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Modric verzückt die Fans von Real Madrid. Nach Anlaufproblemen hat er sich unter Ancelotti zum wichtigen Taktgeber entwickelt.

Wird in diesen Tagen über Real Madrid geschrieben oder gesprochen, fällt immer wieder sein Name. Nicht Super-Athlet Cristiano Ronaldo oder Highspeed-Spieler Gareth Bale sind das Herzstück von Carlo Ancelottis Mannschaft. Luka Modric, 28-jähriger Kroate, ist Dirigent am königlichen Hof von Madrid.

Aufgewachsen ist der nur 1,74 Meter große Mittelfeldakteur in der Hafenstadt Zadar, die Anfang der Neunziger Jahre im Zuge des Kroatienkrieges schwer getroffen wurde. In den Wirren der Zeit verliebte sich der kleine Blondschopf in den Fußball, war nur selten ohne das runde Leder zu sehen. Mit sechzehn Jahren ging er von seinem Heimatklub NK Zadar zu Dinamo Zagreb.

Von dort wurde er zwei Spielzeiten später nach Bosnien und Herzegowina, an den Klub HSK Zrinjski Mostar verliehen und avancierte sofort zum Star. Mit 18 Jahren wurde er zum besten Spieler der Premijer Liga gewählt. Wiederum zwei Saisons später etablierte sich Modric als fester Bestandteil Dinamos.

Bis 2008 spielte er in seiner Heimat. Dann wechselte er für 25 Millionen Euro von Dinamo Zagreb zu den Tottenham Hotspurs und wurde einst von Sir Alex Ferguson höchstpersönlich als bester Mittelfeldspieler der Premier League bezeichnet. Vier Jahre später folgte für ihn der Schritt in Spaniens Hauptstadt. Er bestreikte zur Durchsetzung seines Willens sogar zeitweilig das Training der Spurs und konnte kurz vor der Schließung des Transferfensters noch zu Real wechseln.

Durchbruch unter Ancelotti

35 Millionen Euro überwiesen die Königlichen für die Dienste von Modric. Seine erste Saison sollte sich schwierig gestalten, war die Statik des Spiels mit Zehner Mesut Özil und Jose Mourinhos System doch eine ganz andere, als es nun unter Ancelotti der Fall ist.

In der vergangenen Spielzeit war er nicht führender Taktgeber, sondern nur eine ballsichere Station der Passzirkulation. Modric wurde diese bestimmende Rolle von Mourinho anscheinend nicht zugetraut. Sollte er Özil auf der zentral-offensiven Position vertreten, war er meist komplett verloren. Seine Stärken wurden keinesfalls richtig eingebunden.

Gut lässt sich dessen Entwicklung beim Vergleich der beiden Champions-League-Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund nachvollziehen. Ging Modric im Halbfinal-Hinspiel 2013 noch weitestgehend gegen Klopps Team und deren Gegenpressing-Abteilung unter, war er im diesjährigen Viertelfinal-Hinspiel der wichtigste Akteur, maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass der Bundesligist im Estadio Santiago Bernabeu eine empfindliche Niederlage erlitt.

Im vergangenen Jahr war zumeist Xabi Alonso ein spielgestaltender Part im Mittelfeld, dem die Verantwortung des Aufbaus aufgetragen wurde. Doch der 32-Jährige, noch immer ein starker Abräumer mit guten Verlängerungspässen, ist hinter seinen Kollegen getreten. Und mit der Bürde den Dirigentenstock von Alonso erhalten zu haben, kommt Modric sehr gut klar.

Aus der Tiefe des Halbraums

Im 4-3-3 oder auch im etwas abgewandelten und asymmetrischen 4-4-2 der Madrilenen spielt Modric in aller Regel im rechten Halbraum. Vor dem Ausfall Sami Khediras wurde er auch des Öfteren etwas höher auf der linken Halbposition aufgeboten. Aber mittlerweile nimmt er regelmäßig die Rolle als tieferer Achter im Vergleich zu Isco oder Angel Di Maria ein. Gegen den Ball wird dann meist eine Doppelsechs mit Alonso gebildet.

LUKA MODRIC - CHAMPIONS LEAGUE 2013/14
Einsätze
Tore
Vorlagen
Ballkontakte pro Spiel
Zweikampfquote
Passquote
Passquote im offensiven Drittel

*Daten von Opta
9
1
1
84,6
52,63%
92,34%
83,64%


 

Denn bei aller Offensivqualität ist Modric auch stark in der defensiven Übersicht, wodurch er oft die richtigen Räume abdeckt. Zugleich ist der Kroate recht giftig sowie quirlig im Zweikampf. Seine Königsdisziplin ist aber das Passspiel. Lediglich ein Zuspiel fand gegen Bayern München letzte Woche das Ziel nicht. Ansonsten sitzen seine Pässe mit hoher Wahrscheinlichkeit exakt.

Steht Modric tief vor der eigenen Hälfte, kann er mit einer schnellen Drehung und einem präzisen Außenrist-Zuspiel sofort die Seite verlagern und damit mehrere Gegenspieler ausschalten. Es sind weniger die tödlichen Pässe als vielmehr die klugen Schachzüge, die die Nummer 19 von Real Madrid ausmachen. Vertrauten die Blancos in der jüngeren Vergangenheit oft den Geniestreichen eines Özils, die sofort zu einem Traumtor führen sollten, ist es jetzt das strategische Können von Modric, das Reals Offensive durch ein geordnetes Aufbauspiel prägen soll.

Mit Xabi Alonso hat er zudem einen entlastenden Nebenmann gefunden. Ihre Passfolgen können auf den ersten Blick wie brotlose Kunst aussehen. Dabei wird jedoch nicht selten die gegnerische Formation in Bewegung gebracht und eine entscheidende Lücke hinter der Mittellinie gesucht und oftmals auch gefunden.

Meisterstück gegen Bayern?

Im Rückspiel gegen Bayern München wird erneut die Qualität der beiden vonnöten sein, wenn Real den knappen Vorsprung verteidigen möchte. Die Madrilenen werden höchstwahrscheinlich wieder sehr tief stehen, das eigene Drittel verteidigen. Auf Modric wird viel Verteidigungsarbeit zukommen und im Umschaltspiel werden schnelle Pässe zur Überbrückung der bayerischen Mittelfeldreihe gefragt sein.

Viele Augen sind dann auf den kleinen Dirigenten gerichtet, wenn er wieder den Taktstock gegen die nicht minder talentierten Gegenspieler aus München schwingen möchte. Der Finaleinzug und womöglich "La Decima" wären für Modric eine Krönung, wenngleich schon heute von jedem jungen, aufstrebenden Mittelfeldkicker aus Kroatien erwartet wird, dass einer von ihnen der nächste Luka Modric ist.

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