thumbnail Hallo,

Einige Verletzungen haben die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen Wochen begleitet. Bundestrainer Joachim Löw steht noch vor einigen offenen Fragen.0

ANALYSE
Von Enis Koylu

Vor knapp einem Jahr hatte die deutsche Nationalmannschaft im Mittelfeld die Qual der Wahl. Auf der Doppelsechs konnte sich Bundestrainer Joachim Löw gleich auf mehrere Kandidaten verlassen. Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira waren die erste Wahl, mussten sich aber mit Ilkay Gündogan, Lars und Sven Bender, sowie Toni Kroos um die Plätze vor der Abwehrreihe messen.

Die Saison 2013/14 brachte dann allerdings einige Veränderungen mit sich. Auf einmal mussten sich die deutschen Leistungsträger mit Verletzungen abfinden. Gündogan hat beispielsweise seit dem Testspiel vor zehn Monaten gegen Paraguay kein Spiel mehr für die DFB-Elf bestreiten können. Sein Dortmunder Kollege Sven Bender muss seit Februar von der Seitenlinie zusehen.

Benders Zwillingsbruder Lars stand zwar im vorläufigen WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw, wurde letztlich aber aus dem Aufgebot gestrichen. Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen fiel im Bundesliga-Endspurt ebenfalls für lange Zeit verletzt aus. Sami Khedira hat seit November nur drei Spiele bestritten, nachdem er sich das Kreuzband gerissen hatte.

Philipp Lahm hat sich hingegen in der Position vor der Abwehr sehr gut eingefunden, vor allem weil er diese Rolle seit Pep Guardiolas Ankunft in München bei den Bayern bekleidet. Gesucht wird nun ein WM-Partner für Bastian Schweinsteiger, der auf der deutschen Doppelsechs zum Einsatz kommen könnte. Goal blickt auf Joachim Löws Kandidaten, die für diese Position eine Option wären.

SAMI KHEDIRA


Die einfachste Lösung wäre wohl die Variante mit Sami Khedira. Der Mittelfeldakteur von Real Madrid befindet sich im Aufwind, nachdem er zuletzt auch im Champions-League-Finale auflaufen konnte. Außerdem verfügt Khedira über die nötige Erfahrung.

Bei Khedira besteht allerdings noch das Risiko, dass er nach seiner langen Verletzung noch nicht wieder auf seinem Top-Niveau angekommen ist. Im November vergangenen Jahres hatte er sich das Kreuzband gerissen und kam danach erst wieder am Saisonende zum Einsatz. "Ich habe noch nicht meine Bestform gefunden, daher wurde ich auch ausgewechselt", erklärte Khedira nach dem 4:1-Sieg gegen Atletico Madrid in Lissabon.

Er hat jedoch schon angekündigt, dass er zum Turnierstart wieder bei 100 Prozent stehen wird. Schon in den früheren Partien der DFB-Elf zeigte er an der Seite von Schweinsteiger seine Stärken. Trotz seiner langen Verletzungspause, ist er der aussichtsreichste Kandidat für den Platz neben Bastian Schweinsteiger.

TONI KROOS


Toni Kroos hat international eine große Karriere hingelegt. Beim FC Bayern München hat er sich enorm weiterentwickelt und übernimmt nun auch im Dress der DFB-Elf viel Verantwortung. Kroos hat schon viele Positionen gespielt, so wie im Halbfinale gegen Italien bei der Europameisterschaft 2012, als er auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kam.

Nach einigen Verletzungen von Bastian Schweinsteiger übernahm Kroos in München auch dessen Rolle auf der Position vor der Abwehr und er machte seine Arbeit dort gut.

Dennoch spricht die Bilanz nicht gerade für das Duo Kroos und Schweinsteiger. Ein 4:4-Unentschieden gegen Schweden, ein 5:3-Sieg im Rückspiel in Stockholm und Bayerns 0:4-Niederlage in der Champions League gegen Real Madrid sind nicht die besten Nachweise für dieses Sechser-Pärchen.

Nach dem 4:4-Unentschieden gegen Schweden erklärte Schweinsteiger nach der Partie, dass die beiden nicht gut miteinander gespielt haben: "Mit einem Bender wäre dieses nicht passiert." Mit den starken Gruppengegnern Portugal, USA und Ghana kann es sich Löw nicht erlauben, dass seine defensive Organisation nicht so gut steht.

PHILIPP LAHM


Pep Guardiolas erste Saison beim FC Bayern München brachte Philipp Lahm von der Rechtsverteidigerposition auf die defensive Mittelfeldposition vor der Abwehr. Seine Erfahrung, seine Ruhe und seine Führungsqualitäten sorgten dafür, dass Lahm mit seiner neuen Rolle sofort bestens klar kam.

Löw hat die Idee von Guardiola durchaus im Kopf, den 30-Jährigen in der Nationalmannschaft ebenfalls auf diese Position zu stellen, doch sein Personal macht es ihm nicht gerade leicht. Lahm ist auf der rechten Verteidigerposition durchaus (fast) nicht zu ersetzen.

Kevin Großkreutz hat für Borussia Dortmund auf der Rechtsverteidigerposition ebenfalls ansprechende Leistungen abgerufen. Er könnte dort für Lahm zum Einsatz kommen.

Doch mit Cristiano Ronaldo und Portugal wartet ein schwerer Gegner in der WM-Gruppenphase, der vor allem über die Außenbahn enorm stark ist. Lahm wird also als Rechtsverteidiger gebraucht. Die Zeit für Experimente ist während des Turniers sehr ungünstig.

CHRISTOPH KRAMER


Christoph Kramer und sein eingelöstes WM-Ticket, damit hätte wohl niemand gerechnet. Eigentlich wurde der Mittelfeldspieler nur für das Testspiel gegen Polen in Hamburg nominiert, überzeugte dort aber so sehr, dass er nach dieser Partie in den erweiterten WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw berufen wurde.

Der 23-Jährige, der in der abgelaufenen Bundesliga-Saison von Bayer Leverkusen an Borussia Mönchengladbach verliehen wurde, überzeugte auch im Dress der Borussia und geriet so in den Fokus von Löw. Die Verletzung von Bender brachte ihm schließlich die Chance auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Kramers großer Schwachpunkt ist die Unerfahrenheit, da er bis vor einem Jahr noch nicht im Bundesliga-Fußball dabei war. Seine Entwicklung in Mönchengladbach war aber so gut, dass er für den Klub zu einer festen Größe im Mittelfeld wurde. Löw geht mit Kramers Nominierung ein gewisses Risiko ein, doch er scheint sich dessen bewusst. In der ersten Elf wird der 23-Jährige wohl keine Rolle spielen, ihm bleibt bei dem Turnier in Brasilien "nur" die Reservistenrolle.

Dazugehörig