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Bei Stuttgart weht seit der Ankunft von Huub Stevens ein frischer Wind. Mit dem Niederländer wollen die Schwaben den Absturz in die zweite Liga verhindern.

ANALYSE
Von Lukas Nowak

Stuttgart. Der VfB Stuttgart ist mitten im Abstiegsstrudel. Unter Ex-Coach Thomas Schneider geriet man in ihn hinein. Nach neun Niederlagen in Folge und einem Remis gegen Schlusslicht Eintracht Braunschweig wurde der aus der B-Jugend geholte Übungsleiter geschasst. Als Feuerwehrmann installierte man den Niederländer Huub Stevens. Das Ziel: Klassenerhalt – mehr nicht.

Sein Vorgänger übernahm den Klub am vierten Spieltag auf Tabellenplatz 17 und führte ihn auf Rang sechs. Man träumte schon von Europa, ehe man zuerst im Mittelfeld versank und später in die unteren Tabellen-Regionen rutschte. Auf Platz 15 zog man bei den Schwaben schließlich die Reißlinie. Man hatte bei den Spielern nie so wirklich das Gefühl, als hätten sie unter Schneider verstanden, dass man sich im Kampf um den Klassenerhalt befinde.

Auch deshalb griff man beim VfB wohl auf einen Trainer zurück, der mit einer hohen Autorität aufwartet. Stevens, wurde in seiner Zeit in Holland unter dem Alias "Knurrer von Kerkrade" bekannt. Das bekommen auch die Profis teilweise zu spüren: "Jeder weiß, was der Trainer von uns will", äußerte Timo Werner exklusiv gegenüber Goal und fügte an: "Wenn es dann nicht passt, dann spricht er es auch mal energisch an."

Klare Ansprachen von Stevens

Beinahe jeder Spieler beim VfB führt an, dass die größte Veränderung unter dem neuen Coach die klaren Ansprachen seien. Eine Weisheit, für welche der 60-Jährige auch weitestgehend bekannt ist, lautet folgendermaßen: "Die Null muss stehen." Werner pflichtet dem bei: "Wenn die Null steht, hat man einen Punkt sicher, wenn nicht sogar mehr."

Einer, der die Arbeit des Niederländers eher aus der Ferne zu beurteilen weiß, ist Klubpräsident Bernd Wahler: "Er ist ein absoluter Vollprofi – arbeitet hoch konzentriert und ist top motiviert. Er hat in der kurzen Zeit eine sehr gute Arbeit geleistet, eine super Mischung aus Analyse, Trainingsarbeit, Fehleransprache und Veränderungen in der Mannschaft. Die Fehler in Nürnberg hat er klar angesprochen."

Die Resultate und auch die Auftritte sprechen für diese Arbeit. Bisher weist er in fünf Spielen eine ausgeglichene Bilanz auf. Zwei Erfolge und ebenso viele Pleiten, sowie ein Remis zum Einstand. Die Niederlage gegen Nürnberg war ein trister Auftritt seiner Truppe, die man schnellstmöglich vergessen wollte und das auch tat. Es folgten ein beeindruckender Auftritt gegen den BVB, bei dem man sich selbst um den Lohn der harten Arbeit brachte, nach der Zwei-Tore-Führung ohne Punkte blieb, sowie der Derbysieg gegen den SC Freiburg, bei dem man hinten absolut nichts anbrennen ließ.

Genau die Schwachstelle der Stuttgarter konnte in einem richtungsweisenden Spiel behoben werden. Innenverteidiger Antonio Rüdiger pfeift in der Hinsicht ebenfalls wieder aus dem gleichen Rohr: "Der Trainer hat die Dinge klar angesprochen und wir haben sie umgesetzt." Mit dem Dreier gegen den Sport-Club konnte man die Abstiegs- bzw. Relegationsränge verlassen. Daniel Didavi weiß, wer dafür verantwortlich ist: "Der Trainer hat einen großen Anteil daran."

Den Kampf um den Klassenerhalt angenommen

Man weiß nun was Abstiegskampf bedeutet. Werner spricht vom "Push der gefehlt hat". Teamkollege Martin Harnik spürt den Effekt der Veränderung: "Der Trainerwechsel hat eine Art Euphorie freigesetzt und eine große Hoffnung entfacht", ließ er via Vereinsmagazin verlauten. Gegen direkte Konkurrenten hielt man sich schadlos. Einzig Hannover 96 wartet am 32. Spieltag noch auf den VfB. Doch ob die Niedersachsen bis dahin noch nach unten schauen müssen, bleibt offen.

Darauf darf in Stuttgart niemand schauen. Mit Gladbach, Schalke, Wolfsburg und dem FC Bayern warten Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Wenn man nicht absteigen möchte, muss man gegen diese Mannschaften punkten.

Bei den Fans ist man sich auch im Klaren darüber, worum es zurzeit geht. Nicht umsonst wurde im Verein die Anti-Abstiegs-Kampagne "Zusammenhalten" ins Leben gerufen. Die Unterstützung im Stadion ist seither blendend. Negativ aufgefallen sind die Anhänger nur im letzten Heimspiel bei der Auswechslung von Vedad Ibisevic. Der Angreifer befindet sich seit ein paar Spielen im Formtief. Die Pfiffe versteht Kapitän Christian Gentner dennoch nicht: "Wir befinden uns im Abstiegskampf. Das Motto 'Zusammenhalten' gilt für uns alle."

Kader noch mit Frage- aber auch mit Ausrufezeichen

Die Gegenwart steht im Zeichen des Abstiegskampfes. Was die Zukunft dem VfB bringen wird, weiß jedoch keiner. Liga eins oder zwei? Wer sitzt nächstes Jahr auf der Bank? Bleibt Fredi Bobic? Wie gestaltet sich der Kader? Letzteres ist natürlich stark abhängig von der Liga-Zugehörigkeit. Zuletzt verlängerten mit Odisseas Vlachodimos und Marius Funk zwei Nachwuchstorhüter. Des Weiteren wurden Robin Yalcin und Timo Werner an den Verein gebunden. Einzig Rani Khedira hat von den "Jungen Wilden" sein Arbeitspapier noch nicht ausgedehnt.

Bei den Etablierten steht der Abschied von Ibrahima Traore im Sommer bereits fest. Den Flügelflitzer zieht es wohl zu Borussia Mönchengladbach. Auch Ibisevic ist bei der ausbleibenden Qualifikation für Europa ein Kandidat für den Abschied. Der Anspruch des Bosniers ist das internationale Parkett. Zuletzt wurde er mit dem AC Florenz in Verbindung gebracht. Von geplanten Transferaktivitäten ist in der breiten Öffentlichkeit nichts bekannt. Mit Carlos Gruezo hat man im Winter bereits einen Vorgriff auf den Sommer getätigt.

Wer nach der Saison bei den Schwaben das Training leiten wird, ist ebenso ungewiss. Es kursieren im Ländle einige Namen, wie etwa Holger Stanislawski und Ralf Rangnick. Ob an den Gerüchten etwas dran ist, bleibt zweifelhaft. Ins Kreuzfeuer geriet bei den Fans jedenfalls auch schon einmal Sportvorstand Bobic. Im "worst case" dürfte auch sein Stuhl gehörig wackeln. Beim Klassenerhalt dürfte sein Job jedoch sicher sein, denn die Installation von Stevens hatte zum größten Teil auch er zu verantworten.

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