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Schlüsselrollen für Reus und Aubameyang: Wie der BVB Real Madrid erneut schlagen kann

Borussia Dortmund fährt als krasser Außenseiter nach Madrid. Der personell geschwächte Bundesligist wird auf ein erstarktes Real treffen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es trotzdem.

ANALYSE
Von Constantin Eckner

Für Borussia Dortmund wird das Viertelfinale der Champions League eine schwere Hürde. Obwohl der Vorjahresfinalist Gegner Real Madrid in der vergangenen Saison famos geschlagen hat, steht die Begegnung mit den "Königlichen" diesmal unter anderen Vorzeichen.

Im Vergleich zur Halbfinalpartie aus dem Jahr 2013 werden die verletzten Neven Subotic, Marcel Schmelzer, Sven Bender, Ilkay Gündogan und Jakub Blaszczykowski fehlen. Zudem hat sich die Mannschaft von Real Madrid unter Trainer Carlo Ancelotti in dieser Spielzeit noch gesteigert.

Schlüsselspieler Angel Di Maria

Der italienische Chefcoach behielt einerseits die Komponente des schnellen Umschaltspiels bei und bekam mit Gareth Bale dafür sogar noch einen perfekt geeigneten Akteur hinzu. Andererseits ist Madrids Spiel im Mittelfeldzentrum variabler geworden. Seit der Verletzung von Sami Khedira setzt Ancelotti vornehmlich auf Luka Modric und Angel Di Maria für die Achterpositionen vor Xabi Alonso. Der ballsichere Modric ist dabei für die tiefere Passzirkulation zuständig und stetiger Anspielanker für seine Kollegen. Di Maria hingegen agiert auf der halblinken Position oftmals auf den Flügel ausweichend. Entweder er überlädt mit Cristiano Ronaldo die Außenbahn oder der Portugiese schiebt ins Zentrum und es bildet sich situativ ein 4-4-2/4-2-3-1.

Beim Clasico am vorletzten Wochenende gegen den FC Barcelona war es vor allem Di Marias Ausweichen und die anschließenden Hereingaben, die den Katalanen Schwierigkeiten bereiteten. Dabei konnten die "Königlichen" Karim Benzema ins Luftduell mit dem klein gewachsenen Innenverteidiger Javier Mascherano schicken. Insgesamt besitzt Real in Tornähe Durchschlagskraft. Es wird eine harte Aufgabe für Mats Hummels und Sokratis.

Ohne Lewandowski in Madrid

Dem BVB gelang es im letztjährigen Halbfinale die Schwächen der Madrilenen gut zu bespielen. Sie isolierten Xabi Alonso, überluden die linke Seite, wodurch Khedira rausrücken musste. Dortmund dominierte die Halbräume, wo Real wenig Zugriff hatte. Zudem trat Jose Mourinhos Mannschaft in Dortmund in einem konservativen 4-3-3 auf und war nur unzureichend im offensiven Zentrum präsent. Dadurch erleichterten die Blancos Ilkay Gündogan die Spielgestaltung und die spielstarken Akteure Marco Reus, Mario Götze und Robert Lewandowski wurden im letzten Drittel gut eingebunden. Zudem rückte Bender offensiv stets auf, blieb aber passiv, um dann bei Ballgewinnen von Madrid sofort ins Gegenpressing überzugehen.

In diesem Punkt wird ein aktuelles Problem der Dortmunder deutlich. Götze ist vor der Saison gewechselt, Lewandowski im Hinspiel gesperrt, Bender verletzt und Gündogan steht seit langer Zeit  nicht zur Verfügung. Gerade durch den Ausfall des Letztgenannten hat sich die Spielstruktur von Jürgen Klopps Mannschaft partiell geändert. Immer noch ist Dortmund eine vertikalorientierte Umschaltmannschaft. Allerdings herrscht durch Nuri Sahin und Sebastian Kehl ein größerer Stabilitätsfokus im Zentrum. Beide versuchen stets die Balance zu halten und gehen weniger Risiken im Offensivspiel ein.

Es wird also diesmal schwieriger, die Linien der Madrilenen schnell und vor allem präzise zu überbrücken. Zudem fehlt Lewandowski im Hinspiel als wichtige Ballverarbeitungsstation in der Offensive. Dafür könnte Klopp auf Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang im Zentrum zurückgreifen. Der Gabuner wäre vor allem für steile Schnittstellenpässe aus tieferer Position geeignet, wodurch man ihn ins Sprintduell mit Pepe und Sergio Ramos schicken könnte. Reus wäre seinerseits eine kombinationsstarke Option für die Neunerposition. Außerdem könnte der deutsche Nationalspieler zusätzlich durch ausweichende Bewegungen Raum für Henrik Mkhitaryan und dessen dynamische Dribblings schaffen.

Wachsamkeit bei Spielverlagerungen

Im Gegenzug muss der BVB darauf achten, dass Real nicht zu schnell das Mittelfeld überspielen kann. Des Öfteren verlagern die "Königlichen" in tieferer Position auf eine Seite und versuchen dadurch den Gegner auf diesen Flügel zu ziehen. Mit einem gezielten Pass ins Zentrum wird dann auf den anderen Flügel verlagert. Deshalb muss auch der ballferne Außenbahnspieler des BVB wachsam sein und rechtzeitig zum Pressing einrücken.

Kommt Madrid einmal nach vorn, rückt die Mannschaft oftmals kollektiv weit auf. Würden den Dortmundern in diesen Momenten Balleroberungen gelingen, könnte es Platz für schnelle Steilpässe und Tempokonter über Reus und Aubameyang geben. Die Quoten stehen eindeutig für den haushohen Favoriten aus Madrid. Doch Ancelottis Mannschaft darf den BVB keinesfalls unterschätzen. Dafür bleiben die Schwarz-Gelben gerade im Umschaltspiel zu gefährlich. 

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