würde. Nach Oberschenkel- und Knieproblemen hielt Ronaldo jedoch bei der Generalprobe gegen Irland (5:1) 65 Minuten lang durch. Die Euphorie ist deshalb groß. Davor kam man gegen Griechenland nicht über ein torloses Remis hinaus, gegen Mexiko folgte ein knapper 1:0-Sieg. Das Abschneiden Portugals wird in erster Linie von Ronaldo und seiner Fitness abhängen.
 

5. ITALIEN

Wie so häufig ist schwer zu sagen, was von Italien zu erwarten ist. Sie gehören irgendwie immer zum Favoritenkreis. Unklar auch, ob Prandelli, der gerade seinen Vertrag verlängert hat, hinten auf eine Dreier- oder Viererkette setzen wird. Im Mittelfeld sind die Sorgen noch am geringsten und die Qualität hoch, vorne hoffen alle auf Mario Balotelli und nach Giuseppe Rossis Heimreise auf den Neu-Dortmunder Ciro Immobile. Die schwere Verletzung von Riccarco Montolivo (Schienbeinbruch) trübte die Vorbereitung. In der "Todesgruppe" mit England und Uruguay wird es schwer, spätestens im Viertelfinale würden wohl Brasilien, Spanien oder die Niederlande warten. Die Vorbereitung verlief nicht nach Plan: Nach Unentschieden gegen Irland und Luxemburg wusste man gegen Fluminense (5:3) offensiv zu überzeugen, doch Italien ist und bleibt eine Turnier-Mannschaft.
 

4. SPANIEN 

Der Titelverteidiger – zuletzt ein ewiger Favorit, der seiner Rolle gerecht wurde. In der Qualifikation blieb die Seleccion ungeschlagen, Italien bezwang man im März mit 1:0, im Confed-Cup-Finale gab es gleichwohl die deutliche Niederlage gegen Brasilien. Im eigenen Land rechnet man ohnehin nicht wirklich damit, erneut das Turnier zu gewinnen, überdies schwächelten die Barca-Stars zuletzt, während die Madrid-Fraktion im CL-Finale aufeinandertraf, also in einer langen Saison so gut wie alle Spiele bestritt. Die Fragezeichen hinter Diego Costas Genesung gehören der Vergangenheit an, inwiefern er seine Form konservieren konnte, bleibt offen. Insgesamt bleibt die "Furia Roja" natürlich ein Anwärter auf den Titel, hat unheimliches Potenzial in der Offensive, auch wenn die Voraussetzungen schon günstiger waren. Zumal man mit den Niederlanden und den starken Chilenen komplizierte Gruppengegner erwischt hat. Die Testspiele gegen Bolivien und El Salvador (je 2:0) hat die Mannschaft genutzt, um sich für die Endrunde einzuspielen.
 

3. DEUTSCHLAND

Tief stapeln viele Fans gerade angesichts der vielen Verletzungsprobleme im deutschen Team. Der größte Verlust ist  der von Marco Reus, der im Test gegen Armenien (6:1) einen Teilriss des Syndesmosebandes erlitt – Shkodran Mustafi rückte in den Kader. Der in Topform spielende Dortmunder ist schwer zu ersetzen, Sami Khedira nach Kreuzbandriss zwangsläufig noch nicht auf dem gewohnten Level. Viel hängt an einer gut funktionierende Defensive – beim Prunkstück Offensive gilt es die richtige Mischung zu finden. Dank Lukas Podolski, Thomas Müller, Mario Götze, Mesut Özil, Toni Kroos oder Andre Schürrle hat Joachim Löw die Qual der Wahl. Der angeschlagene Bayern-Block aus Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer hat seine Verletzungen überstanden. Ob Miro Klose als einziger erfahrener Stürmer in Brasilien zu seiner üblichen Turnierform findet, sei dahingestellt. Die letzten Ergebnisse gaben, abgesehen vom Armenien-Spiel, wenig Anlass zum Jubeln. Gerade das 2:2 gegen Kamerun offenbarte Schwächen und dürfte für Sorgenfalten beim Bundestrainer gesorgt haben. Zwingend repräsentativ muss dies aber nicht sein, zumal Löw Wert auf taktische Automatismen legte, diese erarbeiten wollte. Hinzu kommt der Ruf, eine Turnier-Mannschaft zu sein.
 

2. ARGENTINIEN 

Enorme Hoffnungen setzen die Argentinier in ihre Truppe: Die Mannschaft um Lionel Messi soll nicht weniger als den Titel im benachbarten Brasilien erringen. Man traut es den Gauchos durchaus zu, obwohl ihr Superstar in Barcelona keine gute Spielzeit erlebte – für seine Verhältnisse – und sich wiederholt auf dem Spielfeld übergeben musste. Doch Angel di Maria erlebte dagegen eine Fabelsaison inklusive CL-Titel. Die Offensive ist mit den beiden, Sergio Agüero, Ezequiel Lavezzi sowie Gonzalo Higuain unfassbar besetzt. Selbst ein Carlos Tevez wird nicht benötigt. In der Abwehr sieht es nicht ganz so rosig aus, doch die Erfahrung eines Pablo Zabaleta oder Ezequiel Garay ist nicht von der Hand zu weisen. Und: In den letzten 500 Spielminuten kassierte man nur ein Gegentor. Trotzdem wird der Angriff im Fokus stehen, und zwei Dinge beruhigen die Fans: Coach Alejandro Sabella pushte Messi im Nationalteam inzwischen auf ähnliches Niveau wie bei Barca und das Turnier ist in Südamerika. Die Chancen stehen günstig. Das unterstrich auch die reibungslose Vorbereitung mit lockeren Siegen gegen Trinidad und Tobago (3:0) und Slowenien (2:0).
 

1. BRASILIEN

Der Gastgeber gilt als Topfavorit und hat mit dem grandiosen Confed-Cup die Hoffnungen auf die sechste WM-Trophäe geschürt. Doch im Vergleich zu letztem Jahr fehlt Stürmer Fred, Mittelfeld-Ass Oscar sowie Superstar Neymar, dessen Trainingsverletzung kurzzeitig für Unruhe sorgte, die Form, während Torwart-Oldie Julio Cesar kein uneingeschränktes Vertrauen mehr genießt. Luiz Felipe Scolari weiß von 2002 genau, was es für den Titel braucht. Seine Fähigkeiten, aus diesem Team eine Einheit zu schmieden, werden im Land beinahe mit religiöser Inbrunst gepriesen. In den letzten 19 Spielen gab es nur eine Niederlage – gegen die Schweiz im August 2013 durch ein Alves-Eigentor mit 0:1. So oder so geht der Titel vermutlich über die Selecao. In den Vorbereitungspartien gegen Panama (4:0) und Serbien (1:0) lief man sich warm, wenngleich man sich gegen die Ost-Europäer schwertat. Der steigende Druck im eigenen Land bleibt den Hoffnungsträgern eben nicht verborgen. Mit der typischen Lockerheit und dem Publikum im Rücken ist man jedoch der Topfavorit.
 

 

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