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Schalker Harmonie: Freibier und Vertragsverlängerungen

Die Jahreshauptversammlung des Revierklubs fand am Sonntag statt und zeigte, dass Vereinsführung und Mitglieder weiter an einem Strang ziehen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Hassan Talib Haji

Viel Applaus, viel Zustimmung: Die Mitglieder des FC Schalke 04 und die Führungsetage sorgten am Sonntag für einen wahren Schulterschluss. Der Verein verkündete eine wichtige Vertragsverlängerung, doch auch die aktive Fanszene des Klubs setzte ein deutliches Zeichen.

"So was habe ich noch nie erlebt", sagte Clemens Tönnies nach der Jahreshauptversammlung aus dem Vorjahr. Durch den umstrittenen, jedoch bereits wieder gekündeten Deal mit dem Tickethändler Viagogo hatte sich das Klima zwischen den Mitgliedern und den Entscheidungsträgern vergiftet. Tönnies, der aufgrund einer Nieren-OP zwecks Erholung der Versammlung fernbleiben musste, dürfte die Versöhnung dennoch sehr gefallen haben.

"SchalkeVereint" landet Punktsieg

Es war ein harmonisches, aber auch konstruktives Miteinander. Ein deutliches Zeichen setzte hierbei die aktive Fanszene. Die organisierten Fans des FC Schalke 04 sind mit dem Schalker Fanclub-Verband (SFCV) äußerst unzufrieden, da dieser die Fan-Interessen nicht mehr so vertritt, wie er es eigentlich müsste. Hierzu muss man wissen, dass der SFCV zum Verein Schalke 04 gehört und von diesem finanziell abhängig ist. Aufgrund dessen beklagen die organisierten Anhänger eine Art Unterwerfung.

Nun wurde am Sonntag auch der Wahlausschuss gekürt. Dieser entscheidet über die Kandidaten, die sich für den Aufsichtsrat zur Wahl stellen. Eine Kampfabstimmung war vorprogrammiert, da von den 16 Kandidaten acht die Initiative "SchalkeVereint" unterstützen und sechs den SFCV.

Zur Erklärung: Das Bündnis "SchalkeVereint" setzt sich größtenteils aus Mitgliedern der Ultras Gelsenkirchen, dem Supportersclub sowie der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Diskriminierung zusammen. Alle drei Organisationen sind bereits aus dem SFCV ausgetreten. In dem siebenköpfigen Gremium wurde am Sonntag allerdings nur eine Person mit Zugehörigkeit zum SFCV in den Wahlausschuss gewählt. Eine sehr deutliche Niederlage für den Fanclub-Verband, der auch an Vertrauen bei der Großzahl der aktiven Mitglieder verliert.

Gute Nachrichten von Jobst und Heldt

Als der Vorstand dann Bericht erstatten musste, heimsten Sportvorstand Horst Heldt und Marketingvorstand Alexander Jobst den größten Applaus der Mitglieder ein. Peter Peters musste indes die nackten Zahlen präsentieren, dabei erklärte der Finanzvorstand die Erhöhung der Gesamtverbindlichkeiten des FC Schalke 04 auf 230 Millionen Euro. Dies liege an der Dachreparatur, dessen Material, die aufwendigen Membrane, verschlissen waren. Zudem investierte der Klub in Kevin-Prince Boateng und damit auch in sportlichen Erfolg, aus dem sich Peters dann auch Mehreinnahmen erhofft. Das Ziel, die Konsolidierung und der Abbau der Verbindlichkeiten, sollen jedoch fortgeführt werden. Im letzten Geschäftsjahr hat der Klub knapp 207 Millionen Euro umsetzen können und einen Gewinn in Höhe von 500.000 Euro erwirtschaftet.

Richtig laut wurde es dann, als Horst Heldt seinen Bericht vortrug, hatte der gewiefte Manager doch hervorragende Neuigkeiten mit ans Podium genommen. Unter tosendem Beifall verkündete er, dass Torhüter Ralf Fährmann seinen 2015 auslaufenden Vertrag um weitere vier Jahre verlängert hat. Auch mit dem auf Schalke sehr geschätzten U19-Trainer Norbert Elgert wurde bis 2018 verlängert. Es gab diverse Abwerbeversuche anderer Klubs, wie der Heldt später noch verriet.

Ein nie gestorbener Traum

Erste leichte Verwunderung erntete Heldt, als er sagte: "Wir wollen Voraussetzungen schaffen, Deutscher Meister zu werden!" Diesen Satz vor den Mitgliedern so auszusprechen war sehr gewagt und mutig. Heldt hat niemandem ein Versprechen gegeben oder einen zeitlichen Rahmen gesteckt, wie es einst Felix Magath tat – aber es zeigt deutlich, dass Schalke 04 sich diesem Traum nicht verwehren will.

Auch Marketingvorstand Jobst hatte gute Nachrichten für die Mitglieder. Er sprach über die Werthaltigkeit des FC Schalke 04 und die Zukunft. Dann packte Jobst aus, dass die Namensrechte der Schalke-Arena auch weiterhin bei Veltins liegen und man diese Partnerschaft vertraglich bis 2019 verlängert habe. Zur Freude aller Schalker "gibt Veltins einen aus", wie Jobst lächelnd ergänzte. Beim ersten Heimspiel der neuen Saison gibt es Freibier für alle Zuschauer.

Mit Speck fängt man Mäuse, sagt der Volksmund. Das war an diesem Sonntagnachmittag aber nicht nötig. Die Stimmung war gut und wurde auch noch emotional. Der an Alzheimer erkrankte damalige Manager Rudi Assauer wurde für seine Verdienste von den Mitgliedern zum Ehrenmitglied des FC Schalke 04 ernannt. Norbert Elgert und Willi Koslowski (wurde 1958 mit Schalke Deutscher Meister) wurden in die Ehrenkabine gewählt.

Die Jahreshauptversammlung war ein Erfolg für beide Seiten: für den FC Schalke 04 als solchen und die dazugehörigen Mitglieder des Klubs. Die Risse aus dem Vorjahr sind verschwunden.

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