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Der Youngster der Niedersachsen blickt im Interview zufrieden auf seine Saison zurück. In Zukunft will er sich beim VfL weiter etablieren und in der Europa League erfolgreich sein.

INTERVIEW
Das Gespräch führten Helge Wohltmann und Martin Ernst

Berlin. Mit seinen erst 19 Jahren war Maximilian Arnold der Shootingstar beim VfL Wolfsburg. Sieben Tore und zwei Assists bei 28 Einsätzen (27 von Beginn an), sprechen eine deutliche Sprache. Im letzten Testspiel gegen Polen (0:0) debütierte er in der deutschen Nationalmannschaft. Für die WM in Brasilien war er allerdings noch kein Thema.

Goal traf den offensiven Mittelfeldspieler bei der Einweihung des "Nike House of Phenomenal" in Berlin und sprach mit ihm über seine letzte Saison, den Konkurrenzkampf mit Spielern wie Diego und Kevin de Bruyne und seine zukünftige Karriereplanung.

Maximilian Arnold, wie bewerten Sie die abgeschlossene Saison?

Arnold: Für mich persönlich lief es sehr gut. Es ist ein absoluter Traum von mir und ich bin sehr, sehr glücklich und sehr dankbar, dass ich meine Chance bekommen habe. Das freut mich riesig, und dass wir dann mir der Mannschaft noch die Europa League geschafft haben, stellt uns auch sehr zufrieden, auch wenn wir die Champions League gerne noch mitgenommen hätten. Wir freuen uns aber auch über die Europa League und werden das genießen.

Stichwort Europa League: Nächstes Jahr wartet die Doppelbelastung. Wie werden Sie damit umgehen, in der Liga, international und vielleicht auch noch in der Nationalmannschaft zu spielen, in der Sie vor Kurzem debütiert haben?

Arnold: Wenn man wegen der Europa League immer wieder hört, dass viele Mannschaften zu kämpfen haben, werden wir natürlich versuchen, das zu kompensieren. Wir werden viele Pausen machen und das Training dosieren. Wir müssen uns einfach überraschen lassen, wie es wird. Das gilt natürlich auch für mich. Ich werde mein zweites Herrenjahr überhaupt spielen und ich hoffe, dass ich das durchstehe und dass ich dann nach der Saison sagen kann, jetzt habe ich mir den Urlaub auch verdient.

Mit Klaus Allofs und Dieter Hecking ist jetzt längerfristig das Personal für die Führungspositionen im Verein gefunden worden. Wie bewerten Sie das, nachdem es ja in den letzten Jahren eine hohe Fluktuation an Trainern, Managern und auch Spielern gegeben hat?

Arnold: Ich persönlich bin froh, dass es so gekommen ist. Ich habe bei Dieter Hecking ein gutes Gefühl. Er hat mir immer wieder vertraut und mir oft die Chance gegeben. Klaus Allofs kennt man ja. Der hat schon bei Werder Bremen sehr gute Arbeit geleistet und man liest jetzt immer mehr die Handschrift von beiden. Das ist für uns sehr gut und auch wichtig. Man hat es auch gesehen, da wir viele gute Spiele gemacht haben. Auch wenn noch nicht alles perfekt war, sind wir auf einem guten Weg.

Wolfsburg hat ja immer noch den Ruf als Retortenklub. Wie reflektiert man das als Spieler?

Arnold: Ich muss sagen, dass es auf jeden Fall schon besser geworden ist. Dadurch, dass wir jetzt nicht mehr 40 Mann, sondern eine normale Anzahl an Spielern im Kader haben, ist es schon ganz anders und viel übersichtlicher. Wir arbeiten natürlich daran, dass wir nicht mehr immer nur in eine Schublade gesteckt werden. Ich denke, wir sind auch da auf einem guten Weg. Man muss einfach immer weiter dranbleiben, weiter daran arbeiten, das Image zu ändern. Ganz loswerden werden wir es aber wahrscheinlich nie.

Kann Hoffenheim da ein Vorbild sein, dass man mit Toren Sympathien gewinnen kann?

Arnold: Sie hatten natürlich auch viele Gegentore (lacht). Hoffenheim hat, glaube ich, 72 Tore geschossen, aber auch 72 Gegentore kassiert. Da schieße ich lieber 50 oder 60 Tore und kassiere nur 30 oder 40. Man hat es ja auch gesehen, wenn sie weniger Tore bekommen hätten, wären sie wahrscheinlich in Europa vertreten gewesen. Ich muss sagen, ich spiele lieber schönen Fußball und gewinne dazu, als dass ich schönen Fußball spiele und verliere.

Eine große Personalie beim VfL Wolfsburg ist Kevin de Bruyne. Wie läuft die Integration? Zum Ende hin wirkte das Zusammenspiel ja bereits recht gut.

Arnold: Auf dem Platz funktioniert es gut. Das hat man dann ja auch gesehen. Er hat enorme Qualität und ist sehr wichtig für uns. Neben dem Platz ist es gut, dass er schon in Deutschland bei Werder Bremen war. Er kennt die Abläufe. Es geht natürlich immer besser, das muss man auch ganz klar sagen, aber er hat ja noch ein bisschen Zeit, er hat ja lange unterschrieben.

Wie war das für Sie persönlich, Spieler wie de Bruyne und auch Diego von der Zehn auf die Außenbahn zu verdrängen?

Arnold: Ich schmunzele darüber und finde das erstmal ganz gut. Die Zehn ist meine Lieblingsposition. Die spiele ich gerne, muss ich sagen. Dass ich dann noch die zwei "Topstars" verdrängen konnte, hat mich natürlich schon gefreut. Ich muss aber auch sagen, dass ich froh bin, in dieser Mannschaft überhaupt zu spielen. Gegen Gladbach habe ich auf der Sechs gespielt, davor auch mal als hängende Spitze, Rechts- und Linksaußen, das ist auch okay. Wenn ich bei der Aufstellung meinen Namen höre, bin ich einfach total glücklich und genieße das.

Ricardo Rodriguez hat als Außenverteidiger eine Riesensaison gespielt. Wie sehen Sie seine Leistung?

Arnold: Ich muss sagen, er hat ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen für seine Leistungen. Ich glaube er hat fünf Tore gemacht und neun vorbereitet. Er ist einfach enorm wichtig und hat eine Riesenqualität, obwohl er erst 21 ist. Seine Vertragsverlängerung wäre ganz wichtig für uns.

Sehen Sie ihn schon oben in der Weltspitze auf der Außenverteidigerposition?

Arnold: Wen gibt es denn da sonst noch so?

Philipp Lahm zum Beispiel.

Arnold: Ach, mit Philipp Lahm kann man das gar nicht vergleichen, der kann sowieso alles spielen. David Alaba wär noch einer, der da mit hingehört. Ich finde, Ricardo gehört aber schon unter die Top Fünf auf der Welt. In seinem Alter ist er zusammen mit Alaba der Beste, das muss man ganz klar sagen. Da gibt es sonst keinen mehr, der ihm noch Konkurrenz macht. Wie gesagt, ich hoffe, er verlängert.

Herr Arnold, wir bedanken uns für das Gespräch!

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