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Gladbach verpflichtete mit Andre Hahn bereits den dritten Neuzugang für die kommende Saison. Goal analysiert für Euch die Kaderplanung des ambitionierten Traditionsklubs.

ANALYSE
Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Max Eberl ist ein umtriebiger Mann. Mehrfach wöchentlich steht der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach der Presse Rede und Antwort und präsentiert sich dabei als das Gesicht des Klubs aus der Vitussstadt. Doch damit nicht genug, denn Eberl hat in aller Ruhe bereits drei Neuzugänge für die neue Saison eingetütet und sich dabei einmal mehr gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt. Nach Fabian Johnson von der TSG 1899 Hoffenheim und Yann Sommer vom FC Basel gelang mit der Verpflichtung von Augsburgs Andre Hahn zuletzt ein weiterer Transferknaller.

Die drei Spieler wechseln mit gehörigen Ambitionen an den Niederrhein und werden Gladbachs Kader nicht nur in der Breite verstärken. Weitere Neuzugänge werden folgen und doch ist kein Bundesligist bei der Planung für die neue Spielzeit so weit wie die Borussia.

Bei den bisherigen Verpflichtungen ist ein Muster zu erkennen, denn es ist zu erwarten, dass Trainer Lucien Favre zur kommenden Saison zwar in Grundzügen an seinem System festhalten, dieses jedoch modifizieren wird. So soll Gladbach weiter dominant auftreten und dem Gegner mit viel Ballbesitz kontrollieren. Allerdings soll das Spiel schneller und die Flügel mehr einbezogen werden.

Fällt "Fußballgott" Arango der Tempoverschärfung zum Opfer?

Bislang ist Patrick Herrmann derjenige, der über die rechte Außenbahn für ordentlichen Zug nach vorne sorgt, Kollege Juan Arango ist nicht unbedingt ein Sprinter und neigt dazu, in die Mitte zu ziehen. Der Venezolaner ist mit seiner Passsicherheit und seinem genialen linken Fuß kaum aus dem Team wegzudenken und der Anhang der Borussia wünscht sich den "Fußballgott" trotz einiger Schwächen weiter im Team. Ob die Zukunft des fast 34-Jährigen in Gladbach liegt, wird in diesen Tagen entschieden.

Betrachten wir die Kaderplanung von Borussia Mönchengladbach nach den einzelnen Mannschaftsteilen, blicken darauf, wie sich die bereits verpflichteten Spieler einfügen könnten und welche Positionen noch neu besetzt werden müssen.

Tor

Max Eberl wurde durch Marc-Andre ter Stegens Streben nach Höherem zum Handeln gezwungen und hat mit dem international erfahrenen Yann Sommer einen adäquaten Ersatz gefunden. Der Basler passt mit seinen fußballerischen Qualitäten exakt ins Favresche System.

Die jüngsten Entwicklungen um ter Stegens potenziellen neuen Arbeitgeber Barcelona, der mit einem Transferverbot belegt worden ist, werden keinen Einfluss darauf haben, wer in der kommenden Saison das Tor hütet. Der gebürtige Mönchengladbacher bestätigte noch einmal, dass er die Borussia im Sommer verlassen werde, sein Berater Gerd vom Bruch ist "in der Sache ganz entspannt" und "geht definitiv davon aus, dass ter Stegen nicht arbeitslos wird".

Eines ist sicher: Der Sommer kommt nach Gladbach

Es stellt sich also lediglich die Frage, ob unterm Strich aus dem Torhüter-Deal einige Millionen Euro übrig bleiben, die den Handlungsspielraum für die Kaderplanung weiter erhöhen.

Abwehr

Bei der Besetzung der Viererkette wird es spannend. Der Sportdirektor verkündete auf der vereinseigenen Homepage, dass es für Roel Brouwers mit einer Vertragsverlängerung schwer werde, weil man die Möglichkeit besitze, einen sehr guten Innenverteidiger zu verpflichten. Dabei kann es sich nur um Fabian Schär vom FC Basel oder um das Freiburger Toptalent Matthias Ginter handeln. Zudem erklärte Alvaro Dominguez jüngst gegenüber Goal, dass ein Abgang im Sommer durchaus eine Option für ihn sei. Der nun verletzte Martin Stranzl verlängerte noch mal um ein Jahr und wird bei anhaltender Form auch in der kommenden Saison den Abwehrchef geben.

