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Am Mittwochabend kommt es zum Rückspiel zwischen Atletico und Barca. Messi blieb gegen die Madrilenen zuletzt erfolglos - kann Simeone ihn erneut im Zaum halten?

ANALYSE
Von Ben Hayward

Wie stoppt man Lionel Messi? Trainer auf der ganzen Welt haben sich den Kopf darüber zerbrochen und ein Gegenmittel gegen diesen argentinischen Ausnahmefußballer gesucht - aber nur wenige haben eins gefunden. Es scheint fast unmöglich, den viermaligen Weltfußballer auszuschalten, ein Mann aber erreichte dieses Ziel gleich fünfmal in Folge.

Diego Simeone hatte in jenen fünf Partien zweifelsohne auch das Glück auf seiner Seite. Dass Messis Genialität aber derart oft im Zaum gehalten werden konnte, ist viel mehr als nur Glück oder Zufall. Wie aber hat Simeone das geschafft?

Viele Jahre lang hat Messi Atletico regelrecht vorgeführt, 20 Tore in 14 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Seit Simeones Ankunft hat sich das geändert. Der Superstar blieb in den letzten fünf Spielen gegen die Madrilenen ohne Tor - in insgesamt 341 Minuten.

Messi: Gegen die Rojiblancos 341 Minuten ohne Treffer

Die erste dieser Partien konnte Barca dennoch für sich entscheiden. Beim 2:1-Sieg der Katalanen im Estadio Vicente Calderon stand Messi in der Startelf, konnte jedoch kaum für Gefahr sorgen. Ein öffnender Pass auf Cristian Tello, der letztlich aber von Diego Godin gestoppt werden konnte, sowie ein Freistoß, der genau auf Keeper Thibaut Courtois ging - viel mehr kam nicht. Letztlich brach die Oberschenkelverletzung wieder auf und Messi musste nach 67 Minuten ausgewechselt werden. Ohne ihn wurde Barca tatsächlich besser und drehte das Spiel - in Unterzahl.

Beide Mannschaften trafen sich im spanischen Supercup wieder, erneut im Vicente Calderon. Und wie schon im vorherigen Spiel musste Messi das Feld verletzungsbedingt verlassen, diesmal in der Halbzeitpause. Als er noch im Einsatz war, spielte der 26-Jährige einen schönen Pass auf Pedro und gab einen Weitschuss ab, trat ansonsten nicht in Erscheinung. Neymar glich in der zweiten Halbzeit den Führungstreffer von David Villa aus, die Partie endete 1:1.

Taktikfuchs | Simeones Team konnte Messi fünfmal in Folge im Zaum halten

Acht Tage später begegneter sich beide Teams erneut, diesmal im Camp Nou. Messi gab sein Startelfcomeback und kam stark ins Spiel, nach einem Pass von Sergio Busquets scheiterte er aber an Courtois. Im zweiten Durchgang aber wurde der Südamerikaner schwächer, was auch an mangelnder Fitness gelegen haben mag. Es gab ihn für ihn kein Durchkommen mehr, nicht mal, als Atletico-Akteur Filipe Luis vom Platz gestellt wurde. Auch einen Elfmeter konnte er nicht nutzen und traf nur die Latte. Das Spiel endete torlos, die Supercopa gewann Barca dank Neymars Auswärtstor dennoch.

Courtois verhindert Messi-Einschlag

Im Januar sorgte Simeones Team erneut für Frust bei den Katalanen, die Begegnung im Vicente Calderon blieb ebenfalls ohne Treffer. Messi saß zunächst auf der Bank, nachdem er aufgrund seiner Oberschenkelverletzung im November und Dezember hauptsächlich zum Zuschauen verdammt war. Seine Einwechslung erfolgte in der Halbzeit, Andres Iniesta musste für ihn weichen. Trotz durchaus auffälligen 45 Minuten stand Messi am Ende ohne Zählbares da, was vor allem an Courtois lag. Der belgische Schlussmann konnte nicht nur eine gefährliche Flanke entschärfen, sondern auch kurz vor Schluss mit einer Glanzparade Messis Linksschuss abwehren. Der La-Masia-Zögling köpfte zudem einmal neben das Tor und gab einen präzisen Pass auf Cesc Fabregas ab, der jedoch schnell von Godin, Joao Miranda und Filipe Luis bedrängt wurde.

In der vergangenen Woche im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals kam es dann letztlich zur erneuten Begegnung. Auch diesmal konnte der Angreifer nicht einnetzen, erneut fand er seinen Meister in Courtois. Der Belgier reagierte in der ersten Halbzeit hervorragend, als Messi einen Kopfball auf das Tor beförderte. Auch in der Schlussphase war der Torhüter auf dem Posten und konnte einen Freistoß des Stürmers entschärfen. Bereits zuvor hatte Messi den im Strafraum freistehenden Iniesta in Szene gesetzt, Godins Block aber war perfekt getimt.

