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Ivan Rakitic: Sevillas Held mit WM-Schlüsselrolle für Kroatien

Die Mannschaft von Trainer Unai Emery ist bis in das Finale der Europa League vorgedrungen. Ex-Schalker Ivan Rakitic könnte im Endspiel eine entscheidende Rolle einnehmen.

Turin. In den vergangenen zwölf Jahren hat der FC Sevilla einige Schnäppchen in sehr viel Geld verwandelt. Manche Deals liefen nicht wie gewünscht, aber Sportdirektor Ramon "Monchi" Rodriguez feierte auf dem Transfermarkt große Erfolge.

Neben Eigengewächsen wie Antonio Reyes, Sergio Ramos und Jesus Navas holte der Klub Spieler wie Dani Alves, Julio Baptista, Seydou Keita, Geoffrey Kondogbia und Gary Medel für wenig Geld und verkaufte sie anschließend für weit höhere Summen.

Neben dem aktuellen Superstar Ivan Rakitic könnte diese Deals aber klein wirken. Der Kroate hat sich mit etlichen Toren und Assists in Szene gesetzt und spielt derzeit die wohl beste Saison seiner Karriere - er hatte großen Anteil daran, dass der Klub zwei erschreckend schwache Jahre hinter sich lassen konnte.

Der 26-Jährige war in der Offensive Dreh- und Angelpunkt und wusste vor allem durch seine gefährlichen Standards zu überzeugen. Aber Rakitic war nicht nur in der Offensive herausragend. Er hat sich vom schüchternen Fliegengewicht zu einem zweikampfstarken Mittelfeldspieler entwickelt. Physisch ist er seit seiner Ankunft aus Schalke im Januar 2011 sehr viel stärker geworden.

Sevilla verpflichtete ihn ob des auslaufenden Vertrages für schlappe 2,5 Millionen Euro - eventuell das beste Schnäppchen der Klub-Geschichte!

Dabei sah es anfangs nicht danach aus, als sei Rakitic ein Spitzenspieler. In seiner ersten Saison war er nur ein weiterer unkonstanter Mittelfeldspieler. Unter Trainer Marcelino Garcia nahm der Kroate im 4-2-2 eine viel zu defensive Rolle ein. Im Februar übernahm Michel das Zepter, doch auch im 4-2-3-1 durfte Rakitic nicht in der Offensive ran - Frederic Kanoute und Alvaro Negredo hatten in jener Zeit die vorderen Positionen inne.

In der Saison 2011/2012 erzielte er keinen Treffer und startete 17-mal von der Bank. Schwer zu glauben, aber der Held von heute war damals gerade so Ergänzungsspieler. So manch ein Fan hatte ihn bereits abgeschrieben.

Unter Umständen war dann der Abgang von Publikumsliebling Frederic Kanoute zu Beijing Guoan der bisher wichtigste Tag in der Karriere des Ex-Schalkers.

Kanoute hinterließ eine klaffende Lücke im Angriffszentrum und Trainer Michel entschied sich dafür, Rakitic auf diese Position zu verschieben – die einzig verbliebene Erinnerung an die unglückselige Amtszeit des Trainers.

In der letzten Saison blühte Rakitic dann auf – rau, aber trotzdem elegant. In der Liga überzeugte er erstmals mit Toren und Assists. Es war klar, dass eine große Abgangswelle den Klub im Sommer 2013 erwischen würde. Die Verantwortlichen glaubten aber fest daran, dass ihr kroatisches Juwel sie nicht verlassen werde und beförderten ihn daraufhin zum Kapitän.

Mit einem praktisch komplett neu aufgebauten Kader um Rakitic scheint der FC Sevilla die hohen Erwartungen der Fans zu erfüllen. Mit einem weiteren Sieg würde der Klub die Saison in der Primera Division auf Platz fünf beenden. Zudem steht man im Finale der Europa League.

Seine spektakuläre Leistung beim 2:1-Erfolg im Heimspiel gegen Real Madrid unterstrich, wie sehr er sich in großen Spielen verbessert hatte.

Rakitics aktueller Vertrag läuft im Juni 2015 aus, und auch wenn sein Berater und Bruder Dejan sich in Gesprächen über eine Verlängerung befindet, wird Sevilla verständlicherweise ungeduldig, da sich die Verhandlungen in die Länge ziehen.

Rakitics Vertreter haben offensichtlich klargemacht, dass jeder neue Vertrag unbedingt eine Ausstiegsklausel gut unter 20 Millionen enthalten müsse. Diese Forderung wurde von Sevilla umgehend zurückgewiesen. Derzeit beläuft sich die Klausel auf 40 Millionen Euro.

Natürlich bleibt abzuwarten, ob und wie sich diese verfahrene Situation auflöst, doch die WM wird sicher helfen, die Sache zu klären.

Der in der Schweiz geborene 60-fache Nationalspieler Kroatiens gilt derzeit als einer der Spieler, die in Brasilien groß herauskommen könnten; er hofft dabei jedoch, nicht auf dem rechten Flügel auflaufen zu müssen, so wie es in der Vergangenheit öfter der Fall gewesen ist.

Theoretisch – und abhängig von der Aufstellung – könnte er ein Trio mit Luka Modric und entweder Mateo Kovacic oder Ognjen Vukojevic bilden, aber Rakitics Form im Verein bedeutet eigentlich, dass Niko Kovac ihn direkt hinter Mario Mandzukic bringen sollte.

Obwohl Sevilla seinen Führungsspieler sicher nicht gerne gehen lassen würde: Je besser er in Brasilien spielt, desto eher wird ein Team seine Ausstiegsklausel ziehen wollen. Rakitics Vater selbst hat im Winter angekündigt, dass sein Sohn den Transferrekord für einen Kroaten brechen werde; Modric hat Real Madrid 2012 30 Millionen Euro gekostet.

Es gab bisher keine Anzeichen, wer dieses Angebot machen oder wann es dazu kommen würde, aber Rakitic hat vielleicht derzeit einen noch größeren Einfluss auf Sevilla als Modric damals auf Tottenham – und eine Reihe namhafter Klubs sind ihm auf der Spur.

Wie immer es auch kommt: "Monchi" wird wohl bald wieder einmal einen außergewöhnlich hoch dotierten Scheck ausgestellt bekommen.

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