Ein neuer Top-Innenverteidiger plus Stranzl und eben Dominguez, den man nicht ziehen lassen wird, dazu Jantschke und Nordtveit als Alternativen – damit steht die Abwehrzentrale. Auf den Außenbahnen erhöht Johnson den Druck links auf Kapitän Daems und Wendt, auf der rechten Seite müssen Jantschke und Korb den Neuzugang als Konkurrenz fürchten.

Mittelfeld

Stand heute wird Andre Hahn, von dem Lucien Favre bereits in höchsten Tönen schwärmt, Patrick Herrmann und Youngster Amin Younes auf dem rechten Flügel Konkurrenz machen. Auch der ablösefreie Stuttgarter Ibrahim Traore oder der international erfahrene Basler Valentin Stocker sind als Verstärkung im Gespräch. Selbst eine Verpflichtung von Xherdan Shaqiri könnte im Bereich des Möglichen liegen. Demnach soll der Schweizer Nationalspieler beim FC Bayern verlängern und für zwei Jahre auf Leihbasis an den Niederrhein wechseln.

Wie vor einem Jahr bei Kruse, nutzte Sportdirektor Eberl auch bei Hahn eine Ausstiegsklausel

Mindestens einer dieser Flügelflitzer wird sicher kommen, um die Planstelle von Juan Arango zu besetzen, oder diesem zumindest Konkurrenz zu machen. Dem Venezolaner ist nach Bild-Informationen nun ein Einjahresvertrag zu reduzierten Bezügen angeboten worden. Der Linksfuß würde gerne länger bleiben, nach einem Kompromiss wird gesucht. Im Hinblick auf eine zu erwartende Europapokal-Saison sollte man auf Arangos Erfahrung nicht verzichten.

Auf der "Doppelsechs" verfügt Lucien Favre mit Kramer, Nordtveit, Jantschke und Xhaka zwar über genügend Personal, doch lediglich der zuletzt auf die Bank verbannte Schweizer Nationalspieler ist mit seiner Kreativität und seinen Vertikalpässen auch für das Offensivspiel der Fohlen hilfreich. Da man nicht wissen kann, in welcher Verfassung sich Xhaka mit einer WM in den Beinen zur neuen Saison präsentieren wird, sollte eine Alternative für seine Position eine Überlegung wert sein. Bislang halten sich Sportdirektor und Trainer in dieser Frage allerdings bedeckt.

Angriff

Die Abteilung Attacke ist mit den Halbstürmern Max Kruse und Raffael bestens besetzt. Da Favre das Flügelspiel verstärken will, kann es nicht schaden, wenn ein wuchtiger Mittelstürmer als taktische Variable dem Kader angehört. Peniel Mlapa, der ob geringer Einsatzzeiten frustriert seinen Abgang forciert, wird dies ebenso wenig sein, wie der an Newcastle United ausgeliehene Luuk de Jong, der sich als teuerstes Missverständnis der Vereinsgeschichte herauskristallisiert hat. Bleibt Branimir Hrgota, den Lucien Favre sehr schätzt, dem aber der Durchbruch bei den Fohlen bislang nicht gelang.

Ibrahima Traore ablösefrei an den Niederrhein?

Unterm Strich läuft das Projekt "Mehr Tempo für den Kader" also auf Hochtouren. Einen Innenverteidiger hat Max Eberl bereits an der Angel, einen weiteren Flügelflitzer (Traore?) möglicherweise auch. Somit gilt es die Personalien Arango, Mlapa und de Jong zu klären und sich darüber hinaus Gedanken zu machen, ob man auf Xhaka als einzigen offensiven Sechser setzt und mit der Verpflichtung eines echten Stürmers die taktischen Optionen im Angriff weiter erhöht.

Die bisherigen Transfers und die sich anbahnende Qualifikation für das internationale Geschäft machen Borussia Mönchengladbach als potenziellen Arbeitgeber für weitere Neuzugänge attraktiv und werden dem Sportdirektor die Veredlung des Kaders erleichtern. Die neue Saison kann kommen.

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