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Chelsea 2014, Griechenland 2004 und die defensivsten Mannschaften überhaupt

Nach Chelseas ultra-defensiven Auftritten gegen Atletico und Liverpool erinnert Goal an andere Mannschaften, die für ihren abwartenden Spielstil berüchtigt waren.

Von Miles Chambers

Jose Mourinho bekam in der Presse vor Wochenfrist sein Fett weg, als seine Mannschaft im Vicente Calderon "den Bus geparkt" und sich ein wertvolles 0:0 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Atletico Madrid ermauert hatte.

Ähnliche Schlagzeilen gab es auch am vergangenen Sonntag, nachdem seine Blues beim FC Liverpool mit 2:0 gewonnen hatten. Mourinho ließ meist mit zehn Spielern hinter dem Ball verteidigen. Liverpool war nicht in der Lage, die blaue Mauer zu durchbrechen. Tore von Demba Ba und Willian machten schließlich das Titelrennen wieder so richtig spannend.

Einige Experten nennen Mourinho ein "Genie", andere beschimpfen ihn als jemanden, der "Anti-Fußball" spielen lässt.

Dabei ist der Portugiese ganz sicher nicht der erste Trainer, der diese Taktik wählt. Auch nicht unter den Topklubs. Die Geschichtsbücher des Fußballs sind voll von Vereinen, die sich in vielen Spielen gegen Angriffsfußball entschieden haben.

Goal liefert Euch ein paar Beispiele für Mannschaften, die für Turniere, Spielzeiten oder gar Jahrzehnte auf Defensivfußball gepolt waren:

Argentinien 1990



Bei der Weltmeisterschaft 1990 fielen pro Spiel im Schnitt nur 2,21 Treffer - bis heute ein Tiefstwert bei WM-Endrunden. Das erklärt auch, wie es Argentinien in das Endspiel schaffte, ohne mehr als einen Tor pro Partie zu markieren.

Vier Jahre nachdem Diego Maradona die Albiceleste zum Titel geführt hatte, entschieden sich die Südamerikaner für eine deutlich pragmatischere Herangehensweise und um ein Haar hätte Argentinien erneut den begehrtesten Pokal gewonnen.

Argentinien wurde damals von Carlos Bilardo trainiert und erzielte nur fünf Treffer in seinen sieben Turnierspielen. Trotz krasser Unterlegenheit besiegten Bilardos Schützlinge Brasilien in der K.o.-Runde mit 1:0 und kamen dann gegen Jugoslawien und Gastgeber Italien jeweils im Elfmeterschießen weiter. Im Finale brauchte Deutschland dann 85 Minuten, um das Bollwerk zu knacken und das Endspiel für sich zu entscheiden.

Arsenal 1992-95



Der Fangesang "Boring, Boring Arsenal" wurde Anfang der 1990er Jahre zum Synonym für Arsenals Spielstil unter Gerorge Graham. Der Coach verordnete seinem Team eine Defensivtaktik und scherte sich nicht um die Attraktivität der Spiele.

Graham hatte den Klub aus Nordlondon bereits 1986 übernommen, doch es dauerte bis 1992, ehe er seinen Angriffsfußball über Bord warf. In den letzten drei Saisons unter ihm erzielte Arsenal jeweils 40 Tore. In den ersten sechs Spielzeiten seiner Amtszeit waren es noch 66 Treffer gewesen.

In der Liga hatte Graham damit keinen Erfolg, aber immerhin holte er 1993 das Pokaldouble aus FA-Cup und Ligapokal. Grahams berühmte Abwehrreihe mit Lee Dixon, Tony Adams, Steve Bould und Nigel Winterburn gilt nach wie vor als eine der besten Viererketten, die der englische Fußball je hatte.

Griechenland 2004

Griechenlands Sieg bei der Europameisterschaft 2004 bleibt DER Triumph eines Underdogs im internationalen Spitzenfußball schlechthin.

Otto Rehhagel wusste, dass sich seine Mannschaft individuell nicht mit den Topteams in Portugal messen konnte. In den Reihen der Griechen fanden sich keine namhaften Stars. Also entwarf Rehhagel einen Plan rund um ein geduldig spielendes Defensivbollwerk. Für Liebhaber des offensiven Spiels waren die Begegnungen der Hellenen eine Tortur, schließlich verließen sich Rehhagels Spieler im Spiel nach vorn einzig auf Ecken und anderen Standardsituationen

Rehhagel meinte nach dem Gewinn im Endspiel von Lissabon: "Die Leute sagen, meine Taktik sei nicht modern. Dabei geht es im modernen Fußball doch um das Gewinnen."

La Grande Inter

Keine Mannschaft spielte das "Catenaccio" (übersetzt für "vernagelte Tür") besser als Inter Mailand in den 1960er Jahren.

Ein, zwei Kontertore, das strebten die Nerazzurri stets an. Hinten wurde die Schotten dicht gemacht und dan blitzschnell umgeschaltet. Das frustrierte die Gegner.

Der legendäre Coach Helenio Herrera führte Inter mit seiner Marschroute zu zwei Titeln im Europapokal und drei Meisterschaften in der Serie A. Er hatte dabei Weltklasseverteidiger wie Giacinto Facchetti, Tarcisio Burgnich und Armando Picchi in seinen Reihen.

Glasgow Rangers 2008



In Anlehnung an das Catenaccio bekam Walter Smith während der Saison 2007/08 den Spitznamen "Waltenaccio" verpasst. Grund dafür waren die Auftritte seiner Rangers im Europapokal.

Lionel Messi giftete zum Beispiel nach einem 0:0 mit seinem FC Barcelona gegen die Schotten: "Die Rangers wollten gar nicht Fußball spielen. Von der ersten Minute an haben sie Anti-Fußball zelebriert."

Nicht nur in der Königsklasse, auch im UEFA-Cup ließ es Smith eher vorsichtig angehen. Mit Erfolg: Mit fünf Tore in acht Spielen zog sogar Glasgow in das Finale ein und unterlag dort Zenit St. Petersburg mit 0:2.

Stoke City 2008-13

Nach dem Aufstieg im Jahr 2008 dauerte es 116 Spiele in der Premier League, ehe Stoke City einmal mehr als 50 Prozent Ballbesitz hatte. Eine beeindruckende Statistik. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Klub seitdem eigentlich nie in aktuer Abstiegsgefahr schwebte.

Trainer Tony Pulis und sein Team wurden zum Synonym für Fußball, der nicht flüssig oder spaßig daherkam. Und das heimische Britannia Stadium avancierte dennoch zu einer Festung.

Nur einmal in seinen fünf Jahren bei den Potters erzielte seine Mannschaft mehr Treffer als sie Partien absolviert hatte. Fans und Verantwortliche sehnten sich immer stärker nach mehr Kreativität auf dem Spielfeld und daher musste er schließlich im vergangenen Sommer gehen.

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