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Vom 41-Tore-Stürmer zum Nicht-WM-Fahrer: Der traurige Absturz des Mario Gomez

Der 28-Jährige hat sich in den letzten beiden Jahren mit Verletzungen herumgeplagt. Jetzt bezahlt er dafür den Preis, denn er ist nicht bei der WM mit dabei.

Frankfurt. Als Mario Gomez in der Saison 2011/12 41 Tore für Bayern München erzielte, hätte man wenig gegen die Behauptung sagen können, dass er der beste Strafraumstürmer der Welt ist. Auch Deutschlands Joachim Löw vertraute im damaligen Sommer dem ehemaligen Stuttgarter bei der EM 2012 - und der Angreifer zahlte das Vertrauen mit drei Toren in den ersten beiden Spielen zurück.

Es war das Turnier, bei dem sich Gomez rehabilitierte. Er hatte die große Bühne als neues Wunderkind betreten, das für lange Zeit einer der weltbesten Stürmer werden sollte. Aber auf der großen Bühne hatte er zuvor die großen Erwartungen nicht wahrmachen können: Bei der EM 2008 und der WM 2010 war ihm kein einziger Treffer gelungen.

Doch jetzt scheint es so zu sein, dass sein Doppelpack gegen Holland in Kharkiv - seine bislang letzten Länderspiel-Tore - der Höhepunkt seiner Karriere im Nationalteam sein sollten. Und nicht ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Legenden-Status.

Die danach folgenden zwei Jahre waren ein echter Alptraum für Gomez. Mario Mandzukic wurde im Sommer 2012 von den Bayern verpflichtet, um einen Teil der Angriffs-Last von Gomez zu übernehmen. Doch eine Knieverletzung bei Gomez sorgte dafür, dass der Kroate einen Stammplatz erobern konnte.

Gomez kam nur sporadisch zum Einsatz, als seine Mannschaft sich das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League sicherte. Seine Statistiken mit 19 Toren in 32 Auftritten zeigten dennoch, dass es eine produktive Saison für Gomez war - besonders, wenn man bedenkt, dass der Hauptteil seiner Einsätze Einwechslungen waren.

Mit seiner Teilzeit-Rolle war er jedoch nicht zufrieden und er verließ die Bundesliga in Richung Florenz, um seiner Karriere einen neuen Schub zu geben. Der Wechsel nach Italien hat sich bislang aber nicht ausgezahlt, denn er zog sich schnell eine weitere Knieverletzung zu, die ihn fünf Monate lang außer Gefecht setzte. Kurz nach seiner Rückkehr zu Beginn des Jahres verletzte er sich erneut. Aber auch als er völlig fit war, gaben seine Leistungen nicht besonders viel Anlass zur Hoffnung.

In der Zwischenzeit dachte Joachim Löw über Alternativen nach. Miroslav Kloses Karriere geht dem Ende entgegen und ein Nachfolger im Sturm ist bislang nicht in Sicht. Deshalb experimentierte der 54-jährige Trainer mit Spielern wie Marco Reus und Mario Götze in der Sturmspitze - mit wechselndem Erfolg.

Jetzt hat sich allerdings herausgestellt, dass Löw kein Problem damit hat, ganz auf Gomez zu verzichten.

Bislang hat Gomez kein einziges Tor in der WM-Qualifikation und dem Turnier selbst gemacht. Eigentlich undenkbar für einen Stürmer des deutschen Nationalteams, der mehr als 50 Länderspiele gemacht hat. Seine Probleme mit der Form und der Fitness waren am Ende ein zu großes Risiko für Löw, um ihn in diesem Sommer mit nach Brasilien zu nehmen. "Seit September hat er nur 280 Minuten gespielt", erklärte Löw. "Ich bin der Meinung, dass er nicht mit den körperlichen Anforderungen dieses Turniers zurecht kommt", so der Bundestrainer.

Natürlich gibt es für den 28-Jährigen noch die Aussicht, wieder ins Nationalteam zurück zu kommen, denn bei Miroslav Klose steht der Abschied von der internationalen Bühne in diesem Sommer an. Aber bei der EM 2016 wird auch Gomez schon über 30 sein.

Im Hier und Jetzt ist Deutschlands Angriff ein Grund zur Sorge.

Es ist schon Jahre her, seitdem Lukas Podolski zum letzten Mal in der Sturmmitte gespielt hat. Und auch sein Arsenal-Trainer Arsene Wenger glaubt nicht, dass der Ex-Kölner der richtige Mann ist, um alleine vorne drin zu spielen. "Ich habe es ein paar Mal mit ihm als Mittelstürmer versucht und er hat sich oft die Bälle geholt. Er war mehr eine hängende Spitze als ein Mittelstürmer", sagte Wenger im April.

Götzes Auftritte als "Falsche Neun" für die Bayern waren nicht gut und wurden von Franz Beckenbauer kritisiert: "Es macht keinen Sinn, ihn als Stürmer spielen zu lassen. Bayern verschwendet auf dieser Position sein Potenzial", so der Kaiser.

Max Kruse hat dank einiger guter Auftritte für Freiburg und jetzt für Borussia Mönchengladbach ein paar Länderspiele absolviert. Aber im Nationaltrikot hat er diese Form nicht bestätigt und er wird - wie Gomez - die WM in diesem Sommer nur aus der Ferne beobachten.

Damit bleibt nur Klose, der allerdings aktuell nicht über einen längeren Zeitraum fit bleiben kann. Und der Hoffenheimer Kevin Volland, der trotz seines offensichtlich vorhandenen Talents noch gar keine Erfahrung auf der ganz großen Bühne gesammelt hat.

Löw wird in den kommenden Monaten improvisieren müssen, damit seine Mannschaft nicht im Angriff ohne echten Mittelstürmer, der in der brasilianischen Hitze mehrere gute Spiele machen kann, unterbesetzt ist. Und ganz Deutschland wird hoffen, dass der traurige Absturz von Mario Gomez in den letzten beiden Jahren nicht der Mannschaft zum Verhängnis wird.

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