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Werder Bremen in der Kaderanalyse: Wer muss im Sommer gehen?

Passiert kein Wunder, mehr wird Werder auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen. Manager Eichin kann also planen und es liegt eine Menge Arbeit vor ihm.

ANALYSE
Von Falko Blöding

Als Thomas Eichin bei Werder Bremen anheuerte, stellte er eines ziemlich schnell klar: Es werde drei Transferperioden dauern, ehe es an der Weser "sein" Kader sei. Im Lager der Grün-Weißen tummelten und tummeln sich noch immer zahlreiche teure Altlasten aus besseren Europapokaltagen, die ihm Vorgänger Klaus Allofs hinterlassen hat. Eichin und Trainer Robin Dutt sind angesichts der finanziellen Bremer Lage gezwungen, mit wenigen Mitteln einen Umbruch durchzuziehen.

Werders Kader ist längst allenfalls noch (unterer) Bundesliga-Durchschnitt. Vor Thomas Eichin liegt nun das dritte Transferfenster als Bremer Manager und es werden gewiss entscheidende Wochen im Sommer: Eichin muss ein gutes Händchen haben. Andernfalls droht in der folgenden Spielzeit erneut der Abstiegskampf und ob dieser dann erneut glimpflich ausgeht, das erscheint fraglich.

Goal nimmt den Bremer Kader unter die Lupe.

TOR

Sebastian Mielitz galt lange als Kronprinz von Tim Wiese. Schon in seinem ersten Jahr als Nummer eins erfüllte er die hohen Erwartungen nur selten. Nach einigen schwachen Spielen in der Vorrunde dieser Saison degradierte ihn Robin Dutt zur Nummer zwei. Mielitz hat vor wenigen Wochen verkündet, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und dem Klub nach mehr als zehn Jahren den Rücken kehren wird. Stand jetzt heißt das Keeperduo 2014/15 also Raphael Wolf und Richard Strebinger (verlängerte kürzlich bis 2017). Dass ein neuer Schlussmann kommt, ist nicht zu erwarten. Wolf hat seine Sache in der Rückserie ordentlich erledigt. Viele Fans träumen zwar noch immer von einer Rückkehr Tim Wieses, doch die ist allein aus finanziellen Gründen nicht machbar.

ABWEHR

In der Innenverteidigung hat einzig Luca Caldirola seinen Platz für die neue Saison sicher. Der Italiener absolvierte eine gute erste Saison in Deutschland und soll langfristig eine Säule im Werder-Spiel werden. Sebastian Prödl war 2014 häufig Anführer und Turm in der Schlacht. Sein Vertrag läuft allerdings 2015 aus und der Österreicher, dessen Form im Bremer Dress häufig schwankte, zählt gewiss zu den Besserverdienern. Bei ihm gilt es nun eine Grundsatzentscheidung zu treffen - verlängern, oder in diesem Sommer verkaufen, um noch eine Ablöse einzustreichen? Ein Abgang in diesem Sommer wäre keine Überraschung, auch wenn Eichin sich zuletzt positiv über den 26 Jahre alten Abwehrspieler äußerte und gar Vertragsverhandlungen in der Sommerpause in Aussicht stellte. Assani Lukimya ist an guten Tagen eine Zweikampfmaschine und an schlechten aufgrund seiner hohen Fehlerquote ein Garant für Punktverluste. Mit dem Kongolesen wird Werder auf Sicht nicht in höhere Tabellenregionen vorstoßen.

WERDER STREICHKANDIDATEN

Sebastian Mielitz
Clemens Fritz
Assani Lukimya
Mateo Pavlovic

Lukas Schmitz
Aleksandar Ignjovski
Aaron Hunt
Mehmet Ekici

Mateo Pavlovic ist an Ferencvaros Budapest ausgeliehen und dürfte sich im Sommer ganz verabschieden. Kommen wird dagegen Alejandro Galvez von Rayo Vallecano. Mit dem 24-Jährigen besteht seit längerer Zeit Einigkeit, es fehlt nur noch die offizielle Bestätigung des ablösefreien Transfers. Ein weiterer Mann für die Defensivzentrale wird nur kommen, falls Prödl und Lukimya den Klub verlassen.

Links in der Viererkette ist Santiago Garcia erste Wahl und wird es auch bleiben. Der Argentinier ist bei den Fans beliebt, muss aber dringend sein überschäumendes Temperament zügeln. Noch ist er ausgeliehen, vieles deutet aber daraufhin, dass die Hanseaten den Deal permanent machen. Vertreter Lukas Schmitz hat in seinen drei Jahren bei Werder nie gezeigt, dass er ein Leistungsträger sein kann und darf wechseln.

Die Position des Rechtsverteidigers ist eine riesige Baustelle. Kapitän Clemens Fritz ist nur noch bedingt bundesligatauglich. Dem einstigen Nationalspieler mangelt es an Schnelligkeit, eine mehrwöchige Verletzungspause war in diesem Frühjahr nicht hilfreich. Sein Vertrag läuft aus, verlängert sich aber bei einer bestimmten Anzahl an Einsätzen. Fritz besitzt noch einen gut dotierten Kontrakt aus Europapokalzeiten, der in keinem Verhältnis zu seinen Leistungen steht.