MESSI MIT PROBLEMEN GEGEN ATLETICO

Ergebnis
S 2:1 (A)

U 1:1 (A)


0:0 (H)

0:0 (A)

1:1 (H)
Datum
12.05.13

21.08.13

29.08.13

11.01.14


01.04.14
Min.
67

45

90

45

90
Tore
0

0

0

0

0

Godin, Miranda, Filipe Luis & Juanfran

Derartige Momente waren gegen Atletico jedoch rar gesät. Simeones Team trat in allen fünf Spielen mit derselben Vierer-Abwehrkette an: Godin, Miranda, Filipe Luis und Juanfran. Die Vier haben ein fast telepathisches Verständnis füreinander entwickelt.

"Simeone hat Spieler, die mit größter Hingabe agieren - er hat das Team sehr viel stärker gemacht", sagte der frühere Atletico-Akteur Quique Estebaranz gegenüber Goal. "Die Defensive ist eine starke Einheit, und das wurde mit harter Arbeit erreicht. Simeone stachelt die Spieler mit seiner Ansprache an und sorgt dafür, dass sie füreinander spielen - das ist das große Geheimnis."

Die tiefstehende Viererkette ist ausgestattet mit Disziplin, Organisation, maximaler Hingabe, Mut und schreckt, wenn nötig, auch vor Fouls nicht zurück. Sie wird unterstützt durch ein Mittelfeld, das den Raum zwischen den beiden Linien äußerst gering hält und so die öffnenden Pässe Barcas verhindert.

"Das Pressing aus dem Mittelfeld ist wichtig", so Estebaranz weiter. "Atletico arbeitet extrem hart, um die Räume für Messi eng zu machen. Das ist nicht nur die Aufgabe der Abwehr, auch die Mittelfeldspieler helfen aus und stoßen in die gefährliche Zone, um eine Überzahlsituation zu schaffen."

Atletico: Das Simeone-Abbild?

So wird Messi dazu gezwungen, sich zurückfallen zu lassen oder auf die Flügel auszuweichen, wo sein Einfluss naturgemäß sinkt. Das Barca-Mittelfeld wird währenddessen dazu gezwungen, Querpässe zu spielen, oder aber das Leder eher spekulativ nach vorne zu dreschen, was aufgrund der gut stehenden Atletico-Defensive nicht selten zu einem Ballverlust führt.

Und wenn all das nicht hilft, hat man ja immer noch einen Torwart - die stattliche Erscheinung Courtois. "Er hat momentan eine fantastische Zeit", freut sich Estebaranz. "Er ist seit zwei oder drei Jahren in großartiger Form und macht für dieses Team einen großen Unterschied aus - wir hoffen, er kann noch viel länger bei Atletico bleiben."

Barca sieht gegen defensiv stehende Teams häufig nicht gut aus und mag es nicht, wenn der Gegner physisch auftritt. Atletico ist quasi das Abbild vom Spieler Simeone. Kampfbetont, extrem fit, äußerst hingebungsvoll und manchmal auch über die Strenge schlagend, wenn die Regeln bis aufs Äußerste strapaziert werden, um den Gegner zu stoppen.

"Teamwork ist der Schlüssel", verriet Veljko Paunovic, ein weiterer ehemaliger Atletico-Spieler, gegenüber Goal. "Bei Atletico laufen die Dinge gut und das kann man sehen. Das sind die Früchte der harten Arbeit der letzten Jahre, der Planung und der Organisation. Simeone ist ein großartiger Anführer für ein großartiges Projekt.

Und was ist mit Neymar?

Der Ex-Stürmer warnt seinen ehemaligen Klub jedoch davor, sich nur auf den Superstar Barcas zu konzentrieren. "Messi konnte zuletzt nicht gegen Atletico treffen, weil die Verteidiger ihn im Griff hatten und sich auf ihn konzentriert haben. Jedoch wird so mehr Raum für andere Spieler von Barcelona gelassen, die gefährliche Situationen kreieren und Tore schießen können - wie Neymar es getan hat." Der Brasilianer erzielte in dieser Saison beide Barca-Tore gegen die spanischen Hauptstädter.

Was also wird dieses Mal passieren? "Es wird spannend sein, zu sehen, welche technischen und taktischen Strategien die beiden Trainer anwenden", fügte Paunovic hinzu, während Estebaranz erklärte: "Ich denke, es wird ähnlich laufen wie zuletzt: ein enges Spiel, wie die letzten vier auch. Es ist ein Duell unterschiedlicher Stile und es wird ein unglaublicher Kampf."

Dieses Mal jedoch geht es um den Halbfinale der Champions League und einer der beiden Argentinier wird am Ende die Siegerfaust heben. Wird das Simeone oder Messi sein? Das Schachspiel geht in die nächste Runde.


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