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SPECIAL REPORT: Die Mitarbeiter des brasilianischen Kulturministeriums sind sauer. Vor dem WM-Start intensivieren sie ihre Demonstrationen.

Von Liam Twomey in Rio de Janeiro

In einem schwer bewachten Konferenzraum in der Nähe der Copacabana hielt Brasiliens Ministerin für Kultur, Marta Suplicy, Anfang der Woche eine Rede.

Sie sagte ausgewählten Journalisten und FIFA-Repräsentanten: "Die Weltmeisterschaft ist eine Gelegenheit, ein tiefgründigeres Image von unserem Land aufzubauen als nur Sambamusik." Was sie nicht wusste: Nur wenige hundert Meter entfernt waren es Mitarbeiter ihrer Regierung, die ein bestimmtes Image darlegen wollten.

"Der Groll hat sich aufgestaut und es geht um nicht ausreichende, Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen in Kombination mit mangelnden Investitionen."
 

Es begann mit einer Handvoll Menschen, die mit Spruchbändern und einem Megaphon bewaffnet vor dem Haupteingang demonstrierten. Am Ende waren Hunderte dort versammelt. Sie schrien, fluchten und blockierten eine der meistbefahrenen Straßen Rio de Janeiros. Sie blockierten auch den Zugang zu einem der bekanntesten Strände der Welt.

Seit dem 12. Mai befinden sich Mitarbeiter des Kulturministeriums mittlerweile im Streik. Das bedeutet unter anderem, dass alle 30 Bundesmuseen wie das Nationale Geschichtsmuseum, das Museum der Künste und die Nationalbibliothek seitdem geschlossen sind. Dieser Protest, der von Unterstützern aus dem Bildungs- und Gesundheitssektor verstärkt wurde, war allerdings das effektivste öffentliche Statement der Unzufriedenen.

Der Groll hat sich aufgestaut und es geht den Demonstranten um niedrige, nicht ausreichende Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen in Kombination mit mangelnden Investitionen in die Kultur. Sie betragen nur 0,6 Prozent des Gesamthaushalts.

Eigentlich geht es nicht direkt um Fußball. Aber weil sich Brasilien darauf vorbereitet, eine Veranstaltung auszurichten, die 8,5 Milliarden Euro kostet, spielt es natürlich eine maßgebliche Rolle.

"Die Regierung betrügt die Menschen"

Ich traf am Rande der Menge Loa Jordao. Sie verteilte Handzettel in englischer und portugiesischer Sprache. Darin erklärte sie die Gründe für ihren Protest. Obwohl es dieser Tage eine heikle Sache ist, nannte sie mir ohne zu zögern ihren Namen und für die meiste Zeit unserer Unterhaltung spiegeln sich in ihrem Gesicht Ärger und Stolz.

"Brasiliens Regierung betrügt die Menschen", schimpfte sie. "Wir verdienen nicht viel Geld, also ist dies der einzige Weg, auf dem wir unseren Wert zeigen können."

"Wir verdienen wenig, weil die Regierung der Kultur keine Priorität einräumt. Es gibt keine Aussicht auf Besserung für uns. Ich ging studieren und machte meinen Doktor. Aber auf mein Gehalt hat das gar keine Auswirkungen. Wir verlieren viele gute Mitarbeiter aus diesem Grund", erläuterte sie weiter.

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Das alles ist kein neues Problem. Bereits 2005, 2007 und 2011 gab es ähnliche Proteste. Jedesmal im Anschluss gab es neue Versprechungen und Tarife. Und jedesmal, so Jordao, habe die Regierung sie später gebrochen.

Nun, da die WM praktisch vor der Tür steht, will sich die Regierung von Dila Rousseff nicht unter Druck setzen lassen. In der vergangenen Woche wurde rechtliche Schritte gegen die Streikenden eingeleitet. Und am Montag verkündete Suplicy, die WM-Touristen könnten immer noch eines der 3000 brasilianischen Museen besuchen, die nicht unter der Kontrolle des Bundes seien.

In Wahrheit hat Rousseff derzeit auch größere Probleme. Die Zustimmung zu ihrer Politik schwindet. Im April waren nach einer Umfrage der Firma MDA nur noch 47 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden. Im Oktober wird wieder gewählt und gewaltsame Proteste wie es sie vor einem Jahr beim Confederations Cup gab, kann sich die Präsidentin nicht leisten.

Jordao ist es ziemlich egal, dass ihre Handlungen möglicherweise die großen Momente Rousseffs und der FIFA überschatten: "Wir sind nicht gegen Fußball", stellte sie klar. "Doch die Weltmeisterschaft kostet soviel Geld und uns mangelt es an den Grundlagen."

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