Theodor Gebre Selassie kam nach der EM 2012, um Fritz Dampf zu machen und ihn langfristig zu ersetzen. Das gelang nicht; der Tscheche ist ebenso ein Unsicherheitsfaktor. Werder wird mindestens einen neuen Rechtsverteidiger verpflichten. Zarte Gerüchte gibt es um Udinese Calcios Silvain Widmer. Zudem steht mit dem 18-Jährigen Luca-Milan Zander ein hoffnungsvolles Talent aus dem eigenen Nachwuchs in den Startlöchern. Dasselbe gilt übrigens auf links für Cimo Röcker.

MITTELFELD

Im Mittelfeld sind die ersten Entscheidungen bereits gefallen: Mit Aaron Hunt wird sich der dienstälteste Bremer ablösefrei verabschieden und auch Aleksandar Ignjovski geht: Der Serbe wollte dauerhaft im Zentrum ran, bei Werder bekleidete er häufig eine der Außenpositionen in der Viererkette. Neu an die Weser kommt Fin Bartels. Beim FC St. Pauli absolviert er in der zweiten Liga eine starke Saison.

Sicher bleiben werden außerdem Philipp Bargfrede, Felix Kroos und Zlatko Junuzovic, der eine positive Entwicklung genommen hat. Cedrick Makiadi hat dagegen die Erwartungen nicht erfüllt und ist gewiss nicht unersetzlich. Das gilt in noch größerem Maße für Mehmet Ekici. Bei einer ordentlichen Offerte legte ihm Eichin gewiss keine Steine in den Weg. Hohe Erwartungen knüpfen die Bremer an den noch blassen Winterneuzugang Ludovic Obraniak. Er soll in der kommenden Saison eine Schlüsselrolle im Offensivspiel einnehmen.

Und dann sind da noch Julian von Haacke, Levent Aycicek und Özkan Yildirim: Die drei deutschen Junioren-Nationalspieler gelten allesamt als hochtalentiert. Angesichts der leeren Bremer Kassen sind die Hoffnungen groß, dass diese drei schnell den nächsten Entwicklungsschritt hinbekommen und zügig Alternativen für die erste Mannschaft werden. Zumindest bei von Haacke ist allerdings Geduld gefragt: Er riss sich vor wenigen Tagen das Kreuzband.

STURM

Werder stellt den drittschlechtesten Angriff der Liga. Kein Wunder, dass Eichin jüngst nach der Pleite in Mainz klarstellte: "Offensiv werden wir was machen." Hinter Franco di Santo liegt ein ordentliches erstes Jahr in Bremen. Er wird bleiben und bei ihm sind die Hoffnungen auf eine positive Entwicklung groß. Der Argentinier hat Nils Petersen den Rang abgelaufen. Petersen arbeitet zwar nach wie vor viel, lässt aber den Killerinstinkt vermissen, der ihm einst die Torjägerkanone der zweiten Bundesliga und einen Vertrag beim FC Bayern einbrachte. Unverkäuflich ist er nicht. Das gilt auch für Eljero Elia. Zwar hat der Niederländer ab und zu herausragende Spiele, in der Mehrheit sind seine Auftritte jedoch schwach. Dazu kommt, dass Elia zumindest noch einen halbwegs ordentlichen Wiederverkaufswert hat und zu den Bestverdienern der Mannschaft gehört.

"VOLLE KANNE" GEGEN DIE BAYERN
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Die Youngster Martin Kobylanski und Davie Selke haben bereits Profiluft geschnuppert und sollen weitere Erfahrungen sammeln. Offen ist, was mit den ausgeliehen Joseph Akpala, Niklas Füllkrug und Johannes Wurtz passiert. Zumindest bei Akpala stehen die Zeichen aber klar auf Trennung.

Die Namen, die als mögliche Neuzugänge für die Abteilung Attacke gehandelt werden, sind mitunter sehr klangvoll. Zum Beispiel die der jungen Italiener Manolo Gabbiadini, Ciro Immobile und Domenico Berardi. Zwar ist die Kooperation mit Juventus Turin ein Faustpfand bei Immobile und Berardi, doch es interessieren sich Klubs deutlich höheren Formats für die beiden Talente. Zudem wäre sie auch dementsprechend teuer.

Niemand sollte a la Fußballmanager 15 Abhänge und ein Dutzend neue Spieler erwarten. Doch es herrscht eine Menge Handlungsbedarf im Bremer Kader und Thomas Eichin will sich schließlich an seinen Worten aus dem letzten Jahr messen lassen. Er muss das zeigen, was einst Klaus Allofs gelang, als er Werder dank kluger Transfers zum kleinem Preis, und einem glücklichen Händchen bei der Spielerauswahl aus dem Mittelmaß in die obere Tabellenregion führte.

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