Der Wandel: Schalke 04 vom Jäger zum Gejagten

Nun gilt es: Der Revierklub muss Platz drei verteidigen, auf Biegen und Brechen. Dabei bleibt den Schalkern auch weiterhin das Verletzungspech treu.
Aus Gelsenkirchen berichtet:
Goal-Korrespondent Hassan Talib Haji

Mit dem Wollen und dem Bekommen ist es immer so eine Sache. Das, was man will und das, was man bekommt, sind manchmal unterschiedliche Paar Schuhe. Schalke 04 liegt mit vier Punkten Vorsprung auf Platz drei, welcher zum direkten Einzug in die Champions League berechtigt. Diesen Rang will Jens Keller mit seinen noch übrig gebliebenen Spielern verteidigen. Dabei ist ein Umdenken im Kopf notwendig.

Denn die Situation ist nun eine andere. Schalke 04 war in der Hinrunde stets der Jäger, kam aus der Deckung und genoss den Vorteil von geringem Druck. Nun hat die Mannschaft von Jens Keller etwas zu verspielen, nämlich den wichtigen Platz drei. Der Jäger wurde also zum Gejagten, und zwangsläufig wird eben dieser von der lauernden Konkurrenz angegriffen. Dabei ist es für Königsblau eine verzwickte Situation - ein anderes Denken muss her. Keller lässt das aber wie gewohnt kalt: "Sollen wir uns jetzt einen Kopf machen, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist? Egal, was am Sonntag passiert: wir werden trotzdem auf dem dritten Platz stehen."

Zweckoptimismus ist das wahrlich nicht, da Schalke seine Stärken kennt. Als zweitbeste Rückrundenmannschaft hievte sich die junge Truppe ab Januar von Platz sieben hoch bis an dritter Stelle. Es herrscht trotz der Niederlage beim VfB Stuttgart (1:3) aus der Vorwoche ein positives Gefühl. Das wird auch von Nöten sein.

Teure Partynacht

Und dabei interessiert die Verantwortlichen überhaupt nicht, wie die anderen Mannschaften am Wochenende abschneiden werden. "Es wäre natürlich schön, wenn die Konkurrenten hinter uns Punkte lassen würden, aber das können wir halt nicht beeinflussen. Wichtig ist, dass wir unsere Zähler holen", bekräftigt auch Manager Horst Heldt dieses schon teils egoistisch anmutende Denken nach innen.

Irgendwelche Eskapaden darf sich allerdings kein Profi des Tabellendritten erlauben, doch zwei von Ihnen nahmen sich die Freiheit, trotz der sehr wichtigen Phase im Saisonendspurt. Unter der Woche gaben Sead Kolasinac und Felipe Santana den Tanzbär, genossen leckere Drinks und zeigten ein nicht zu tolerierendes Bild nach außen. Die Verantwortlichen auf Schalke haben das registriert und dementsprechend gehandelt. "Die beiden werden ordentlich sanktioniert", kommentierte Heldt die Konsequenzen, angesprochen auf dieses Fehlverhalten. Das bedeutet: klare Worte und eine saftige Geldstrafe erwartet die Beiden, die darüber bereits seitens des Vereins informiert wurden.

Mit solchen Nebenkriegsschauplätzen wird sich am kommenden Sonntag jedoch niemand mehr auseinandersetzen. Gegen Borussia Mönchengladbach hat Schalke 04 eine echte Nuss zu knacken. Ob das Momentum dennoch weiter blau in sich trägt, schließlich haben die Fohlen seit 17 Spielen in der Veltins Arena nicht gewinnen können?

Fehlen wird Schalke 04 auf jeden Fall Jefferson Farfan, dessen allergische Reaktion vom Vorwochenende noch nicht abgeklungen ist. Klaas-Jan Huntelaar und Max Meyer sind noch fraglich. Der Niederländer laboriert an einer Rachenentzündung und der Jungspund hat sich die Hüfte verdreht, sein Einsatz scheint im Moment laut Keller aber wahrscheinlicher zu sein, als der des Chefstürmers. Die wieder ins volle Training eingestiegenen Marco Höger und Jan Kirchhoff sind noch keine Option.