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Eine besondere Beziehung: Das bemerkenswerte Verhältnis von Ibrahimovic und Mourinho

Sie arbeiteten nur eine Saison zusammen: Dennoch verbindet den schwedischen Stürmer und den portugiesischen Coach ein besonderes Verhältnis.

KOMMENTAR
Von Mark Doyle

Trennungen sind nie leicht. Zlatan Ibrahimovic fand das heraus, nachdem er sich im Sommer 2009 dazu entschlossen hatte, Inter Mailand in Richtung Barcelona zu verlassen. Kurz vor seinem Abschied hatten er und Jose Mourinho eine letzte Begegnung im Mannschaftshotel nach einem Testspiel in der Saisonvorbereitung.

"Ich merkte, dass er sauer und wütend war", schrieb Ibra in seiner Autobiographie "I am Zlatan". "Er wollte mich nicht verlieren und in dem Trainingsmatch setzte er mich auf die Bank. Ich fühlte es auch: Egal wie sehr ich mich freute, zu Barca zu gehen, ich war traurig, Mourinho zu verlassen. Der Mann ist besonders."

Es begann mit einer SMS

Ibrahimovic hatte mitbekommen, dass Mourinho nicht wie andere Trainer war, noch ehe die beiden sich zum ersten Mal persönlich begegnet waren. Im  Sommer 2008 nahm der Schwede mit seiner Nationalmannschaft an der Europameisterschaft teil. Und nach dem Duell in der Gruppenphase mit Spanien bekam er eine SMS vom neuen Inter-Trainer.

"Ich kriege ständig massig Nachrichten", so Ibrahimovic. "Aber diese war von Mourinho. 'Gut gespielt', schrieb er und gab mir dann Ratschläge. Ich schwöre, ich war baff. Das hatte ich noch nie bekommen: Eine Nachricht von einem Trainer! Ich meine, ich hatte mit der schwedischen Mannschaft gespielt. Damit hatte er nichts zu tun. Aber er kümmerte sich. Ich antwortete ihm und er schrieb mir wieder zurück. Es war, als beobachtete er mich. Ich spürte große Wertschätzung."

Ibrahimovic wusste genau, wieso Mourinho ihm diese SMS schickte ("Er manipuliert Spieler wie kein anderer ... Er wollte meine Loylität."). Dennoch war er von den Schmeicheleien des portugiesischen Startrainers angetan.

Mourinho knüpfte damals starke emotionale Bande mit jedem Spieler in der Inter-Kabine. Bemerkenswert waren seine Aufmerksamkeit und seine Berücksichtigung von Kleinigkeiten auf und außerhalb des Platzes. Er wusste über den gegnerischen Außenverteidiger ebenso gut Bescheid wie über die Familien seiner eigenen Spieler.

"Ich stufe ihn als einen der besten Spieler ein, mit dem ich gearbeitet habe."

- Jose Mourinho


Ibra erklärte: "Er ist nett. Als er zum ersten Mal Helena traf, da flüsterte er ihr zu: 'Helena, Du hast nur einen Auftrag: Füttere Zlatan, lass ihn schlafen und mach ihn glücklich.' Der Kerl sagt einfach, was er will. Ich mag ihn. Er führt seine Armee an, aber er kümmert sich auch."

"Er ist das genaue Gegenteil von (Pep) Guardiola. Wenn Mourinho einen Raum betritt, dann wird es hell. Guardiola zieht dagegen die Vorhänge zu. Ich fand, dass Guardiola ihm nacheifern wollte", so der Angreifer weiter.

Es ist eben schwer, über Ibrahimovics einzigartige Beziehung zu Mourinho zu sprechen, ohne Guardiola ins Spiel zu bringen. Während er Mourinho bereits mochte, ehe er ihn getroffen hatte, war er bezüglich Guardiolas Menschenführung von Anfang an skeptisch. Bei Mou hatte er das Gefühl, "wichtig" zu sein und Guardiola ließ ihn sich fühlen, als sei er "anders". "Er dachte, er könne mich ändern", erinnerte sich Ibrahimovic.

Zunächst versuchte er sich anzupassen. Doch es war wohl nur eine Frage der Zeit, ehe der "echte Zlatan" sich wehren sollte.

"Fahr zur Hölle"

Nachdem er das Gefühle hatte, er sei der Sündenbock für das Aus in der Champions League, ausgerechnet gegen Inter, brach es im Anschluss an eine Partie gegen Villarreal aus ihm heraus. Ibrahimovic schilderte es so: "Ich schrie ihn an 'Du hast keine Eier' und machte es noch schlimmer mit 'Du sch*** Dir vor Mourinho in die Hose. Fahr zur Hölle!'"

Geschichten wie diese tragen zum Image des angeblich "untrainierbaren" Zlatan bei. Mourinho behauptet dagegen das komplette Gegenteil: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass Leute sagen, es sei schwierig, mit ihm zu arbeiten. Oder dass er ein schwieriger Charakter sei. Schwierig ist es, mit Leuten zu arbeiten, die nicht gewinnen oder sich nicht verbessern möchten. Wenn Du einen Gewinner hast, der immer gewinnen und immer der Beste sein will, der keine Angst vor Verantwortung hat, dann empfinde ich das als sehr, sehr leicht. Ich habe ihn nur ein Jahr lang trainiert und es war eine gute Erfahrung. Ich stufe ihn als einen der besten Spieler ein, mit dem ich gearbeitet habe."

Faktor Angst | Ibrahimovic fand, Guardiola habe Angst vor Mourinho


Aus diesem Grund warnt Mourinho seine Spieler auch vor der Bedrohung, die Ibra mit Paris Saint-Germain für Chelseas Hoffnungen auf den Gewinn der Champions League darstellt.

Ibrahimovic ist ein Siegertyp. Aber die Tatsache, dass er noch nie einen Europapokal gewonnen hat, nagt an ihm. Ebenso sehr hat es ihn getroffen, dass Mourinho die Königsklasse mit Inter ohne ihn holte.

"Wir werden den Pokal holen. Vergiss das nicht."

In ihrem letzten Gespräch in dem Teamhotel vor Zlatans Abschied Richtung Katalonien sagte Mourinho: "Du gehst also zu Barca, um die Champions League zu gewinnen, ja?... Aber wir werden diejenigen sein, die den Pokal holen. Vergiss das nicht. Wir werden die Sieger sein!"

Diese Konversation ist Ibrahimovic im Gedächtnis geblieben. Und Mourinho weiß das. Die beide halten nach wie vor Kontakt, und "The Special One" weiß um den Traum des Schweden, endlich in der Königsklasse zu triumphieren: "Zlatan ist ein besonderer Spieler. Er hat alle Meisterschaften gewonnen und jetzt will er die Champions League gewinnen."

Das war das Wort wieder: besonders. Ein besonderer Spieler. Ein besonderer Trainer. Eine besondere Beziehung.

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